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Wilhelmsruh
Ortsteil im Bezirk Pankow · Runde 66 von 74
Wilhelmsruh liegt im Westen von Pankow, an der Grenze zu Reinickendorf, und ist bis heute von einem großen Fabrikgelände geprägt. Am 2. Februar 2025 bin ich hier 5,6 Kilometer gelaufen, vom S-Bahnhof am Gelände von Bergmann-Borsig entlang zum Garibalditeich und zur Lutherkirche und über die Hauptstraße zurück zum Umspannwerk.
Kurz gesagt
- Die Colonie Wilhelmsruh entstand um 1893 als Villenvorort von Rosenthal. Ein eigener Ortsteil ist Wilhelmsruh erst seit Januar 2001.
- Ab 1907 baute die Bergmann-Elektrizitätswerke AG hier ihr Werk, später der VEB Bergmann-Borsig, heute der PankowPark. Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz.
- Auch die Lutherkirche von 1905 bis 1907 und das Umspannwerk von 1925 bis 1927 sind Baudenkmale.
- Die Runde führt an acht Orten vorbei. Der S-Bahnhof liegt am Rand des Ortsteils, dort halten die S1 und seit Dezember 2025 die S85.
Geschichte
Wilhelmsruh war zuerst eine Siedlung. Die Colonie Wilhelmsruh entstand um 1893 auf Flächen, die Bauern an große Baugesellschaften verkauft hatten. Sie gehörte zu Rosenthal (mehr dazu auf der Seite zu Rosenthal). Die Landhäuser und Villen entstanden überwiegend Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Schon 1877 hatte die Berliner Nordbahn hier einen Haltepunkt eingerichtet.
Prägend wurde ab 1907 die Industrie. Die Bergmann-Elektrizitätswerke hatten in Wedding zu wenig Platz und bauten in Wilhelmsruh ein neues Werk, in dem 1908 die Produktion begann. Zu den frühen Bauten von 1907 bis 1910 gehören unter anderem Blechwalzwerk, Kraftzentrale und Kabelhallen. Im Zweiten Weltkrieg stellte die Fabrik auch Rüstungsgüter her, 1940 entstand eine Halle für Munitionsfertigung. Nach 1945 hieß das Werk VEB Bergmann-Borsig und baute Ausrüstung für Kraftwerke.
Verwaltungsmäßig gehörte Wilhelmsruh nach der Bildung Groß-Berlins am 1. Oktober 1920 zum Bezirk Reinickendorf, seit 1938 zu Pankow. Nach dem Mauerbau 1961 lag das Werk im Grenzgebiet, direkt neben der Berliner Mauer. Das Gelände war bis zum Mauerfall Sperrgebiet. Wie der Mauerweg am Werk entlangführt, steht in der ersten Etappe. Seit der Bezirksreform Anfang 2001 ist Wilhelmsruh ein eigener Ortsteil. Das Werksgelände heißt heute PankowPark.
Was Wilhelmsruh ausmacht
Wilhelmsruh wirkt eher kleinstädtisch, mit Landhäusern und Villen, die zum Teil erhalten sind. Dazwischen liegt das große Werksgelände, das den Ortsteil seit gut hundert Jahren bestimmt. Für die Beschäftigten entstanden in den 1950er Jahren fünfgeschossige Wohnbauten am Rand der bisherigen Bebauung. Die meisten sind heute saniert.
Das Gelände wird weiter genutzt. Neben Gewerbe gibt es dort Kulturstätten, Bildungseinrichtungen und Ateliers. In der Nähe liegen der Wilhelmsruher See und der Garibalditeich.
Orte, die sich lohnen
Bergmann-Borsig an der Hertzstraße
Nach gut einem Kilometer führt die Runde am Gelände von Bergmann-Borsig entlang. Der historische Werkseingang liegt an der Hertzstraße 61. Tor und Pförtnerhaus gehören mit Baubeginn 1907 zur denkmalgeschützten Gesamtanlage, die sich über Hertzstraße, Lessingstraße, Kurze Straße und Heinz-Brandt-Straße erstreckt. Mehrere Bauten aus den 1930er und 1940er Jahren, darunter Verwaltungsgebäude, Gummifabrik und Munitionshalle, entwarf der Architekt Jean Krämer.


Das Gelände heute
Auf dem früheren Werksgelände arbeitet heute unter anderem Stadler. Am Standort Pankow werden U-Bahn-Wagen für die BVG gebaut. Daneben nutzen Gewerbe, Kultur, Bildung und Ateliers die alten Hallen.

Turbinenhallen
Weiter am Gelände liegen die Bauten der DDR-Zeit. Die Turbinenbauhalle entstand 1950 bis 1952 nach einem Entwurf des VEB Industrie-Entwurf Berlin, ausgeführt von der Bau-Union Ost. Von 1951 bis 1953 folgte eine weitere Fabrikhalle. Bis zum nächsten Ort der Runde sind es etwa anderthalb Kilometer.
Garibalditeich
Hinter Wohnhäusern liegt der Garibalditeich. Laut Bezirksamt ist er eigentlich ein Regenwasserauffangbecken und hieß früher Victoriasee. Der Zugang führt über die Garibaldistraße, die früher Victoriastraße hieß. Um das Becken liegt eine Parkanlage mit alten Bäumen.
Lutherkirche
Nach knapp fünf Kilometern steht an der Hielscherstraße die Lutherkirche, eine rote Backsteinkirche im Stil der märkischen Backsteingotik. Sie wurde von 1905 bis 1907 nach Plänen von Fritz Gottlob gebaut. Zur denkmalgeschützten Gesamtanlage gehören auch Gemeindehaus und Pfarrhaus.


Gedenkstein an der Hauptstraße
Kurz darauf geht es zur Hauptstraße. Dort steht an der Hausnummer 34 und 38 ein Gedenkstein von 1949, entworfen von Erwin Damerow. In der Denkmalliste ist er als Gedenkstätte eingetragen, der Eintrag heißt „Gedenkstein für ermordete Antifaschisten“.
KulturPost und Bibliothek
In der Hauptstraße 32 war früher die Post. Heute sitzt dort die KulturPost. Der Verein Leben in Wilhelmsruh betreibt unter derselben Adresse ehrenamtlich eine Bibliothek.
Umspannwerk an der Kopenhagener Straße
Die Runde endet kurz vor dem S-Bahnhof am Umspannwerk, Kopenhagener Straße 83 bis 89. Hans Heinrich Müller entwarf es 1925 bis 1927. Die Anlage hat vier Flügel, ein Stahlskelett und eine Fassade aus roten Klinkern. Zur Straße liegt die Phasenschieberhalle, an ihren Seiten stehen fünfgeschossige Wohnbauten, auf der Rückseite hohe Treppentürme. Das Umspannwerk ist nicht mehr in Betrieb. Von 2007 bis 2009 wurde es zu Büros umgebaut.
Meine Runde
Die Runde ist 5,6 Kilometer lang. Sie beginnt und endet am S-Bahnhof Wilhelmsruh. Dazwischen führt sie am Werksgelände von Bergmann-Borsig entlang, dann zum Garibalditeich und zur Lutherkirche. Über die Hauptstraße geht es zurück zum Umspannwerk an der Kopenhagener Straße.
Am Wegesrand
Juni 1953 im Werk. Der VEB Bergmann-Borsig galt als Vorzeigebetrieb der DDR. Beim Volksaufstand am 17. Juni 1953 schloss sich ein großer Teil der Belegschaft den Aufständischen an. Ein Lagebericht vom selben Tag meldete bei Bergmann-Borsig eine Belegschaftsversammlung und Streikdrohungen.
Ein Stück Hinterlandmauer. Am früheren Werksgelände und am Bahndamm steht ein rund 150 Meter langes Stück der Hinterlandsicherungsmauer, die zur Grenzsicherung der DDR gehörte. Das Landesdenkmalamt hat es 2021 unter Denkmalschutz gestellt.
Eine Schule im Umspannwerk. Seit dem Schuljahr 2024/25 nutzt das Gymnasium am Europasportpark das Umspannwerk als Ausweichstandort, während sein Gebäude an der Kniprodestraße saniert wird. Die Schule trägt inzwischen den Namen Inge-Deutschkron-Gymnasium.
Ein Bahnsteig neben dem S-Bahnhof. Die Stammstrecke der Heidekrautbahn ab Wilhelmsruh lag seit dem Mauerbau 1961 brach. Im November 2024 begann der Bau des Regionalbahnsteigs. Er entsteht direkt neben der S-Bahn-Station.
Gut zu wissen
Mit der Bahn: Der S-Bahnhof Wilhelmsruh liegt am Rand des Ortsteils, dort halten die S1 und seit Dezember 2025 die S85. Außerdem fährt der Bus 122.
Mehr auf dieser Seite: Das Werksgelände als früheres Grenzgebiet kommt in der ersten Etappe des Berliner Mauerwegs vor, die von Hermsdorf über Rosenthal und Wilhelmsruh zur Wollankstraße führt. Zu Rosenthal gehörte Wilhelmsruh bis zur Bezirksreform. Von Wilhelmsruh geht die Mauerweg-Etappe weiter zur Schönholzer Heide, mehr dazu auf der Seite zu Niederschönhausen.
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