Kino International, gebaut 1961 bis 1963.
Das Kino International steht an der Karl-Marx-Allee zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz, im Ortsteil Mitte. Es gehört zum zweiten Bauabschnitt der Allee, der mit Großplatten gebaut wurde. In der DDR war es das wichtigste Premierenkino, heute ist es eine Spielstätte der Berlinale.
Ein Saal über der Straße
Entworfen hat das Kino Josef Kaiser, der Entwurf ist von 1959, gebaut wurde von 1961 bis 1963. Das Haus ist aus dem Zuschauerraum heraus entwickelt. Die Höhe von 15 Metern war durch den Plan für die Allee vorgegeben. Unten liegt ein niedriges Sockelgeschoss mit Kassen- und Garderobenhalle, darüber der Saal. Er ragt neun Meter über das Erdgeschoss hinaus, ohne Stützen. Die Vorderseite ist verglast und öffnet sich zur Straße.
Die drei fensterlosen Wände des Erdgeschosses tragen ein Relief. Darin stecken 14 Platten aus Betonguss mit dem Titel „Aus dem Leben heutiger Menschen“. Die Seitenfassaden haben Waldemar Grzimek, Karl-Heinz Schamal und August Schievelbein gestaltet.
Auf der anderen Straßenseite steht das Restaurant Moskau aus derselben Zeit. Neben dem Kino stand das Hotel Berolina. Es wurde 1996 abgerissen, im Neubau an seiner Stelle sitzt das Rathaus des Bezirks Mitte.
DEFA-Premieren und „Coming Out“
Gezeigt wurden vor allem Filme der DEFA, dazu ausgewählte Filme aus dem Westen wie „Dirty Dancing“. Zu den Premieren kam regelmäßig die Staatsführung, sie hatte einen eigenen Empfangsraum. 1992 hat die Yorck Kinogruppe das Kino übernommen.
Am 9. November 1989 hatte hier Heiner Carows „Coming Out“ Premiere, der erste DDR-Film über Homosexualität. Die Vorstellung war ausverkauft, eine zweite wurde angesetzt. Am selben Abend fiel die Mauer. Kurz nach Mitternacht kam die Nachricht von der Grenzöffnung bei den Feiernden an. Nach der Wende wurde das Kino ein wichtiger Ort für die queere Community in Berlin. Die Reihe „Mongay“ zeigt seit über 25 Jahren jeden Montag queere Filme.
Sanierung
Im April 2024 schloss das Kino für eine Generalsanierung, zum ersten Mal in seiner Geschichte ganz. Restauriert wurden unter anderem sieben Kilometer Wandlamellen aus Kirschbaum, Ulme und Esche und der silberne Premierenvorhang mit 20 Millionen Pailletten. Der Saal hat jetzt 506 Plätze, die Reihen stehen weiter auseinander. Neu sind ein Aufzug zum Saal und die Technik. Seit März 2026 ist das Kino wieder offen. Zum Haus gehören weiterhin die Kristallleuchter und die Panoramabar mit Blick auf die Karl-Marx-Allee.
Meine Runde durch Mitte habe ich an der Karl-Marx-Allee nahe dem U-Bahnhof Schillingstraße begonnen, das Kino war eine der ersten Stationen.
Steckbrief
Architekt*in
Josef Kaiser (Architekt), Waldemar Grzimek, Karl-Heinz Schamal und August Schievelbein (Seitenfassaden)
Ort
Karl-Marx-Allee 33, Mitte
Gebaut
1961 bis 1963, saniert 2024 bis 2026
Zustand
Baudenkmal, Kino der Yorck Kinogruppe, seit März 2026 wieder geöffnet
Zugang
innen zu den Vorstellungen, die Fassade von der Straße aus
Nächste Haltestelle
U Schillingstraße (ca. 100 m)
Am Weg
Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Haus des Lehrers und der Fernsehturm. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.
