Unterwegs zu Fuß

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Stasi-Zentrale: Stasimuseum und Campus für Demokratie in Lichtenberg

Lange Gebäudefront der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg, im Erdgeschoss Tafeln einer Freiluftausstellung

Ab 1950 wuchs an der Normannenstraße in Lichtenberg die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit. Auf dem Gelände zwischen Ruschestraße und Normannenstraße liegen heute das Stasimuseum in Haus 1, das Archiv der Stasi-Unterlagen und weitere Ausstellungen, zusammen heißen sie Campus für Demokratie. Ich bin hier am 12. Dezember 2021 zu meiner Strecke zur Gedenkstätte Hohenschönhausen gestartet.

Ort

Campus für Demokratie, Ruschestraße 103, Berlin-Lichtenberg

Zustand

Stasimuseum in Haus 1, Archiv und Ausstellungen auf dem früheren Gelände

Nächste Haltestelle

U5 Magdalenenstraße

Gelaufen am

12. Dezember 2021

Wie die Zentrale wuchs

Das Ministerium wurde am 8. Februar 1950 gegründet. Sein erster Sitz war das frühere Finanzamt an der Normannenstraße 22, später Haus 2. In den folgenden Jahrzehnten kaufte die Stasi Flächen auf, riss Häuser ab, sperrte Straßen und baute große Bürokomplexe. Im Oktober 1989 standen im Kernbereich mehr als 40 Gebäude, mit dem Teilobjekt an der Gotlindestraße gehörten rund 22 Hektar dazu. In Lichtenberg arbeiteten dort etwa 5.000 bis 7.000 Menschen.

Haus 1 wurde Anfang der 1960er Jahre der Dienstsitz von Erich Mielke, der von 1957 bis November 1989 Minister war. Haus 15 für die Auslandsspionage war 1978 fertig, mit mehr als 1.100 Büros. Dafür verschwanden Kleingärten, Gewerbebetriebe, ein katholisches Altersheim und die Müllerstraße. Im Versorgungstrakt in Haus 18 gab es ab 1982 für ausgewählte Beschäftigte unter anderem Speisesäle, Läden, einen Friseur, ein Reisebüro und eine Buchhandlung. Haus 22 hieß intern „Feldherrnhügel“, weil dort seit 1960 die höheren Dienstgrade aßen. Heute ist es das Besucherzentrum mit dem Geländeplan.

Der 15. Januar 1990

Schon ab Dezember 1989 besetzten Bürgerkomitees Stasi-Dienststellen in der DDR. Am 15. Januar 1990 kamen Tausende Menschen auf das Gelände in der Normannenstraße, auch in Haus 18. Das Wort „Erstürmung“ ist verbreitet, Berichte schildern aber auch, dass Tore geöffnet wurden. Ein zweites Mal wurde das Gelände im September 1990 besetzt, im Streit um den Zugang zu den Akten.

Das Stasimuseum

Das Stasimuseum belegt Haus 1. Dort sind die Diensträume von Erich Mielke im Original erhalten. Dazu kommen Ausstellungen über den Überwachungsapparat mit Spezialkameras, Abhörtechnik, Einbruchswerkzeug, Methoden der Brieföffnung und Aktenbeispielen. In Haus 7, der früheren Hauptabteilung XX, zeigt das Bundesarchiv die Ausstellung „Einblick ins Geheime“, im Innenhof steht die Open-Air-Ausstellung „Revolution und Mauerfall“.

Die Hauptabteilung XX überwachte unter anderem die politische Opposition. Ein „Operativer Vorgang“ war ein formal bearbeiteter Fall, mit „Zersetzung“ bezeichnete die Stasi Maßnahmen, mit denen Menschen und Gruppen verunsichert und gegeneinander ausgespielt werden sollten.

Noch ein Haftort in der Nähe

Nicht auf meiner Strecke, aber nur einen Fußweg entfernt liegt der Roedeliusplatz an der Magdalenenstraße. Dort gab es ab 1945 ein sowjetisches Gefängnis und Militärtribunale, später nutzte es die Stasi. Der Bezirk hat am Roedeliusplatz den Erinnerungsort „Einschlüsse“ eingerichtet. Das Untersuchungsgefängnis der Stasi in Hohenschönhausen ist ein anderer Ort, über ihn steht mehr im Beitrag Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Gut zu wissen

Der Campus liegt an der U5 Magdalenenstraße. Museum, Archiv und Ausstellungen haben eigene Öffnungszeiten, sie stehen auf den Seiten des Stasimuseums und des Bundesarchivs.

Am Weg

Hier beginnt meine Strecke zur Gedenkstätte: Vom Stasimuseum zur Gedenkstätte Hohenschönhausen. Mehr zum Ortsteil steht auf der Seite Lichtenberg.

1Stasimuseum (Haus 1)2Hans-Zoschke-StadionHU5 Magdalenenstraße
1 Stasimuseum (Haus 1), 2 Hans-Zoschke-Stadion. H markiert den U-Bahnhof Magdalenenstraße.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte dieser Art stehen in der Rubrik Gedenkorte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich