Tour auf Rügen · Alle Touren und Wege
Die Runde durch Sassnitz auf Rügen ist knapp zehn Kilometer lang. Sie führt durch die Oberstadt und den Hafen, über die Ostmole bis zum Leuchtturm und durch Alt-Sassnitz an der Promenade wieder hinauf in die Stadt. Der Bahnhof liegt ein paar Minuten vom Start entfernt.
Ich bin die Runde am 22. Mai 2022 gelaufen.
Inhalt dieser Tour
Steckbrief
Strecke
9,7 km
kürzbar auf rund 7 km
Gehzeit
1:55 h
Art
Rundweg
Start
Hotel zum Hafen, Hafenstraße
Ziel
Hotel zum Hafen, Hafenstraße
ÖPNV
Mit dem RE 9 bis Sassnitz, vom Bahnhof ein paar Minuten zu Fuß.
Untergrund
Asphalt und Pflaster in der Stadt, Beton auf der Ostmole, eine Stahltreppe am Hochufer
Einkehr
am Stadthafen und an der Promenade in Alt-Sassnitz
- Mit der Bahn erreichbar
- Einkehr am Weg
- Abkürzbar
Gelaufen am 22. Mai 2022
Streckenband
- Kilometer 0Hotel zum HafenStart
- Kilometer 1,11Stubnitz-Lichtspieleehemaliges Kino
- Kilometer 2,92Hafen WestRügen Fisch
- Kilometer 3,43Glasbahnhofalter Fährhafen
- Kilometer 3,84StadthafenU-Boot, Altes Kühlhaus
- Kilometer 6,15LeuchtturmWendepunkt auf der Ostmole
- Kilometer 8,46KurmuschelKurplatz, Alt-Sassnitz
- Kilometer 9,57Rathausfrüher auch Warmbad
- Kilometer 9,7Hotel zum HafenZiel
Darum lohnt sich die Tour
- Die Ostmole führt rund anderthalb Kilometer hinaus in die Ostsee, bis zu einem grün-weißen Leuchtturm.
- Im Stadthafen liegen der alte Glasbahnhof der Fährlinie nach Schweden und ein britisches U-Boot.
- In Alt-Sassnitz stehen Pensionen und Villen mit Holzbalkonen aus der Zeit des Badeorts.
- Start und Ziel liegen ein paar Minuten vom Bahnhof Sassnitz entfernt.
Anreise
Hin
Mit dem RE 9 aus Rostock oder Stralsund bis Sassnitz
Zurück
Ab Bahnhof Sassnitz mit dem RE 9
Abkürzen
Ohne den Weg über die Ostmole ist die Runde rund 7 Kilometer lang
Sassnitz ist Endbahnhof. Vom Bahnhof bis zur Hafenstraße sind es nur ein paar hundert Meter. Am Rügenplatz kommt die Runde ohnehin nah am Bahnhof vorbei, du kannst also auch dort einsteigen.
Die Route
Oben in der Stadt
Gestartet bin ich am Hotel zum Hafen in der Hafenstraße. Dort habe ich im Mai 2022 knapp eine Woche übernachtet, die Runde bin ich gleich am ersten Tag gelaufen. Von hier geht es zuerst nach Westen durch die Oberstadt.
Sassnitz ist aus zwei Dörfern zusammengewachsen: dem Fischerdorf Sassnitz unten am Ufer und dem Bauerndorf Crampas oben auf der Höhe. 1906 wurden beide eine Gemeinde. Eine Grenze war da schon kaum noch zu sehen, manche Häuser standen nur fünf Meter auseinander und gehörten trotzdem zu verschiedenen Orten.

Am Rügenplatz steht das Rügen-Hotel, ein Hochhaus über dem Hafen. Gebaut hat es die Mitropa, die in der DDR Speisewagen und Bahnhofsgaststätten betrieb, eröffnet wurde es 1969. Sassnitz lag am nördlichen Ende der Transitstrecke, und wer nur DDR-Mark hatte, bekam dort in den ersten Jahren kein Zimmer.

An der Stralsunder Straße steht ein großer Bau mit dem Schriftzug „Stubnitz“: die Stubnitz-Lichtspiele. Das Kino wurde am 23. Dezember 1958 mit dem DEFA-Film „Das Lied der Matrosen“ eröffnet. Noch während des Baus kam das Breitwandformat auf, Bühne, Leinwand und Projektoren mussten umgeplant werden. Das Haus war auch Kulturhaus, hier fanden Jugendweihen und Einschulungen statt. 1992 schloss das Kino, danach gab es noch Disco und Jugendtreff. An der Nord- und Südseite hat der Bildhauer Jo Jastram Bilder in Sgraffito-Technik angebracht, sie stehen als Einzeldenkmal unter Schutz.

Durch den Hafen nach Westen
Danach geht es hinunter und durch das Hafengebiet weit nach Westen. Nach dem Krieg wuchs in Sassnitz die Fischerei mit dem Fischkombinat, zeitweise gehörten bis zu 200 Fischkutter dazu. Aus dem damaligen VEB Ostseefischerei ist das heutige Unternehmen Rügen Fisch hervorgegangen. Drei Tage nach meiner Runde kündigte die Firma an, die Konservenproduktion ihrer Tochter Hawesta von Lübeck nach Sassnitz zu holen.

Weiter westlich liegt Dwasieden. Dort ließ sich der Bankier Adolph von Hansemann in den 1870er-Jahren ein Schloss bauen, das 1948 gesprengt wurde. Bis zur Ruine bin ich nicht gegangen, die Runde dreht vorher um.
Am alten Fährhafen
Auf dem Weg zurück nach Osten kommst du am alten Fährhafen vorbei. Seit Juli 1909 fuhren von hier Eisenbahnfähren nach Trelleborg in Schweden, die sogenannte Königslinie. Zwischen 1956 und 1959 wurde das Fährbett umgebaut. Dazu kam eine verglaste Empfangshalle aus Stahl, im Ort „Glasbahnhof“ genannt. Sie steht heute unter Denkmalschutz. Im Januar 1998 zog der Fährverkehr in den Hafen Mukran um, rund fünf Kilometer vor der Stadt.


Im Stadthafen
Im Stadthafen liegt ein britisches U-Boot. Die HMS Otus gehört zur Oberon-Klasse und wurde 1963 in Dienst gestellt. Für den Museumsbetrieb wurde sie auf der Volkswerft Stralsund umgebaut.

Ein Stück weiter steht das Alte Kühlhaus. Das Fischerei- und Hafenmuseum war bei meiner Runde noch in der früheren Hafenarztpraxis des Fischkombinats untergebracht, wo es 1996 eröffnet hatte. Seit November 2022 ist die Dauerausstellung geschlossen, der geplante Umzug ins Alte Kühlhaus kam nicht wie vorgesehen zustande. Was gerade zu sehen ist, steht auf der Seite des Museums.

Vom Rügenplatz in der Oberstadt führt eine geschwungene Fußgängerbrücke hinunter in den Hafen, über sie bin ich auch gegangen. Die Brücke hängt nur an einer Seite, wurde 2007 eröffnet und bekam 2010 den Deutschen Brückenbaupreis.
Auf der Ostmole zum Leuchtturm
Am Ostende des Hafens beginnt die Ostmole. Gebaut wurde sie zwischen 1889 und 1912, erst zum Schutz des Fischereihafens, später wegen des Fährverkehrs immer weiter verlängert. Mit 1450 Metern galt sie lange als längste Außenmole Europas. Im schweren Winter 1978/79 wurde sie stark beschädigt und war danach lange gesperrt. Heute kannst du wieder bis zum Leuchtturm laufen.
Ich bin bis vorne zum grün-weißen Leuchtturm gegangen und auf demselben Weg zurück. Hin und zurück sind das gut zweieinhalb Kilometer.

Alt-Sassnitz
Zurück am Hafen geht es an der Promenade entlang nach Alt-Sassnitz, ins alte Fischerdorf. Im 19. Jahrhundert wurden aus den strohgedeckten Fischerhäusern durch Um- und Anbauten Pensionen mit verzierten Holzbalkonen. Eines der großen Häuser an der Promenade ist der Fürstenhof.

Auch in den Gassen dahinter stehen Häuser aus der Zeit des Badeorts. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Alt-Sassnitz das Zentrum des Tourismus in der Stadt.


Am Kurplatz steht die Kurmuschel, ein Musikpavillon aus dünnen Betonschalen. Sie entstand 1986 bis 1988 nach Plänen des Architekten Dietmar Kuntzsch, die Statik kam von Otto Patzelt. Sie gehört zu den Schalenbauten von Ulrich Müther auf Rügen, steht unter Denkmalschutz und wurde 2016 bis 2018 instand gesetzt. Ein Stück weiter liegt im Wasser der Findling Uskam mit dem Beinamen „Klein Helgoland“.
Am Hochufer hinauf
Hinter Alt-Sassnitz endet die Promenade. Am Ufer liegen Steine und Treibholz, darüber beginnt der Wald der Stubnitz. Hier fängt auch der Hochuferweg zum Königsstuhl an. Ich bin nicht weiter an der Küste entlang, sondern über eine Stahltreppe hinauf in die Stadt.


Durch die Oberstadt zurück
Oben kommst du an einer Wiese vorbei, auf der eine gut sechs Meter hohe Stele mit Reliefs steht, das Denkmal für die Opfer des Faschismus von 1973. Der Bildhauer Reinhard Schmidt hat sechs Szenen darauf verteilt, auf einer ist laut Lenin is still around Lenin zu sehen.

An der Hauptstraße steht das Rathaus. Es wurde 1910 nach Plänen des Berliner Architekten Gustav Bähr als Gemeindehaus und Warmbad fertig. Neben Büros und einem Lesesaal gab es 40 Wannenzellen, eine Pumpe drückte Seewasser aus der Ostsee in einen Behälter im Dachgeschoss. Ab 1965 war es nur noch Rathaus, nach einer Sanierung zog die Stadtverwaltung 2003 wieder ein.

Kurz vor dem Ziel liegt die Johanniskirche ein Stück abseits. Die Backsteinkirche wurde 1883 geweiht. Vorher feierten die Badegäste im Sommer Gottesdienst in einer Waldkirche unter freiem Himmel, mit einem Altar aus Erde und Plätzen auf dem Rasen. Von dort ist es nicht mehr weit zurück zur Hafenstraße.

Besondere Orte an dieser Tour
Gut zu wissen
- Untergrund: Asphalt und Pflaster in der Stadt, Beton auf der Ostmole. Vom Strand hinter Alt-Sassnitz geht es über eine Stahltreppe mit vielen Stufen hinauf.
- Einkehr: Am Stadthafen und an der Promenade in Alt-Sassnitz gibt es Gaststätten.
- Abkürzen: Ohne den Weg zum Leuchtturm ist die Runde rund 7 Kilometer lang.
- Museen: Das U-Boot und das Fischerei- und Hafenmuseum haben eigene Öffnungszeiten, schau vorher auf ihren Seiten nach.
- Weiter auf Rügen: Von Sassnitz aus führt meine Runde zum Königsstuhl durch den Nationalpark Jasmund. Aus Binz kommst du auf der Tour Von Binz über Prora nach Sassnitz zu Fuß hierher.
Fazit
Die Runde kommt durch beide Teile von Sassnitz: den Hafen mit den Resten der Fährlinie und der Fischerei und den alten Badeort in Alt-Sassnitz. Dazu kommt der lange Weg über die Ostmole hinaus aufs Wasser. Die Runde lässt sich gut mit der Bahnanreise an einem Tag verbinden.
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