Tour in Berlin-Friedrichshain und Mitte · Alle Touren und Wege
Die Karl-Marx-Allee führt in Friedrichshain und Mitte vom Frankfurter Tor zum Alexanderplatz und hieß bis 1961 Stalinallee. Ich bin sie auf der Nordseite bis zum Haus des Lehrers gegangen und auf der Südseite zurück, mit ein paar kleinen Abstechern. Das sind 6,4 Kilometer. Unterwegs geht es um die Wohnpaläste der 1950er Jahre, um Plattenbauten, Kinos und Pavillons der 1960er und um Orte, die es nicht mehr gibt.
Start und Ziel ist das Frankfurter Tor. Der Weg ist flach und führt über breite Gehwege.
Inhalt dieser Tour
- Steckbrief
- Darum lohnt sich die Tour
- Anreise
- Die Route
- Frankfurter Tor
- Kino Kosmos, Rosengarten und die Deutsche Sporthalle
- Block C-Nord und der Strausberger Platz
- Wohnscheibe und Mokka-Milch-Eisbar
- Kino International und das frühere Hotel Berolina
- Haus der Statistik und Haus des Lehrers
- Rückweg: Café Moskau und die Pavillons
- Café Sibylle, Stalin-Denkmal und Laubenganghäuser
- Gut zu wissen
- Fazit
Steckbrief
Strecke
6,4 km
Gehzeit
1:19 h
Art
Hin und zurück
Start
Frankfurter Tor
Ziel
wie Start
ÖPNV
U5 bis Frankfurter Tor
Untergrund
Gehwege
- Mit der Bahn erreichbar
Gelaufen am 11. Dezember 2021
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Du siehst beide Bauabschnitte der Allee: Wohnpaläste mit Keramikfassaden ab 1951 und Plattenbauten, Kinos und Pavillons ab 1959.
- Kino International und Café Moskau liegen sich gegenüber, du gehst an beiden vorbei.
- Einige Orte gibt es nicht mehr: die Deutsche Sporthalle, das Hotel Berolina und das Stalin-Denkmal.
- Am Haus des Lehrers läuft ein Mosaik von 125 Metern Länge um das Haus, am Kino International hängen Betonreliefs.
Anreise
Hin
U5 bis Frankfurter Tor
Zurück
Hin und zurück, Start und Ziel liegen beieinander
Hinweis
Die U5 hält auch an Weberwiese, Strausberger Platz und Schillingstraße. An diesen Stationen kannst du die Strecke abkürzen.
Alle Touren mit Bahnanreise, nach Linien sortiert: Mit der Bahn raus aus Berlin.
Die Route
Die Allee ist in zwei Abschnitten gebaut worden. Der erste reicht vom Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz und entstand ab 1951 mit Wohnpalästen im Stil der Nationalen Tradition. Danach beginnt der zweite Abschnitt, den ab 1959 ein Kollektiv um Josef Kaiser mit Plattenbauten, Kinos und Pavillons gebaut hat.
Frankfurter Tor
Am Frankfurter Tor stehen zwei Türme mit grünen Kuppeln. Ein Kollektiv um Hermann Henselmann hat sie 1955 bis 1960 gebaut. Die Kuppeln erinnern an die Domtürme am Gendarmenmarkt. Die verglasten Aufsätze unter den Kuppeln waren als Gemeinschafts- und Gymnastikräume gedacht, sind aber nie so genutzt worden.

Von hier geht es auf der Nordseite der Allee Richtung Alexanderplatz.
Kino Kosmos, Rosengarten und die Deutsche Sporthalle
Das frühere Kino Kosmos steht an der Karl-Marx-Allee 131A. Josef Kaiser und Herbert Aust haben es 1960 bis 1962 gebaut, der Saal sitzt wie ein Ei hinter einem rechteckigen Vorbau. Mit 1.001 Plätzen war es 1962 das größte Kino der DDR. 1973 hatte hier der Film „Die Legende von Paul und Paula“ seine Uraufführung. Seit 2005 ist das Haus kein Kino mehr.
Zwischen Nummer 103 und 105 liegt der Rosengarten, den Helmut Kruse 1954 entworfen hat. Hier war ursprünglich ein Kino geplant. Eine kleine Backsteinmauer mit Tafel erinnert seit 2003 an den Bauarbeiteraufstand vom 16. Juni 1953, der an der Stalinallee begann.
Zwischen Lebuser Straße und Koppenstraße stand die Deutsche Sporthalle von Richard Paulick. Sie wurde 1951 in 148 Tagen für die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten gebaut. Wegen Bauschäden wurde sie 1971/72 abgerissen. Heute steht dort ein Wohnhochhaus.
Block C-Nord und der Strausberger Platz
Der Block C-Nord (Karl-Marx-Allee 71 bis 91B) entstand 1952 nach Plänen eines Kollektivs unter Richard Paulick. Die Fassade ist rund 260 Meter lang. Die Häuser sollten Paläste für Arbeiter sein.
Am Strausberger Platz stehen Haus Berlin und Haus des Kindes, beide von Henselmann. Im Haus Berlin gab es in den oberen Geschossen ein Weinrestaurant. Im Kindercafé im Haus des Kindes durften Erwachsene nur in Begleitung von Kindern hinein.
Auf dem Platz stand bis 2024 der Brunnen mit dem „Schwebenden Ring“ von Fritz Kühn. Die Kupferplatten wurden abgebaut und werden restauriert.
Wohnscheibe und Mokka-Milch-Eisbar
Hinter dem Platz ändert sich der Stil. Das Haus Karl-Marx-Allee 47 bis 51 ist eine achtgeschossige Wohnscheibe aus Großtafeln des Typs QP, 1959 bis 1961 gebaut und gilt als das erste Wohnhochhaus dieser Art. Die Balkone sind aus Stahl, die Fassade ist hell gefliest.

Weitere Plattenbauten findest du auf der Inforoute Platte & Co in Friedrichsfelde.
Die Mokka-Milch-Eisbar (Nummer 35) haben Kaiser und Walter Franek 1961 bis 1963 gebaut. Thomas Natschinski hat um 1970 einen Schlager über sie geschrieben. Sie war lange geschlossen und wurde saniert, inzwischen hat sie als Mokka*Milch wieder geöffnet.
Kino International und das frühere Hotel Berolina
Das Kino International (Nummer 33) wurde 1963 eröffnet und stammt von Josef Kaiser und Heinz Aust. An den Außenwänden hängen 14 Betonreliefs mit dem Titel „Aus dem Leben heutiger Menschen“ von Waldemar Grzimek, Hubert Schiefelbein und Karl-Heinz Schamal. Am 9. November 1989 hatte hier der DEFA-Film „Coming Out“ Premiere, am Tag des Mauerfalls. Mehr zum Haus steht im Beitrag zum Kino International.


Neben dem Kino steht das Rathaus Mitte. An seiner Stelle stand das Hotel Berolina, das Kaiser 1961 bis 1963 gebaut hat. Es wurde 1996 abgerissen. Das Rathaus ist ihm in Lage, Proportionen und Blauton nachempfunden, weil die Baugenehmigung eine hotelähnliche Fassade verlangte.
Haus der Statistik und Haus des Lehrers
Ein Stück abseits der Allee, an der Otto-Braun-Straße, steht das Haus der Statistik. Es wurde 1968 bis 1970 für die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik gebaut. Nach 1990 zogen Behörden ein, seit 2008 stand es leer. 2015 stoppten Initiativen den geplanten Abriss. Heute wird das Haus saniert und soll Verwaltung, Kultur und Wohnungen aufnehmen.

Am Ende der Strecke steht an der Alexanderstraße das Haus des Lehrers. Hermann Henselmann hat es 1961 bis 1964 gebaut, ein Hochhaus mit Kongresshalle unter einer Aluminiumkuppel. Um das Haus läuft das Mosaik „Unser Leben“ von Walter Womacka. Es ist 125 Meter lang, 7 Meter hoch und besteht aus mehr als 800.000 Steinen. Der Beitrag zum Haus des Lehrers erzählt mehr dazu.

Wenige hundert Meter weiter beginnt der Alexanderplatz mit dem Fernsehturm. Ich bin hier umgekehrt.
Rückweg: Café Moskau und die Pavillons
Auf der Südseite zurück liegt dem Kino International gegenüber das Café Moskau (Nummer 34). Josef Kaiser und Horst Bauer haben es gebaut, eröffnet wurde es am 15. Januar 1964. Das Mosaik „Aus dem Leben der Völker der Sowjetunion“ von Bert Heller ist neun mal 15 Meter groß. Über der Ecke steht eine Nachbildung des Sputnik, auf dem Dach der Schriftzug MOCKBA, Moskau in kyrillischer Schrift. Heute ist das Haus ein Veranstaltungsort.

Kaiser und sein Kollektiv haben an der Allee mehrere flache Pavillons gebaut. Auf der Südseite stehen Interflor und Madeleine (Nummer 32), in denen es Blumen und Damenmode gab, und das Schuhhaus Zentrum (Nummer 46).
Café Sibylle, Stalin-Denkmal und Laubenganghäuser
Das Café Sibylle (Nummer 72) wurde 1953 als Milchtrinkhalle eröffnet. Seit 2024 zeigt es eine neu gestaltete Dauerausstellung zur Geschichte der Allee.

Zwischen Andreasstraße und Koppenstraße stand ein Stalin-Denkmal. Es wurde am 3. August 1951 enthüllt und in der Nacht zum 13. November 1961 heimlich entfernt. Heute steht dort ein Plattenbau mit drei Wasserbecken davor.
Weiter östlich, bei Nummer 102/104 und 126/128, stehen zwei Laubenganghäuser. Ludmilla Herzenstein hat sie um 1950 entworfen. Sie sind das einzige gebaute Stück des Kollektivplans für die Wohnzelle Friedrichshain. Von hier sind es noch knapp ein Kilometer bis zum Frankfurter Tor.
Besondere Orte an dieser Tour
Gut zu wissen
- Den Track findest du bei Komoot.
- Etwas abseits der Allee liegen das Hochhaus an der Weberwiese (Marchlewskistraße 25), das als Vorbild für die Allee gilt, und das Haus Schillingstraße 27 bis 29, der einzige Plattenbau des zweiten Abschnitts mit originaler Keramikfassade.
- Das Kino International war von 2024 bis Februar 2026 wegen Sanierung geschlossen. Schau vor dem Besuch, was läuft.
- Einkehr gibt es entlang der Allee, zum Beispiel in der Mokka-Milch-Eisbar. Ob geöffnet ist, schau vorher nach.
- Weitere Stadtwanderungen stehen auf der Seite Wandern in Berlin.
Fazit
Die Strecke ist mit 6,4 Kilometern kurz und flach. Der Stilwechsel zwischen dem ersten und dem zweiten Bauabschnitt liegt am Strausberger Platz und ist gut zu erkennen. Von den Orten, die es nicht mehr gibt, sind nur Tafeln, ein Garten oder ein Wohnhaus geblieben.
Am Weg
Die Strecke berührt die Ortsteile Friedrichshain und Mitte.
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