Flugplatz Löpten an der Etappe 5 des Paul-Gerhardt-Wegs, März 2021.
Mitten im Kiefernwald zwischen Groß Köris und Märkisch Buchholz liegt ein Flugplatz, auf dem nie dauerhaft Flugzeuge standen. Die NVA hat ihn Ende der 1960er Jahre als Ausweichplatz angelegt, ein paar Mal im Jahr übte hier eine Staffel. Heute führt der Paul-Gerhardt-Weg an ihm entlang, auf dem Gelände wachsen Kiefern, und im Wald liegen die Reste der kleinen Bunker.
Ein Flugplatz für den Ernstfall
Die NVA ließ den Platz Ende der 1960er Jahre von Bausoldaten anlegen, 1969 ging er in Betrieb. Ein Fliegerhorst war er nie. Der Flugplatz Kleinköris, wie er in den Unterlagen der NVA heißt, war ein Feldflugplatz: ein Ausweichplatz für das Jagdfliegergeschwader 7, das in Drewitz bei Cottbus stationiert war. Etwa vier- bis fünfmal im Jahr verlegte eine Staffel hierher und übte Start und Landung. Auch die Hubschrauberstaffel der Volkspolizei trainierte hier. Im Funkverkehr hieß der Platz „Lilli“, der Flugleiter meldete sich als „Lilli-Start“.
Die Start- und Landebahn war 2350 Meter lang und 37,5 Meter breit, befestigt waren nur die Aufsetzpunkte an beiden Enden, dazwischen lag Gras. Südlich davon lag eine Notlandebahn aus zwei Grasstreifen. Um das Flugfeld lief eine 11,5 Meter breite Ringrollbahn aus Beton und Bitumen. An ihr lagen die Abstellplätze für bis zu 14 Flugzeuge, eine Flugleitung mit angebautem Bunker, ein Tanklager und rund ein Dutzend kleine Schutzbauten vom Typ FB-3. Rund 40 Soldaten waren ständig am Platz, zur Bewachung und für Funk und Flugsicherung. Eingezäunt war das Gelände nicht, die Straßen nach Löpten und Hammer ließen sich mit Schlagbäumen sperren.
Nach der Wende wurde der Platz geschlossen und diente eine Zeit lang als Sammelplatz für Waffen und Panzer der aufgelösten NVA. Im Juli 2007 landeten hier noch einmal Flugzeuge: Für den Stauffenberg-Film „Operation Walküre“ mit Tom Cruise ließ Studio Babelsberg zwei Junkers Ju 52 über Löpten kreisen und auf dem alten Rollfeld starten, die Kulisse der „Wolfsschanze“ stand im Wald bei Klein Köris. Der Platz stand dabei für den Flugplatz Rangsdorf, von dem Stauffenberg am 20. Juli 1944 nach Ostpreußen aufbrach. Es war der letzte Flugbetrieb in Löpten. Die Landebahn soll danach bepflanzt worden sein.
Vom Weg aus
Der Paul-Gerhardt-Weg kommt von Groß Köris durch den Wald des Naturparks Dahme-Heideseen und führt am Flugplatz entlang. Die alte Ringrollbahn liegt direkt daneben: eine gerade Betonpiste, an der junge Kiefern hochkommen. Die Landebahn selbst soll inzwischen zugewachsen sein.

Im Wald neben dem Weg liegen Reste der kleinen Bunker: Erde darüber, der Beton der Eingänge geborsten. Flugleitung, Tanklager und Schächte liegen weiter im Gelände, Fotos von 2006 zeigen sie noch als Gebäude.
Gut zu wissen
- Das Gelände liegt im Naturpark Dahme-Heideseen und ist nicht eingezäunt. Die Bunker sind Ruinen.
- Einkehr gibt es am Flugplatz keine. Ein Stück weiter am Weg liegt das Forsthaus Hammer mit der Wildkammer und einem Hofladen.
- Der Flugplatz ist der Mittelpunkt der einsamsten Etappe des Paul-Gerhardt-Wegs: Von Groß Köris bis Märkisch Buchholz kommt kein Dorf.
Steckbrief
Ort
zwischen Löpten und Hammer, Gemeinde Groß Köris, Dahme-Spreewald
Gebaut
1968 bis 1969, genutzt bis zur Wende
Nutzung
Ausweichflugplatz des Jagdfliegergeschwaders 7 der NVA
Zustand
stillgelegt, Rollweg und Bunkerreste erhalten
Lage
im Naturpark Dahme-Heideseen, am Paul-Gerhardt-Weg
Haltestelle
Bahnhof Groß Köris (Regionalzug), rund sechs Kilometer zu Fuß
Gelaufen am
31. März 2021
Am Weg
Ich bin hier auf dem Paul-Gerhardt-Weg vorbeigekommen: Etappe 5 von Groß Köris nach Märkisch Buchholz. Den ganzen Weg beschreibt der Gesamtbericht.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte in Brandenburg: das Wilhelm-Pieck-Denkmal in Guben und das Stadion am Quenz in Brandenburg an der Havel.
