Unterwegs zu Fuß

Rotes Rathaus: Klinker, Turm und Steinerne Chronik

Turm und Backsteinfassade des Roten Rathauses mit Uhr vor wolkenlosem blauem Himmel

Das Rote Rathaus, gebaut in den 1860er Jahren.

Das Rote Rathaus steht zwischen Nikolaiviertel und Fernsehturm im Ortsteil Mitte. Offiziell heißt es Berliner Rathaus, seinen Spitznamen hat es von den roten Klinkern. Hier sitzen der Regierende Bürgermeister und der Senat von Berlin.

Ein Rathaus an alter Stelle

An derselben Ecke stand schon im Mittelalter ein Rathaus. Geprägt war es von einer Gerichtslaube aus dem 13. Jahrhundert und einem barocken Anbau von Johann Arnold Nering aus den Jahren 1692 bis 1695. 1857 beschloss der Magistrat einen Neubau. Es gab einen Wettbewerb, den Auftrag bekam 1859 aber Hermann Friedrich Waesemann, der gar nicht teilgenommen hatte. Er griff Ideen aus den prämierten Entwürfen auf. Gebaut wurde in den 1860er Jahren in zwei Abschnitten, mit Eingangshalle, Treppenhaus und Sälen war das Haus erst 1895 fertig.

Das Rathaus hat vier Flügel und Mitteltrakte, die den Block in drei Höfe teilen. Die Fassaden aus roten Klinkern im Rundbogenstil knüpfen an die märkische Baukunst an. Über dem Eingang steht der 74 Meter hohe Turm. Er war einmal höher als das nahe Stadtschloss.

Die Steinerne Chronik

Über dem Erdgeschoss läuft ein Balkon um das Haus. An ihm sitzt die „Steinerne Chronik“, ein Fries aus 36 Terrakottatafeln. Er erzählt die Geschichte Berlins vom Mittelalter bis 1871. Entstanden sind die Tafeln 1876 bis 1879, die Bildhauer waren Rudolf Schweinitz, Otto Geyer, Ludwig Brodwolf und Alexander Calandrelli.

Krieg, Wiederaufbau, Senat

Im Krieg wurde das Rathaus schwer zerstört. 1950 stufte der Ost-Berliner Magistrat es als erhaltenswert ein. Bis 1958 wurde es unter der Leitung von Fritz Meinhardt wieder aufgebaut. Dächer, Teile der Fassade und des Turms und die Steinerne Chronik wurden originalgetreu rekonstruiert, innen hat sich viel verändert. Die Bronzefiguren von Friedrich I. und Wilhelm I. am Haupteingang kamen nicht wieder auf.

Bis zur Wiedervereinigung tagte hier der Magistrat von Ost-Berlin, der West-Berliner Senat saß im Rathaus Schöneberg. Von 1990 bis 1996 wurde das Haus umfassend renoviert, seit 1991 ist es Sitz des Senats für ganz Berlin. Im Wappensaal mit den Wappen der Bezirke werden vor allem Staatsgäste empfangen, im Großen Festsaal gibt es Empfänge und Feiern. Der Säulensaal ist rund neun Meter hoch und hat ein orangefarbenes Kreuzrippengewölbe, dort sind oft Ausstellungen. In den Fluren im dritten Stock hängen Porträts der Ehrenbürger*innen Berlins von Rolf Dübner.

Ich bin über den Mühlendamm ins Nikolaiviertel gelaufen und von dort am Roten Rathaus vorbei Richtung Fernsehturm.

Architekt*in

Hermann Friedrich Waesemann (Architekt), Rudolf Schweinitz, Otto Geyer, Ludwig Brodwolf und Alexander Calandrelli (Steinerne Chronik)

Ort

Rathausstraße 15, Mitte

Gebaut

1860er Jahre, Innenausbau bis 1895, wieder aufgebaut bis 1958

Zustand

Baudenkmal, Sitz des Regierenden Bürgermeisters und des Senats

Zugang

Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, wegen des Dienstbetriebs zeitweise geschlossen

Nächste Haltestelle

Rotes Rathaus (ca. 40 m), Jüdenstraße (ca. 90 m), Nikolaiviertel (ca. 250 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HRotes RathausHJüdenstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Alte Stadthaus und der Fernsehturm. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich