Unterwegs zu Fuß

Franziskaner-Klosterkirche: Gotik, Graues Kloster und Kunstort

Gotische Backsteinruine der Franziskaner-Klosterkirche in der Klosterstraße mit hohem leeren Westfenster

Ruine der Franziskaner-Klosterkirche, gebaut um 1260 bis 1270.

Die Ruine steht an der Ecke Klosterstraße und Littenstraße im Ortsteil Mitte, ein paar Minuten vom Alexanderplatz. Von der Kirche der Franziskaner sind die Westfassade, Teile der Wände und der Chor geblieben. Sie gehört zu den wenigen Bauten, die noch aus der Zeit stammen, in der Berlin gegründet wurde.

Kirche der Franziskaner

Die Franziskaner sind in Berlin seit 1249 nachweisbar, das Grundstück bekamen sie von den askanischen Markgrafen geschenkt. Um 1260 bis 1270 bauten sie eine dreischiffige Basilika aus Backstein, um 1300 kam der Chor dazu. Die Kirche diente als Grablege der Landesherren und war wegweisend für die gotischen Kirchen in Berlin und Umgebung. Beim Bauen half eine Schenkung von 1290, der Ritter Jacob von Nebede überließ den Mönchen eine Ziegelei in Tempelhof.

1539 wurde Berlin evangelisch und das Kloster aufgelöst. Die Mönche durften bleiben, der letzte starb 1571. Drei Jahre später zog in einen Teil der Gebäude das Gymnasium zum Grauen Kloster, die erste höhere Schule Berlins. 1842 bis 1844 bekam die Kirche zwei Türme an der Westseite, einen neuen Dachreiter und einen Säulengang. Von 1926 bis 1930 wurde das alles wieder entfernt.

Bomben, U-Bahn und Straßenbau

Im April 1945 wurden Kirche und Kloster bei Bombenangriffen schwer getroffen. Stehen blieben vor allem die Nord-, Ost- und Westwand. 1947 rettete der damals 13 Jahre alte Peter Rohrlach 6.000 Bücher aus der Schulbibliothek. Beim Bau der U-Bahn verschwand 1951 die Nordwestecke, die Spitze des Westgiebels stürzte ein. 1968 wurden die übrigen Klostergebäude abgetragen, auch weil die Grunerstraße breiter wurde. Ein paar Stücke aus der Kirche stehen heute in der Marienkirche.

Ort für Kunst

Schon ab 1982 stellten Ost-Berliner Bildhauer*innen in der Ruine aus, ab 1992 machte ein Förderverein weiter. Seit 2016 lädt das Bezirksamt Mitte jedes Jahr Künstler*innen ein, die Arbeiten zur Ruine, ihrer Geschichte und zum Klosterviertel zeigen. Von Mai bis September ist die Ruine täglich geöffnet, im Winter sind die Arbeiten von außen zu sehen. Ein paar Schritte südlich steht das Alte Stadthaus.

Bauherr*in

Franziskaner

Ort

Klosterstraße 73a, Ecke Littenstraße, Mitte

Gebaut

um 1260 bis 1270, Chor um 1300

Zustand

Ruine, Baudenkmal, Ausstellungsort des Bezirksamts Mitte

Zugang

von Mai bis September täglich geöffnet, sonst von außen zu sehen

Nächste Haltestelle

Klosterstraße (ca. 60 m), Littenstraße (ca. 250 m), Jüdenstraße (ca. 250 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HKlosterstraßeHLittenstraße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Alte Stadthaus und das Haus des Lehrers. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich