Unterwegs zu Fuß

Weltzeituhr: Zeitzonen, Planeten und Trabi-Getriebe

Weltzeituhr am Alexanderplatz mit Stundenzahlen, Städtenamen und dem Planetenmodell darüber, blauer Himmel

Die Weltzeituhr von 1969 und 1970.

Die Weltzeituhr steht auf dem Alexanderplatz im Ortsteil Mitte, ein kurzes Stück vom Bahnhof entfernt. Sie zeigt, wie spät es gerade in den Zeitzonen der Welt ist. Für viele Berliner*innen und Tourist*innen ist sie ein beliebter Treffpunkt.

Eine Uhr für den neuen Alex

Die Weltzeituhr gehört zur Neugestaltung des Alexanderplatzes in der DDR. Entworfen hat sie Erich John, Kunstschmiedemeister und Formgestalter, ausgeführt haben sie J. Kunsch und H. Müller. Nach etwa neun Monaten Bauzeit wurde die Uhr am 30. September 1969 eingeweiht, kurz vor dem Fernsehturm.

Gebaut wurde die Uhr von 120 Arbeiter*innen der Optischen Werke Rathenow. Eine Baugenehmigung soll gefehlt haben, aufgefallen sei das erst kurz vor der Enthüllung.

Ihr voller Name ist Urania-Weltzeituhr. Bei Abrissarbeiten war eine alte Uraniasäule gefunden worden, eine Säule mit Wetteranzeige. Dieser Fund hat John laut berlin.de zu seinem Entwurf angeregt. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf nennt als Vorbild dagegen eine alte Linde auf einem Dorfplatz in Böhmen. John ist in einem kleinen Dorf in Böhmen aufgewachsen und kam nach dem Krieg in die sowjetische Besatzungszone. In der DDR wurde er einer der gefragtesten Formgestalter, von ihm stammen auch ein Schulmikroskop, das Röhrenradio Undine II und ein Lenkrad für den Wartburg.

Wie die Uhr funktioniert

Auf einer Säule sitzt ein Zylinder mit 24 Seiten, für jede Zeitzone eine. Die Seiten sind mit geätzten und emaillierten Aluminiumplatten verkleidet, in die die Namen großer Städte gefräst sind. Im Inneren dreht sich ein Stundenring. An ihm lässt sich von außen ablesen, wie spät es in der jeweiligen Zone ist. Oben auf der Uhr sitzt ein vereinfachtes Modell des Sonnensystems. Angetrieben wird das Ganze von einem umgebauten Trabant-Getriebe, das in einem Raum unter der Uhr steht. Um den Sockel liegt eine Windrose aus Mosaik.

Nach der Wende

Nach der Wende wurde die Uhr restauriert. Dabei kamen Fehler ans Licht: Einige Städte standen in der falschen Zeitzone. Sie wurden richtig zugeordnet, ein paar Städte kamen dazu. Seit Juli 2015 steht die Weltzeituhr unter Denkmalschutz.

Auf meiner Runde bin ich am Fernsehturm vorbei zum Alexanderplatz gelaufen und dort an der Weltzeituhr vorbeigekommen.

Künstler*in

Erich John (Entwurf), J. Kunsch und H. Müller (Ausführung)

Ort

Alexanderplatz, Mitte

Gebaut

1969 und 1970, eingeweiht am 30. September 1969

Zustand

Baudenkmal seit 2015, nach der Wende restauriert

Zugang

frei zugänglich auf dem Alexanderplatz

Nächste Haltestelle

Alexanderplatz (ca. 60 m), Littenstraße (ca. 150 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HAlexanderplatzHS+U Alexanderplatz/Dircksenstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: der Fernsehturm und das Haus des Lehrers. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich