Unterwegs zu Fuß

Alte Nazarethkirche: Schinkel, Vorstadtkirche und Sternendecke

Backsteinfassade der Alten Nazarethkirche am Leopoldplatz mit Freitreppe, drei Portalen und runder Fensterrose

Die Alte Nazarethkirche von Karl Friedrich Schinkel am Leopoldplatz.

Die Alte Nazarethkirche steht auf dem Leopoldplatz an der Müllerstraße im Wedding. Der Platz ist um die Kirche herum entstanden und bekam 1891 den Namen des preußischen Generals Leopold I. Angelegt wurde er nach dem Bebauungsplan von 1862, auch um die Kirche besser zur Geltung zu bringen.

Eine Kirche für die Vorstadt

Die Kirche ist eine von vier Pfarrkirchen, die König Friedrich Wilhelm III. für die nördlichen Vorstädte Berlins stiftete. Sie sollten die Seelsorge dort verbessern. Alle vier hat Schinkel entworfen, eine andere steht in Moabit, St. Johannis. Gebaut wurde die Nazarethkirche ab 1832.

Schinkel plante eine Saalkirche ohne Turm, schlicht und aus hellrotem Backstein. Das Landesdenkmalamt nennt sie wegweisend für den evangelischen Kirchenbau im 19. Jahrhundert. Der blockhafte Bau, der Dreiecksgiebel und das flache Satteldach erinnern an spätantike römische Bauten, Vorbild war vermutlich die Palastaula in Trier. An der Stirnseite führt eine Freitreppe zu drei Rundbogenportalen, darüber sitzt eine Fensterrose. Die doppelten Fensterreihen an den Längsseiten zeigen, dass innen einmal Emporen waren.

Vom Gemeindehaus zur Kirche

Als der Wedding wuchs, wurde die Kirche zu klein. Nebenan entstand 1891 bis 1893 die Neue Nazarethkirche, der alte Bau wurde Gemeindehaus. 1905 und 1906 wurde er stark umgebaut. Eine Zwischendecke kam hinein, für mehr Licht wurden an jeder Längsseite drei weitere Fenster eingebrochen. Die Ausstattung wurde 1906 verkauft, die Glasfenster und der Taufstein kamen in die Dorfkirche von Dubraucke.

Im Krieg brannte 1944 das Dach ab, sonst blieb die Kirche weitgehend verschont. Wiederaufgebaut wurde sie 1952 bis 1954. Seit 1972 ist im Erdgeschoss ein Kindergarten. Im Saal darüber hat sich die alte Kassettendecke erhalten. 1977 bis 1980 wurde in der Apsis die Wandbemalung nach Schinkels Entwurf freigelegt und wiederhergestellt, mit grün abgesetzten Linien und goldenen Sternen auf blauem Grund. Schinkels Entwurf für die Ausmalung der Apsis von 1833, ein Aquarell, liegt heute im Kupferstichkabinett.

1989 gab die Gemeinde die Neue Nazarethkirche auf. Seitdem feiert die Nazareth-Gemeinde ihre Gottesdienste wieder im Saal der alten Kirche.

Architekt*in

Karl Friedrich Schinkel

Ort

Leopoldplatz an der Müllerstraße, Wedding

Gebaut

ab 1832, Umbau 1905/06, Wiederaufbau 1952 bis 1954

Zustand

Baudenkmal, Gemeindesaal mit Gottesdiensten und Kindergarten

Zugang

Außenbau vom Leopoldplatz aus frei zu sehen

Nächste Haltestelle

U Leopoldplatz (ca. 30 m), Rathaus Wedding (ca. 150 m), Gerichtstraße (ca. 350 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch den Wedding vorbeigekommen: Wedding.

HU LeopoldplatzHLeopoldplatz
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Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Krematorium Wedding und die Schinkelkirche St. Johannis in Moabit. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich