Unterwegs zu Fuß

Französischer Dom: Hugenottenkirche, Gontard-Turm und Wiederaufbau

Kuppelturm des Französischen Doms am Gendarmenmarkt mit Säulen und Figuren vor blauem Himmel

Der Turm des Französischen Doms, gebaut 1780 bis 1785.

Am Gendarmenmarkt im Ortsteil Mitte stehen sich zwei baugleiche Kuppeltürme gegenüber, der Deutsche und der Französische Dom. Zum Französischen Dom gehören die Französische Friedrichstadtkirche und der große Turm, der gut 75 Jahre nach ihr dazukam.

Eine Kirche für die Hugenott*innen

Die Kirche war die Pfarrkirche der Réfugiés, der französischen Glaubensflüchtlinge, die sich in der Friedrichstadt angesiedelt hatten. Louis Gayard begann den Bau 1701. Nach seinem Tod führte Abraham Quesnay ihn zu Ende, 1705 wurde die Kirche eingeweiht.

Vorbild war die Hauptkirche der Hugenott*innen in Charenton. Sie war 1624 gebaut und 1688 zerstört worden. Wie dort ist die Berliner Kirche ein querliegender Saal mit halbrunden Anbauten. 1905 erneuerte Otto March die Kirche im neobarocken Stil, die äußere Gestalt blieb dabei erhalten. Am Giebel der Westseite steht seitdem: „Erbaut 1705. Erneut 1905.“

Ein Turm ohne Aufgabe

Die beiden Kuppeltürme am Platz ließ Friedrich II. von 1780 bis 1785 nach Plänen von Carl von Gontard bauen. Vorbild waren die barocken Kuppelkirchen an der Piazza del Popolo in Rom. Eine eigentliche Aufgabe hatten die Türme nicht, sie sollten den Platz schmücken. Ganz glatt lief der Bau nicht: 1781 stürzte der Turm an der Deutschen Kirche ein.

Oben trägt der Turm ein steiles Kuppeldach mit Kupfer. Die Figuren an der Kuppel stehen für Tugend und Religion. Die heutigen hat Achim Kühn 1985 neu geschaffen.

Krieg und Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Französische Dom schwer beschädigt. Die Kirche wurde 1978 bis 1983 weitgehend so wieder aufgebaut, wie sie nach dem Umbau von 1905 ausgesehen hatte. Im Turm gibt es einen offenen Umgang als Aussichtsgeschoss. Genutzt wird der Turm vom Hugenottenmuseum und von einem Restaurant. Das Museum gibt es seit 1935. Es zeigt unter anderem das Edikt von Potsdam im Original, mit dem Kurfürst Friedrich Wilhelm 1685 rund 20.000 Glaubensflüchtlinge aus Frankreich ins Land holte.

Architekt*in

Louis Gayard und Abraham Quesnay (Kirche), Carl von Gontard (Turm)

Ort

Gendarmenmarkt 5, Mitte

Gebaut

Kirche 1701 bis 1705, Turm 1780 bis 1785, Wiederaufbau 1978 bis 1983

Zustand

Baudenkmal, Kirche, Hugenottenmuseum im Turm

Zugang

von außen frei zu sehen

Nächste Haltestelle

Französische Straße (ca. 200 m), Hausvogteiplatz (ca. 250 m), Stadtmitte (ca. 300 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HFranzösische StraßeHHausvogteiplatz
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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: Max Lingners Wandbild „Aufbau der Republik“ an der Leipziger Straße und der Berliner Dom am Lustgarten. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich