Besonderer Ort in Berlin-Lichtenberg · Alle besonderen Orte
Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde liegt an der Gudrunstraße in Lichtenberg, der Name kommt vom Nachbarort. Seit 1881 wird hier bestattet, seit 1900 liegen hier die Toten der Arbeiterbewegung, und seit 1951 steht am Eingang die Gedenkstätte der Sozialisten. Dazu kommen eine Feierhalle von Hermann Blankenstein, der Standort eines verschwundenen Denkmals von Mies van der Rohe und ein Ehrenhain für die Verfolgten des Naziregimes.
Ich war zweimal hier: im Dezember 2020 auf der Tour vom Landschaftspark Herzberge nach Friedrichsfelde und im März 2023 für einen eigenen Rundgang. Die Fotos stammen vom zweiten Besuch.
Steckbrief
Ort
Gudrunstraße, Haupteingang Gudrunstraße 20, Lichtenberg
Angelegt
1881 nach Plänen von Hermann Mächtig, heute rund 32 Hektar
Zugang
Täglich bis zur Dämmerung, Eintritt frei
Zustand
Friedhof in Betrieb, Gesamtanlage als Denkmal geschützt
Nächste Haltestelle
Guntherstraße (Tram M8, 21), Zentralfriedhof (Bus 256)
Gelaufen am
25. Dezember 2020 und 20. März 2023
Vom Armenfriedhof zum Sozialistenfriedhof
Berlin kaufte 1880 25 Hektar Land in der Gemeinde Friedrichsfelde, damals noch vor der Stadt. Der Friedhof sollte vor allem denen eine Grabstelle geben, deren Beerdigung die Stadt bezahlen musste. Hermann Mächtig, der Berliner Stadtgartendirektor, legte ihn als Parkfriedhof an, mit Alleen, Rondellen und viel Platz zwischen den Gräbern. Vorbild war der Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. Am 21. Mai 1881 wurde er eröffnet. Mächtig und sein Kollege Axel Fintelmann liegen heute selbst hier begraben.
1900 wurde Wilhelm Liebknecht hier beigesetzt, einer der Gründer der SPD. Rund 150.000 Menschen begleiteten den Trauerzug. Nach ihm folgten weitere Sozialdemokrat*innen, und seitdem heißt der Friedhof im Volksmund Sozialistenfriedhof. Am 25. Januar 1919 wurden Karl Liebknecht und weitere Tote des Januaraufstands hier beerdigt, Rosa Luxemburg einige Monate später. 1926 bekamen sie ein Denkmal von Ludwig Mies van der Rohe, 1935 ließen es die Nationalsozialisten abreißen.
Nach dem Krieg machte die DDR aus dem Friedhof einen staatlichen Erinnerungsort. 1951 wurde die Gedenkstätte der Sozialisten eingeweiht, direkt am Haupteingang. Dafür wurde auch das Mausoleum der Bankiersfamilie von Bleichröder abgetragen, das seit 1913 an dieser Stelle gestanden hatte. Ab 1951 kamen die Urnengräber am Pergolenweg dazu, 1978 der Ehrenhain für die Verfolgten des Naziregimes. Die Gesamtanlage steht heute unter Denkmalschutz.
Rundgang
Der Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung hat einen beschilderten Rundgang mit 16 Stationen angelegt, der etwa zwei Stunden dauert. Ich habe im März 2023 einen Teil davon abgelaufen, vom Haupteingang über die Gedenkstätte und die Feierhalle bis zum Ehrenhain und zurück.
Gedenkstätte der Sozialisten
Gleich hinter dem Haupteingang steht der Schriftzug in der Klinkermauer. Dahinter öffnet sich das Rondell, in der Mitte der Gedenkstein mit der Inschrift „Die Toten mahnen uns“, drumherum Gedenkplatten mit den Namen von Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Ernst Thälmann und anderen. Nicht alle, deren Name hier steht, sind auch hier bestattet. Thälmann zum Beispiel wurde 1944 in Buchenwald ermordet. Die Anlage entwarfen Richard Jenner, Hans Mucke, Reinhold Lingner und Fritz Kühn.


In die Ringmauer sind Grabmale und Urnengräber eingelassen. Links die Grabmale von Paul Singer, Hugo Haase und Theodor Leipart, rechts die Urnen von DDR-Politikern und die Grabplatten der Schriftsteller Erich Weinert, Friedrich Wolf und Willi Bredel. Auf einer der Platten steht: „Er kämpfte lächelnd auch in trüben Tagen. Sein Mut und seine Überzeugung leben fort in seiner Dichtung.“ Im März 2025 wurden zehn der Bronzetafeln gestohlen, im Dezember 2025 hat der Bezirk sie durch Tafeln aus bronzefarbenem Aluminium ersetzt.


Hinter der Gedenkstätte, auf dem Weg zur Feierhalle, liegt das Gräberfeld am Pergolenweg. Seit 1951 wurden hier über 500 Menschen beigesetzt, Funktionäre der SED, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Widerstandskämpfer*innen wie Greta Kuckhoff aus der Roten Kapelle. Auch der Regisseur Konrad Wolf liegt hier.
Feierhalle
Die Feierhalle baute Hermann Blankenstein von 1890 bis 1893, als Backsteinbau mit Kuppel. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie zerstört, in den 1950er Jahren kam sie ohne Kuppel zurück, Ende der 1970er wurde sie modernisiert. Über dem Eingang steht „Und sie leben doch“. Vor der Halle liegt das Grab des Astronomen Friedrich Simon Archenhold, nach dem die Sternwarte in Treptow heißt, und eine Tafel für 121 deutsche Soldaten, die hier im Zweiten Weltkrieg bestattet wurden. Blankenstein hat auch die Klinkerbauten des Krankenhauses Herzberge entworfen, einen Kilometer weiter nördlich.


Alte Gräber und Mausoleen
Nördlich der Feierhalle wird der Friedhof zum Park, mit alten Bäumen und breiten Alleen. Hier stehen alte Erbbegräbnisse, ein Mausoleum aus Sandstein mit Rosetten im Fries, eine Grabwand mit Säulen, dazwischen Felder mit schlichten Steinen. Zum Rundgang gehören außerdem das Kolumbarium der Familien Vohsen und von den Steinen von etwa 1912, das Ehrengrab des Oberbürgermeisters Martin Kirschner und das Grab der Gewerkschafterin Paula Thiede, die 1898 an die Spitze eines reichsweiten Gewerkschaftsverbands gewählt wurde.




Ehrenhain und Künstlergräber
Im hinteren Teil liegt der Ehrenhain für die Opfer des Faschismus und die Verfolgten des Naziregimes, eingeweiht am 29. Januar 1978. Rund 900 Urnengrabstellen gibt es hier, am Eingang ein Klinkerpfeiler mit dem roten Winkel, dem Zeichen der politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern. In der Nähe liegen die Künstlergräber: Käthe Kollwitz, deren Familiengrab ein Bronzerelief trägt, das sie 1936 selbst gestaltet hat, der Maler Otto Nagel, die Schriftstellerin Irmtraud Morgner und der Landschaftsarchitekt Reinhold Lingner, der die Gedenkstätte mit entworfen hat.

Noch weiter hinten, an der Nordseite, steht das Erinnerungsmal für das Revolutionsdenkmal von Mies van der Rohe: ein kleiner Klinkerblock von 1983 mit einer Bronzeplatte, die das zerstörte Denkmal im Relief zeigt. Das Original war ein gestufter Block aus rotem Backstein, über 15 Meter lang, im Auftrag der KPD gebaut. Über eine Rekonstruktion wird bis heute diskutiert.
Gut zu wissen
- Der Friedhof ist täglich bis zur Dämmerung geöffnet. Haupteingang an der Gudrunstraße, mit der Tram M8 oder 21 bis Guntherstraße, mit dem Bus 256 bis Zentralfriedhof.
- Der Plan des Förderkreises zeigt alle 16 Stationen des Rundgangs. Vor Ort stehen Schilder an den Stationen.
- Am Eingang gibt es eine frei zugängliche Ausstellung mit zwölf Tafeln zur Geschichte des Friedhofs und der Gedenkstätte, eröffnet 2006.
- Für den ganzen Rundgang brauchst du etwa zwei Stunden. Mit der Tour vom Landschaftspark Herzberge lässt sich der Friedhof von Norden her anlaufen.
Am Weg
Ich bin hier auf der Tour Von Herzberge nach Friedrichsfelde vorbeigekommen und auf meiner Runde durch den Ortsteil Lichtenberg.
Weitere Orte in der Nähe: das Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge und, als weiterer Friedhof auf der Seite, der Parkfriedhof Marzahn. Alle Orte in Lichtenberg stehen auf der Seite Lichtenberg.
