Unterwegs zu Fuß

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Speziallager Sachsenhausen: Museum und Gräberfelder in Oranienburg

Kreuz und Bronzerelief am Gräberfeld des sowjetischen Speziallagers in Sachsenhausen

Nach der Befreiung des KZ Sachsenhausen richtete die sowjetische Besatzungsmacht 1945 auf dem Gelände ein Speziallager ein. Bis 1950 waren dort rund 60.000 Menschen inhaftiert, etwa 12.000 starben. Ihre Toten liegen in drei Massengräbern in und um Oranienburg. Ich bin auf meiner Oranienburg-Runde an allen drei Gräberfeldern und an den erhaltenen Baracken vorbeigekommen.

Ort

Gedenkstätte Sachsenhausen, Straße der Nationen 22, Oranienburg

Gräberfelder

Kommandantenhof, An der Düne (Carl-Gustav-Hempel-Straße), Schmachtenhagener Forst

Zustand

Museum, zwei Steinbaracken und drei als Friedhöfe gestaltete Gräberfelder erhalten

Nächste Haltestelle

Bahnhof Oranienburg (S1, RE 5, RB 12), von dort Bus 804

Gelaufen am

4. April 2021

Das Lager 1945 bis 1950

Am 16. August 1945 kamen mehr als 5.000 Häftlinge nach einem Fußmarsch von rund 40 Kilometern aus dem Lager Weesow bei Werneuchen in Sachsenhausen an. Das Lager hieß zuerst Speziallager Nr. 7, ab 1948 Nr. 1, im Frühjahr 1950 wurde es aufgelöst. Es war das größte der zehn Speziallager in der Sowjetischen Besatzungszone. Die Zahlen von 60.000 Häftlingen und 12.000 Toten schließen Weesow ein.

Rund 30.000 Menschen wurden ohne Urteil interniert: untere und mittlere NS-Funktionäre, SS-Angehörige, Gestapo-Leute und KZ-Wachpersonal, aber auch einfache Mitglieder von NS-Jugendorganisationen, politische Gegner, willkürlich Verhaftete und Denunzierte. Dazu kamen mehrere Tausend Menschen, die ein sowjetisches Militärtribunal verurteilt hatte, und Wehrmachtsoffiziere, die im Herbst 1946 in die Sowjetunion gebracht wurden. Unter den Häftlingen waren auch bis zu 5.000 Frauen. Zu den Toten gehört der Schauspieler Heinrich George, der im September 1946 im Lager starb.

Das Lager war ein Schweigelager: Die Häftlinge durften keinen Kontakt nach außen haben, Angehörige erfuhren nichts. Die meisten starben an Hunger und Krankheiten, am meisten Menschen im Hungerwinter 1946/47. Reinhard Wolff, 1929 geboren, wurde 1945 als Jugendlicher unter dem falschen Verdacht verhaftet, zu den „Werwölfen“ zu gehören. Er blieb bis 1948 im Lager.

Im Sommer 1948 wurden etwa 5.000 Häftlinge entlassen. Wer 1950 noch im Lager war, kam frei oder wurde an DDR-Behörden übergeben. Mehrere Hundert kamen nach Waldheim, wo ab April 1950 Prozesse stattfanden. Verurteilte Frauen kamen nach Hoheneck. In der DDR war das Speziallager ein Tabu, die Aufarbeitung begann erst ab 1990.

Die drei Gräberfelder

Die Toten wurden anonym in Massengräbern bestattet. Die drei Gräberfelder wurden Anfang der 1990er Jahre als Friedhöfe gestaltet.

Kommandantenhof

Das größte Gräberfeld liegt im Nordosten der Gedenkstätte, an der Ecke Walther-Rathenau-Straße und Erich-Schmidt-Straße. Hier liegen rund 7.000 Tote. Ein Kreuz und ein Bronzerelief erinnern an sie, außerdem stehen hier Namenstafeln, die Angehörige seit 2010 aufgestellt haben.

An der Düne

Das zweite Massengrab liegt an der Carl-Gustav-Hempel-Straße, kurz vor dem Gelände der Gedenkstätte. Eine Gedenkstele erinnert an die Toten.

Schmachtenhagener Forst

Das dritte Gräberfeld liegt im Wald an der Bundesstraße nach Schmachtenhagen, abseits der Gedenkstätte. Es wurde im März 1990 gefunden, ein ehemaliger Häftling hatte darauf hingewiesen. Seit 1991 erinnern ein Gedenkstein und eine Tafel an die Toten. Wie viele hier liegen, ist nicht bekannt.

Museum und Baracken

Am Nordrand des früheren Lagerdreiecks steht das Museum zum Speziallager. Es wurde 2001 eröffnet, entworfen haben es die Architekten Till Schneider und Michael Schumacher. Das Haus ist flach und in den Boden abgesenkt, die Betonfassade spiegelt. Zwei erhaltene Steinbaracken der früheren Zone II gehören dazu und sind begehbar.

Die Frage, wie an das Speziallager erinnert werden soll, war lange umstritten: KZ-Überlebende fürchteten, dass die NS-Verbrechen relativiert werden, Angehörige der Speziallager-Opfer sahen sich als Opfer zweiter Klasse. Das Totenbuch nennt 11.889 Namen und ist seit 2022 online.

Gut zu wissen

Der Eintritt in die Gedenkstätte ist frei, die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf ihrer Seite. Vom Bahnhof Oranienburg fährt der Bus 804, zu Fuß sind es rund 20 Minuten. Das Gräberfeld im Schmachtenhagener Forst liegt weit draußen im Wald, Einkehr gibt es dort nicht. Weitere Orte der Gedenkstätte stehen im Beitrag zur Oranienburg-Runde.

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Oranienburg vorbeigekommen: Oranienburg zu Fuß: Schloss, Obstbausiedlung Eden, Heilstätte Grabowsee und Sachsenhausen.

1Museum und Baracken2Kommandantenhof3An der Düne4Schmachtenhagener ForstHBahnhof Oranienburg
1 Museum und Baracken, 2 Kommandantenhof, 3 An der Düne, 4 Schmachtenhagener Forst. H markiert den Bahnhof.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte dieser Art stehen in der Rubrik Gedenkorte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich