Unterwegs zu Fuß

Von Binz über Prora nach Sassnitz auf Rügen

Blick vom Hochufer bei Dwasieden über die Ostsee auf die Mole von Sassnitz

Tour auf Rügen · Alle Touren und Wege

Diese Tour führt 23,6 Kilometer vom Bahnhof Ostseebad Binz nach Sassnitz. Nach einem kurzen Stück durch Binz geht es an der Prorer Wiek entlang durch Prora, den fast fünf Kilometer langen Bau aus der NS-Zeit. Danach folgen Dünen, der Fährhafen Mukran, Felder auf Jasmund und zum Schluss das Hochufer bei Dwasieden.

Ich bin die Strecke am 26. Mai 2022 gelaufen.

Inhalt dieser Tour

Strecke

23,6 km

Gehzeit

4:53 h

Art

Strecke

Start

Bahnhof Ostseebad Binz

Ziel

Sassnitz, Hafenstraße

ÖPNV

Mit dem RE 9 nach Binz, zurück ab Sassnitz mit dem RE 9.

Untergrund

Pflaster und Asphalt in Binz und Sassnitz, dazwischen Wald- und Sandwege, ein Stück am Strand und Feldwege bei Dubnitz

Einkehr

in Binz und Sassnitz

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Einkehr am Weg

Gelaufen am 26. Mai 2022

Karte: Wanderung vom Ostseebad Binz über Prora nach SassnitzStrecke vom Bahnhof Ostseebad Binz am Schmachter See vorbei an die Strandpromenade, am Kurhaus vorbei nach Norden, an der Prorer Wiek entlang durch Prora, durch Dünen und Wald nach Mukran, am Fährhafen vorbei über Felder bei Dubnitz nach Dwasieden und am Hochufer entlang nach Sassnitz, 23,6 km, mit sieben nummerierten Orten. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung.1234567Start: Bahnhof BinzZiel: SassnitzBinzProraMukranProrer WiekDwasieden2 km
Vom Bahnhof Ostseebad Binz nach Sassnitz, 23,6 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die Nummern stehen im Streckenband.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Streckenband

  1. Kilometer 0Bahnhof Ostseebad BinzStart
  2. Kilometer 1,11Schmachter See
  3. Kilometer 2,22RettungsturmSüdende der Promenade
  4. Kilometer 2,93Kurhaus BinzSeebrücke
  5. Kilometer 8,94ProraDokumentationszentrum
  6. Kilometer 11,65Ruinen im Norden
  7. Kilometer 16,36Fährhafen Mukran
  8. Kilometer 20,87DwasiedenGroßsteingrab, Schlossruine
  9. Kilometer 23,6Sassnitz, HafenstraßeZiel
Kilometer gerundet.

Darum lohnt sich die Tour

  • In Prora gehst du an dem fast fünf Kilometer langen Bau entlang, den die Nationalsozialisten als Seebad planten. Ein Teil ist saniert, ein Teil verfällt, im Norden stehen Ruinen.
  • In Binz kommst du am Kurhaus, an der Seebrücke und am Rettungsturm aus Betonschalen vorbei.
  • Hinter Prora geht es lange durch Dünen und am Strand der Prorer Wiek entlang.
  • Zum Schluss blickst du vom Hochufer bei Dwasieden auf Sassnitz.

Anreise

Hin

Mit dem RE 9 aus Stralsund bis Ostseebad Binz

Zurück

Ab Sassnitz mit dem RE 9 Richtung Stralsund

Die Tour endet in der Hafenstraße in Sassnitz, zum Bahnhof sind es von dort ein paar Minuten.

Die Route

Binz: Schmachter See

Vom Bahnhof bin ich nicht gleich ans Meer gegangen, sondern zuerst ein Stück nach Süden zum Schmachter See. Am Ufer wächst Schilf, ein Holzsteg führt ins Wasser.

Rettungsturm und Promenade

Danach geht es an den Strand, ans südliche Ende der Promenade. Dort steht der Rettungsturm aus zwei Betonschalen, heute eine Außenstelle des Standesamts. Mehr zu ihm steht im Porträt Müther-Turm in Binz.

Von hier bin ich auf der Promenade nach Norden gelaufen. Dahinter stehen die Villen der Bäderarchitektur, eine davon ist die Villa Glückspilz.

Kurhaus und Seebrücke

In der Mitte der Promenade steht das Kurhaus. Das erste Kurhaus von 1890 war ein Fachwerkbau und brannte am 1. Mai 1906 ab. Der heutige Steinbau nach Plänen des Berliner Baumeisters Otto Spalding wurde am 3. Juli 1908 eröffnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte die Gemeinde das Kurhaus an eine Investorengruppe um Adalbert Kaba-Klein. Die Nationalsozialisten enteigneten ihn, weil er jüdischer Herkunft war, 1938 ging das Haus an Zwangstreuhänder. Nach 1945 bekam Kaba-Klein es zurück, 1953 wurde er in der Aktion Rose erneut enteignet. Danach war das Kurhaus ein Erholungsheim der NVA, heute ist es ein Hotel.

Vor dem Kurhaus beginnt die Seebrücke. Ihre Vorgängerin, eine 560 Meter lange Holzbrücke von 1902, brach am 28. Juli 1912 zum Teil zusammen. Über tausend Menschen warteten darauf auf einen Ausflugsdampfer, 70 bis 80 von ihnen stürzten ins Wasser, 16 oder 17 starben. Viele konnten sich nicht selbst retten. Im Jahr darauf wurde in Leipzig die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft gegründet. Die heutige Seebrücke ist 370 Meter lang und wurde 1994 eingeweiht.

Ein Stück weiter nördlich steht am Strand eine Station der DLRG.

Am Strand nach Prora

Hinter Binz geht es rund vier Kilometer nach Norden, mal im Wald hinter den Dünen, mal am Strand. Bei Prora führte ein Holzsteg durch die Kiefern zurück ans Wasser.

Prora

Prora ist ein einziger Bau, der sich an der Prorer Wiek entlangzieht. Geplant war er als Seebad der NS-Organisation „Kraft durch Freude“: 4,7 Kilometer lang, acht Blöcke mit je fast 500 Metern, 20.000 Betten. Der Grundstein wurde am 2. Mai 1936 gelegt, mit Kriegsbeginn 1939 brach der Bau ab. Fertig waren bis dahin nur die Rohbauten. Als Urlaubsort wurde Prora nie genutzt.

Stattdessen wurden hier im Krieg unter anderem Polizeibataillone ausgebildet, von denen sich einige später an Morden in Osteuropa beteiligten. Nach 1945 lebten zuerst Geflüchtete in den Gebäuden, dann zog die sowjetische Armee ein. Ab 1949 wurden die Blöcke zur Kaserne ausgebaut, erst für die Volkspolizei, ab 1956 für die NVA. Ab 1982 war Prora der größte Standort für Bausoldaten, also für junge Männer, die den Dienst an der Waffe verweigert hatten. Seit 1994 steht die Anlage unter Denkmalschutz. Die ganze Geschichte erzähle ich im Porträt Prora auf Rügen.

Im Mai 2022 waren im Süden schon mehrere Blöcke saniert, mit weißen Fassaden und neuen Fenstern. Seit 2014 wird dort gewohnt.

Weiter nördlich, im Mittelteil, sah es anders aus: graue Fassaden, zerbrochene Scheiben, über einem Durchgang ein Schild „Zum Strand“. Hier liegt auch das Dokumentationszentrum Prora, das seit 2000 die Geschichte des Ortes zeigt.

Am Strand vor dem Festplatz steht eine lange Mauer aus Klinker, besprüht mit Graffiti. Sie ist ein Rest der Kaimauer, an der einmal Schiffe anlegen sollten.

Die Ruinen im Norden

Nach Norden hin hören die Blöcke auf. Die sowjetischen Truppen sprengten nach 1945 den südlichsten und die beiden nördlichsten Blöcke. Im Norden stehen davon noch Ruinen, offene Betongeschosse zwischen Kiefern. Bauen darf dort nach dem Bebauungsplan niemand mehr.

Durch die Dünen nach Mukran

Hinter Prora führt der Weg durch Dünen und Kiefern, später am Strand der Prorer Wiek entlang. Weit vorn lag schon Sassnitz. Vor Mukran schwammen Schwäne auf dem Wasser.

Am Fährhafen Mukran

Bei Mukran kommst du am Fährhafen vorbei. Gebaut wurde er in den 1980er-Jahren für Güterfähren nach Klaipėda in der Sowjetunion, so ließ sich der teure Landweg mit seinen Transitgebühren umgehen. Die Verbindung begann 1986. Am Bau waren zahlreiche Bausoldaten der NVA beteiligt. Seit 1998 fahren von hier auch die Fähren nach Trelleborg in Schweden, heute ist Mukran außerdem ein Hafen für den Bau von Windparks auf See.

Über die Felder bei Dubnitz

Danach verlässt die Strecke die Küste und führt über Feldwege auf Jasmund nach Norden. Bei Dubnitz liegt etwas abseits in einem bewachsenen Hügel ein Großsteingrab.

Dwasieden

Kurz vor Sassnitz führt der Weg dicht an einem zweiten Großsteingrab vorbei, dem Grab von Dwasieden. Es ist rund 35 Meter lang, ein trapezförmiges Hünenbett mit zwei großen Wächtersteinen. 1970 wurde es unter Ewald Schuldt untersucht, gefunden wurden unter anderem Scherben, Pfeilspitzen und Bernsteinperlen. Caspar David Friedrich hat das Grab gezeichnet.

Etwas abseits der Strecke liegt die Ruine von Schloss Dwasieden. Der Berliner Bankier Adolph von Hansemann ließ es in den 1870er-Jahren nach Plänen von Friedrich Hitzig bauen. Ab 1936 nutzte die Marine das Schloss, im Sommer 1948 wurde es zusammen mit den Kasernen gesprengt. Danach übernahm die NVA das Gelände, lange war es gesperrt. Im Wald standen verfallene Betonbauten mit Graffiti.

Am Hochufer nach Sassnitz

Das letzte Stück führt oben am Hochufer entlang. Von hier siehst du über die Ostsee auf den Hafen von Sassnitz und die Ostmole. In der Hafenstraße endet die Tour. Die Stadt selbst beschreibe ich in Sassnitz zu Fuß.

Am Wegesrand

Die Villa Glückspilz

An der Promenade in Binz steht eine Backsteinvilla mit dem Namen Villa Glückspilz. Über dem Schriftzug wachsen am Giebel drei grüne Pilze.

Besondere Orte an dieser Tour

Müther-Turm in Binz

Prora auf Rügen

Gut zu wissen

  • Untergrund: In Binz und Sassnitz läufst du auf Pflaster und Asphalt. Dazwischen sind es Wald- und Sandwege, ein Stück am Strand und bei Dubnitz Feldwege.
  • Einkehr: in Binz und in Sassnitz. Hinter Prora wird es ruhig, nimm für die Strecke über Mukran und Dubnitz genug zu trinken mit.
  • Abstecher: Westlich der Strecke liegen in der Schmalen Heide die Feuersteinfelder, 14 Wälle aus Feuerstein, die Sturmfluten vor 3.500 bis 4.000 Jahren aufgehäuft haben. Bis dorthin sind es vom Weg aus rund 800 Meter Luftlinie. Mehr beim Landschaftspflegeverband Rügen.
  • Das Dokumentationszentrum Prora hat eigene Öffnungszeiten, schau vorher auf seiner Seite nach.
  • Zur Schlossruine Dwasieden gibt es laut Tourismusverband regelmäßig Führungen.
  • Weiter auf Rügen: Von Binz nach Süden führt meine Tour Von Binz nach Göhren und zurück. In Sassnitz geht es mit Sassnitz zu Fuß und der Runde zum Königsstuhl weiter.

Fazit

Die Tour verbindet Binz und Sassnitz und führt dazwischen fast fünf Kilometer an Prora entlang. Sanierte Blöcke, verfallene Fassaden und Ruinen liegen dort direkt nebeneinander. Hinter Mukran wird es ländlich, bis zum Schluss vom Hochufer der Hafen von Sassnitz zu sehen ist.

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Unterwegs war Sebastian. Mehr über mich