Unterwegs zu Fuß

Aufbau der Republik: Max Lingner, Porzellanfliesen und 17. Juni

Wandbild Aufbau der Republik von Max Lingner aus Porzellanfliesen am Bundesfinanzministerium in der Leipziger Straße

Max Lingners „Aufbau der Republik“, enthüllt 1953.

An der Ecke von Leipziger Straße und Wilhelmstraße im Ortsteil Mitte steht das Detlev-Rohwedder-Haus. Gebaut wurde es als Reichsluftfahrtministerium, heute sitzt darin das Bundesfinanzministerium. In der Pfeilervorhalle an der Nordostecke ist Max Lingners Wandbild „Aufbau der Republik“, 24 Meter lang und 3 Meter hoch, aus Fliesen aus Meißner Porzellan.

Ein Bild für einen Soldatenfries

Seit 1941 war an dieser Stelle ein Fries von Arnold Waldschmidt mit nach Osten ziehenden Wehrmachtssoldaten. Ab 1949 saß im Haus die Regierung der DDR. Im August 1950 schrieb das Ministerium für Aufbau einen Wettbewerb für ein neues Wandbild aus, den Lingner gewann. Lingner, 1888 in Leipzig geboren, war Maler und Grafiker. 1952 wurde der Soldatenfries durch sein Bild ersetzt.

Sechs Fassungen

Gegen den ersten Entwurf hatte Otto Grotewohl politische und ästhetische Einwände. Auf Wunsch von Grotewohl und Walter Ulbricht musste Lingner das Bild mehrmals ändern, erst mit der sechsten Überarbeitung war Grotewohl zufrieden. Der Entwurf hatte zuerst einen anderen Titel, in dem es um den Frieden ging. Gefordert war ein Aufbruch der Arbeiterklasse. Die Vergrößerung und die Übertragung auf die Kacheln musste Lingner aus der Hand geben. Mit dem fertigen Wandbild war er selbst unzufrieden.

Das Bild zeigt einen Zug von links nach rechts: Mitglieder der FDJ, Musikanten, Pionier*innen, Volkspolizei und ein Funktionär mit Krawatte und Aktentasche. In der Mitte stehen Bauarbeiter, gemeint ist der Bau der Stalinallee. Rechts geht es um Landwirtschaft, Schwerindustrie und die Arbeit von Ingenieur*innen. Enthüllt wurde das Bild am 3. Januar 1953, dem Geburtstag von Wilhelm Pieck.

Das Denkmal für den 17. Juni

Ein halbes Jahr später kam es in der DDR zum Aufstand vom 17. Juni 1953. Daran erinnert seit 2000 ein Denkmal von Wolfgang Rüppel im Boden des Vorplatzes. Es ist ein großes Foto von Demonstrierenden, eingelassen in den Platz. Es spiegelt Lingners Bild: oben an der Wand der gewünschte Aufbruch, unten auf dem Platz die Menschen, die im Juni 1953 auf die Straße gegangen sind.

Das Haus selbst wurde 1996 bis 1999 denkmalgerecht hergerichtet. Das Wandbild ist von der Leipziger Straße aus zu sehen.

Künstler*in

Max Lingner

Ort

Pfeilervorhalle des Detlev-Rohwedder-Hauses, Ecke Leipziger Straße und Wilhelmstraße, Mitte

Gebaut

1950 bis 1953, enthüllt am 3. Januar 1953

Zustand

erhalten, am heutigen Bundesfinanzministerium

Zugang

von der Leipziger Straße und vom Vorplatz aus frei zu sehen

Nächste Haltestelle

Leipziger Straße/Wilhelmstraße (ca. 60 m), U Anton-Wilhelm-Amo-Straße (ca. 250 m), S+U Potsdamer Platz (ca. 350 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HLeipziger Straße/WilhelmstraßeHU Anton-Wilhelm-Amo-Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Haus des Lehrers mit Walter Womackas Fries und das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich