Berliner Ortsteile / Friedrichshain-Kreuzberg / Friedrichshain
Friedrichshain
Ortsteil im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg · Ortsteil 55 von 97
Friedrichshain reicht von der Karl-Marx-Allee bis an die Spree und auf die Halbinsel Stralau. Meine Runde führt vom RAW-Gelände über Kieze, Prachtboulevard und Volkspark zum Osthafen und endet am Wasser.
Kurz gesagt
- Ortsteil im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, seit 2001 mit Kreuzberg zu einem Bezirk vereint
- Runde von 18,4 km, wechselnd durch Wohnkieze, über die Karl-Marx-Allee und durch den Volkspark Friedrichshain
- Sehenswert: ehemaliges Eisenbahnausbesserungswerk (RAW), Karl-Marx-Allee, Interbrigadisten-Denkmal, Dorfkirche Stralau
- Erreichbar mit S- und U-Bahn, die Runde lässt sich an vielen Stellen abkürzen
Geschichte
Der Name Friedrichshain geht auf den Volkspark zurück. Die Stadt beschloss 1840 den Bau, 1845 gewann Gustav Meyer den Wettbewerb, zwischen 1846 und 1848 entstand die Anlage. Im Zweiten Weltkrieg entstanden dort 1941 zwei Flakturmbunker, die 1946 gesprengt und überschüttet wurden. Am 22. März 1848 wurden hier die Opfer der Straßenkämpfe vom 18. und 19. März bestattet. Der Friedhof der Märzgefallenen erinnert daran, 1918 kamen die Opfer der Novemberrevolution dazu.
Die zweite Prägung kam durch die Eisenbahn. 1867 ordnete die Königliche Eisenbahndirektion Reparaturwerkstätten an, in den folgenden Jahren entstand das spätere RAW. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk stark zerstört, von den Bauten zur Revaler Straße ist noch viel erhalten. Seit Juli 1999 nutzen Initiativen das Gelände für Kultur, wie die Geschichte des RAW beschreibt.
Nach dem Krieg bauten die DDR die Frankfurter Allee zur Stalinallee aus. Der Straßenzug hieß ab Dezember 1949 Stalinallee und seit November 1961 Karl-Marx-Allee. Der Strausberger Platz mit seinen elliptisch angeordneten Baugruppen entstand 1952 und 1953, das Frankfurter Tor mit den beiden Turmhochhäusern folgte 1955 bis 1960. Das Kino Kosmos entstand 1960 bis 1962, geplant als Ur- und Erstaufführungskino.
Stralau dagegen ist viel älter. Die Dorfkirche entstand zwischen 1459 und 1464 und ist zusammen mit dem Friedhof das einzige erhaltene Zeugnis des alten Dorfes. Im 19. Jahrhundert kamen Fabriken hinzu, 1899 wurde der Spreetunnel zwischen Treptow und Stralau eröffnet. Der Osthafen entstand zwischen 1907 und 1913.
Seit 2001 gehört Friedrichshain mit Kreuzberg zu einem gemeinsamen Bezirk, entstanden bei der Gebietsreform, die die Zahl der Berliner Bezirke von 23 auf 12 verringerte.
Was Friedrichshain ausmacht
Friedrichshain ist dicht bebaut und vielschichtig. Gründerzeitkieze wie rund um den Boxhagener Platz stehen neben den Bauten der Karl-Marx-Allee, Kirchen aus drei Jahrhunderten neben Clubs auf dem RAW-Gelände. Dazu kommen Grün im Volkspark und Wasser an der Spree und auf Stralau.
Der Boxhagener Platz wurde 1903 als Blockplatz angelegt, 1929 gestaltete ihn Erwin Barth neu. Er steht heute unter Gartendenkmalschutz.
Orte, die sich lohnen
RAW-Gelände
An der Revaler Straße liegt das Gelände des früheren Reparaturwerks der Eisenbahn. Bauten aus den 1860er und 1870er Jahren stehen hier neben Kultur- und Clubnutzung. Das Areal ist als Ensemble denkmalgeschützt.

Eigener Beitrag
RAW-Gelände
Eisenbahnwerk ab 1867, seit 1999 Kulturgelände
Samariterkirche
Die neugotische Hallenkirche wurde 1892 bis 1894 nach Plänen von Gotthilf Ludwig Möckel gebaut. Ihr Westturm ist weithin zu sehen. Rund um die Kirche liegt der Samariterkiez.

Frankfurter Tor und Karl-Marx-Allee
Am Frankfurter Tor stehen zwei Turmhochhäuser mit Kuppeln, geplant von einem Kollektiv um Hermann Henselmann. Das Kino Kosmos aus den frühen 1960er Jahren fällt durch seinen zurückgesetzten Bau und den eiförmigen Saal auf. Am Strausberger Platz bilden vier elliptisch angeordnete Baugruppen einen Platz mit Arkaden. Zur Straße selbst habe ich einen eigenen Beitrag: Karl-Marx-Allee. Das Café Sibylle liegt ebenfalls an der Allee.



Interbrigadisten-Denkmal
Zwischen 1966 und 1968 entstand an der Friedenstraße das Denkmal für die Spanienkämpfer. Es besteht aus einer überlebensgroßen Bronzefigur von Fritz Cremer und einer doppelseitigen Relieftafel von Krepp.

Eigener Beitrag
Interbrigadisten-Denkmal
Bronzefigur und Relieftafel, 1966 bis 1968
Zwinglikirche
Die neugotische Backsteinkirche an der Danneckerstraße entstand zwischen 1905 und 1908 nach Plänen von Jürgen Kröger. Der Bau wurde mit Klinkerverblendung ausgeführt. Auffällig sind der asymmetrisch gesetzte Turm und die Staffelgiebel.

Stralau und Dorfkirche
Auf der Halbinsel Stralau steht die Dorfkirche, die zwischen 1459 und 1464 erbaut wurde. Der Turm stammt von 1823 und 1824, wurde 1935 abgetragen und von 1936 bis 1938 in alter Form wiederaufgebaut. In der Karl-Marx-Gedenkstätte an der Straße Alt-Stralau erinnern zwei Stelen und eine Tafel an Marx‘ Aufenthalt in Stralau 1837 und an den Glasarbeiterstreik von 1901. Die Tunnelstraße verweist auf den Spreetunnel, der 1899 eröffnet wurde und 1932 den Straßenbahnbetrieb einstellte.

Eigener Beitrag
Dorfkirche Stralau
Gebaut 1459 bis 1464, einziges erhaltenes Zeugnis des alten Dorfes
Meine Runde
Ich bin die Runde am 5. Juni 2022 gelaufen, 18,4 km in 3:33 Stunden. Los ging es am Bahnhof Warschauer Straße, gleich danach folgte das RAW-Gelände an der Revaler Straße. Von dort ging es nordwärts durch die Kieze zur Samariterkirche, weiter zum Frankfurter Tor und über die Karl-Marx-Allee zum Kosmos. Ich bin am Friedhof der Märzgefallenen und am Volkspark Friedrichshain vorbeigekommen, danach am Interbrigadisten-Denkmal. Über den Strausberger Platz und die Mühlenstraße führte der Weg zur Zwinglikirche, dann entlang der Stralauer Allee am Osthafen vorbei nach Stralau, wo die Runde am Wasser endet.
Gut zu wissen
Abkürzen lässt sich an vielen Stellen, etwa am Frankfurter Tor oder am Ostbahnhof.
Der Ortsteil Kreuzberg im selben Bezirk folgt später auf der Seite des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg.
Mehr auf dieser Seite: Zu Friedrichshain gibt es bei mir außerdem Café Sibylle an der Karl-Marx-Allee, die Street Art Butterfly von Michele Tombolini, Augen in der Großstadt von El Bocho, The Berlin Bomber von Arsek und Erase, den Sprayer von MTO, Swiss Knife von One Truth, Monkey see, monkey do von Herakut und die blaue Figur von Cranio. Dazu kommen die Etappen Weg 19: Tiergartenring und Weg 7: Hönower Weg.
Von Friedrichshain aus weiter
7 Ortsteile grenzen an, mit Richtung und Entfernung von Mitte zu Mitte.