Unterwegs zu Fuß

Kriminalgericht Moabit: Türme, Treppenhalle und Wasserkuppel

Turm des Kriminalgerichts Moabit an der Turmstraße mit grüner Kuppelhaube über der Sandsteinfassade

Kriminalgericht Moabit an der Turmstraße, eingeweiht 1906.

Das Kriminalgericht steht an der Turmstraße in Moabit, direkt neben dem Untersuchungsgefängnis. Am 17. April 1906 wurde es als „Königliches Criminalgericht“ eingeweiht. Heute sitzen darin Amts- und Landgericht.

Ein Gericht für ganz Berlin

Eine Justizreform von 1899 sah vor, die drei Berliner Landgerichte zu vereinen und in Moabit zusammen mit den Strafabteilungen des Amtsgerichts Mitte unterzubringen. Das alte Kriminalgericht an der Rathenower Straße, gebaut 1881, war dafür zu klein. Es wurde nach Kriegsschäden 1953 abgerissen.

Den Vorentwurf für den Neubau machten Paul Thoemer und Jean Fasquel, die Ausführung planten Rudolf Mönnich und Carl Vohl. Gebaut wurde von 1902 bis 1906. Vorbild war die Architektur aus der Zeit Friedrichs des Großen. Das Gebäude gilt als eines der bedeutendsten der wilhelminischen Zeit.

Türme und Kuppel

Die Front zur Turmstraße ist aus Werkstein und etwa 210 Meter lang. Zwei rund 60 Meter hohe Türme rahmen den breiten Mittelbau, in dem unter einem dreieckigen Giebel der Haupteingang liegt. Wo die Schwurgerichtssäle liegen, treten Erker aus der Fassade. An der Ecke zur Rathenower Straße sitzt eine etwa 48 Meter hohe Kuppel. Sie ist nicht nur Schmuck, in ihr steckt ein Wasserbehälter für das Haus.

Die große Halle

Hinter dem Haupteingang liegt eine Halle, 29 Meter hoch, 40 Meter lang und 27 Meter breit. „Sogar das Brandenburger Tor würde hier hineinpassen“, schreibt das Landgericht. Die Treppe führt in zwei geschwungenen Läufen um den Raum. Figurengruppen stehen für Religion, Gerechtigkeit, Streitsucht, Friedfertigkeit, Lüge und Wahrheit. In den Bodenfliesen der Eingangshalle stehen bis heute die Buchstaben „KCG“ für Königliches Criminalgericht.

Über eigene Gänge kamen die Angeklagten aus dem Untersuchungsgefängnis nebenan in die Säle, ohne Zeug*innen oder Publikum zu begegnen. Anfangs gab es 21 Säle. Das war bald zu wenig, mehrere Anbauten kamen dazu, zuletzt 1991. Heute hat das Gericht 60 Sitzungssäle.

Architekt*in

Paul Thoemer und Jean Fasquel (Vorentwurf), Rudolf Mönnich und Carl Vohl (Ausführung)

Ort

Turmstraße 91, Ecke Rathenower Straße, Moabit

Gebaut

1902 bis 1906, eingeweiht am 17. April 1906

Zustand

Baudenkmal, Sitz von Amts- und Landgericht

Zugang

Fassade von der Turmstraße aus zu sehen, das Haus ist ein Gericht im Betrieb

Nächste Haltestelle

Kriminalgericht Moabit (ca. 200 m), Alt-Moabit/Rathenower Straße (ca. 250 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Moabit vorbeigekommen: Moabit.

HKriminalgericht MoabitHAlt-Moabit/Rathenower Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Krematorium Wedding und die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Hansaviertel. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich