Unterwegs zu Fuß

Volksbühne: Kaufmann-Bau, Arbeitergroschen und Wiederaufbau

Gerundete Fassade der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz mit hohen Pfeilern und Schriftzug über dem Eingang

Die Volksbühne, gebaut 1913 und 1914.

Die Volksbühne steht frei auf dem Rosa-Luxemburg-Platz im Ortsteil Mitte. Mit ihrer Fassade aus Kalkstein steht sie genau in der Blickachse der Rosa-Luxemburg-Straße, die beim Bau noch Kaiser-Wilhelm-Straße hieß. Der Platz hatte schon viele Namen, unter anderem Bülowplatz und Horst-Wessel-Platz.

Ein Theater für alle

Bauherr war der Verein Neue Freie Volksbühne. Er wollte Kunst und Bildung für breite Teile der Bevölkerung zugänglich machen, sein Motto war „Die Kunst dem Volke“. Aus den Beiträgen der Mitglieder wurden die Aufführungen bezahlt, und das eigene Haus entstand mit den Groschen von Arbeiter*innen.

Den Entwurf machte Oskar Kaufmann, der auch das Hebbel-Theater gebaut hat. Er gilt als bedeutendster Berliner Theaterarchitekt der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gebaut wurde 1913 und 1914 auf dem Gelände des abgerissenen Scheunenviertels. Der Zuschauerraum war ein klassisches Rangtheater mit holzgetäfelten Wänden und hatte Platz für 2.000 Menschen.

Eröffnet wurde am 30. Dezember 1914, damals als Volksbühne am Bülowplatz. Geplant war „Götz von Berlichingen“. Weil eine Versenkung in der Bühne nicht funktionierte, wurde stattdessen ein Stück von Bjørnson gespielt, „Wenn der junge Wein blüht“. Von 1925 bis 1927 inszenierte hier Erwin Piscator.

Zerstört und neu aufgebaut

1944 wurde das Theater zerstört. Nach Kriegsende stand von ihm kaum mehr als die Fassade, spielen ließ sich darin nicht. Das Ensemble unter Fritz Wisten wich bis 1954 ins Theater am Schiffbauerdamm aus.

Nach einem Wettbewerb von 1948 baute Hans Richter die Volksbühne 1952 bis 1954 weitgehend auf den alten Mauern wieder auf. Die Hauptfront mit sechs Säulen aus Muschelkalk sieht fast aus wie vorher. Weggefallen sind der Bildhauerschmuck von Franz Metzner und die Kupferhaube auf dem Dach, an ihre Stelle kamen Flachdächer. Der neue Saal war nur noch für knapp die Hälfte der früheren Zuschauer*innen gedacht. Die Innenräume aus der frühen DDR-Zeit gelten heute als wichtiges Beispiel für die Theaterarchitektur dieser Jahre. 1972 wurde das Haus noch einmal umgebaut.

1993 übernahm Frank Castorf die Leitung. Er griff ein Bild auf, das schon Benno Besson für die Volksbühne benutzt hatte: der „Panzerkreuzer am Alexanderplatz“.

Architekt*in

Oskar Kaufmann (Bau 1913 bis 1914), Hans Richter (Wiederaufbau 1952 bis 1954)

Ort

Rosa-Luxemburg-Platz 1, Mitte

Gebaut

1913 bis 1914, eröffnet am 30. Dezember 1914, Wiederaufbau 1952 bis 1954

Zustand

Baudenkmal, Theater

Zugang

Außenbau frei zu sehen, innen bei Vorstellungen

Nächste Haltestelle

Rosa-Luxemburg-Platz (ca. 100 m), Mollstraße/Prenzlauer Allee (ca. 250 m), Memhardstraße (ca. 350 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Mitte vorbeigekommen: Mitte.

HRosa-Luxemburg-PlatzHU Rosa-Luxemburg-Platz
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte im Bezirk Mitte: die Sophienkirche in der Spandauer Vorstadt und das Haus des Lehrers am Alexanderplatz. Alle sechs Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Mitte.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich