Unterwegs zu Fuß

St. Johannis: Schinkelkirche, Stülers Vorhalle und Campanile

Offene Vorhalle von St. Johannis in Moabit mit Säulen, Torbogen, Figuren und Holztüren

St. Johannis mit der Vorhalle von Friedrich August Stüler, 1851 bis 1857.

St. Johannis steht an der Straße Alt-Moabit in Moabit, dort, wo die Kirchstraße auf sie trifft. Karl Friedrich Schinkel hat die Kirche genau in die Achse der Kirchstraße gesetzt. Sie steht am Rand des Kleinen Tiergartens. Kirche, Pfarrhaus, Schule, Turnhalle, Gemeindezentrum und der alte Kirchhof stehen zusammen unter Denkmalschutz.

Eine von vier Vorstadtkirchen

König Friedrich Wilhelm III. ließ 1832 bis 1835 im Norden Berlins vier evangelische Vorstadtkirchen bauen. Eine weitere davon ist die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz im Wedding. Schinkel hat sich bei St. Johannis an frühchristlichen Kirchen orientiert. Sie war eine schlichte Backsteinkirche ohne Turm.

Stüler baut an

Knapp zwanzig Jahre später wurde die Anlage größer. Friedrich August Stüler setzte 1851 bis 1857 die offene Vorhalle mit dem Torbogen und den Figuren vor die Kirche. Dazu kamen ein Arkadengang, das Pfarrhaus, eine Schule und ein freistehender Glockenturm, ein Campanile. Vorbild war die italienische Frührenaissance. Der Campanile prägt das Stadtbild an der Straße Alt-Moabit.

1895 und 1896 baute Max Spitta die Kirche noch einmal um. Sie bekam ein breites Querschiff und einen neuen Chor, innen ließ Spitta sie farbig fassen. Neben der Kirche entstand 1906 und 1907 eine Turnhalle, entworfen von Otto Stiehl. Sie hat den Krieg überstanden.

Krieg und Wiederaufbau

Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Johannis schwer beschädigt. Den Wiederaufbau von 1952 bis 1957 leiteten Otto Bartning und Werry Roth. Spittas farbige Fassung kam nicht zurück, der Innenraum wurde schlicht im Stil der 1950er Jahre gestaltet.

In der Kirche steht eine Triumphkreuzgruppe aus dem 15. Jahrhundert. Sie stammt aus der im Krieg zerstörten Franziskaner-Klosterkirche in Mitte. Dazu kommt die Predella eines Flügelaltars aus dem 16. Jahrhundert.

Anfang der 1960er Jahre bauten Hans C. Müller und Georg Heinrichs ein Gemeindezentrum dazu, einen flachen Bau der Nachkriegsmoderne, der sich nach der Schinkelkirche richtet. Zur Anlage gehört auch der aufgelassene Gemeindefriedhof mit historischen Grabmalen.

Architekt*in

Karl Friedrich Schinkel (Kirche), Friedrich August Stüler (Erweiterung), Max Spitta (Umbau), Otto Bartning und Werry Roth (Wiederaufbau)

Ort

Alt-Moabit 23 bis 25, an der Einmündung der Kirchstraße, Moabit

Gebaut

1832 bis 1835, erweitert 1851 bis 1857, Wiederaufbau 1952 bis 1957

Zustand

Baudenkmal mit Pfarrhaus, Schule, Turnhalle, Gemeindezentrum und Kirchhof

Zugang

Vorhalle und Turm von der Straße Alt-Moabit aus zu sehen

Nächste Haltestelle

Kirchstraße/Alt-Moabit (ca. 80 m), Kleiner Tiergarten (ca. 200 m), Lübecker Straße (ca. 200 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Moabit vorbeigekommen: Moabit.

HKirchstraße/Alt-MoabitHKleiner Tiergarten
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: das Kriminalgericht Moabit an der Turmstraße und die Alte Nazarethkirche im Wedding. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich