Unterwegs zu Fuß

Bärenquell-Brauerei: Sudhaus wie eine Burg an der Schnellerstraße

Backsteinbauten der früheren Bärenquell-Brauerei mit Turm an der Schnellerstraße in Niederschöneweide in der Dämmerung

Die Bärenquell-Brauerei an der Schnellerstraße.

Zwischen der Schnellerstraße und der Spree in Niederschöneweide steht eine Gruppe von Backsteinbauten mit Türmen. Hier wurde über hundert Jahre lang Bier gebraut, zuerst als Borussia, später als Bärenquell. Seit Mitte der 1990er Jahre stehen die Gebäude zum großen Teil leer.

Von der Borussia zur Bärenquell

Gegründet wurde die Brauerei Borussia 1882. Das älteste Haus ist das Beamtenwohnhaus aus diesem Jahr, gebaut von Robert Buntzel, in dem Braumeister und Angestellte wohnten. 1888 kam das Verwaltungsgebäude dazu. In der DDR wurde der Betrieb nach dem KPD-Funktionär Ernst Schneller benannt, der 1944 im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Ab 1959 hieß er Bärenquell und gehörte laut Tagesspiegel zu den großen vier Brauereien im VEB Berliner Brauereien. Gebraut wurde hier bis Mitte der 1990er Jahre.

Ein Sudhaus wie eine Burg

Das Sudhaus von 1906, entworfen von H. O. Obrikat, ist eine Baugruppe mit vielen Türmen, wie eine Burg. Schon damals hatte die Brauerei ein eigenes Kraftwerk. Nach 1920 kam oben ein viergeschossiges Lagergebäude dazu, das später als Kühlturm noch einmal erhöht wurde. Der Kühlturm ist heute eine Landmarke über dem Gelände. Ein Vorbild war der Turm des Peter-Behrens-Baus in Oberschöneweide. 1969 kam ein kubisches Sudhaus mit verglaster Front dazu.

Vom Biergarten an der Spree sind nur Reste geblieben, an der Ostmauer Teile einer Felsen- und Grottenarchitektur.

Abriss verhindert

1993 wies das Bezirksamt Treptow einen Abrissplan zurück und verwies auf den Denkmalschutz. 2013 sollte für einen Baumarkt der Denkmalschutz teilweise aufgehoben werden, die Pläne wurden nach einem Eigentümerwechsel fallen gelassen. Seit 2020 gibt es auf dem Gelände wieder Veranstaltungen, Flohmärkte und einen Biergarten. An einer Wand der Brauerei ist das Wandbild „Waiting for the Miracle“ von Alaniz.

Architekt*in

Robert Buntzel (Beamtenwohnhaus), H. O. Obrikat (Sudhaus 1906)

Ort

Schnellerstraße 137, Niederschöneweide

Gebaut

1882 bis 1888, Umbauten 1901 bis 1906, 1927/28 und 1969

Zustand

Baudenkmal, seit Mitte der 1990er Jahre weitgehend leer

Zugang

nur bei Veranstaltungen, sonst von außen

Nächste Haltestelle

Obrikatstraße (ca. 180 m), Karlshorster Straße (ca. 290 m)

Am Weg

Ich bin hier auf meiner Runde durch Niederschöneweide vorbeigekommen: Niederschöneweide.

HObrikatstraßeHKarlshorster Straße
Der Standort ist nur ungefähr eingezeichnet. Die H markieren die nächsten Haltestellen.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Weitere Orte in Treptow-Köpenick: der Peter-Behrens-Bau und der AEG-Giebel an den Rathenau-Hallen. Alle 15 Ortsteile des Bezirks stehen auf der Seite Treptow-Köpenick.

Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich