66-Seen-Wanderweg, Etappe 10 von 17 · Zum Gesamtbericht
Von Hangelsberg nach Bad Saarow sind es fast 30 Kilometer, durch die Spreeauen, quer durch Fürstenwalde und über die Rauener Berge. Hin kommst du mit dem RE 1, zurück mit der RB 35 nach Fürstenwalde und dort wieder mit dem RE 1. Wenn dir die Strecke zu lang ist, teilst du sie in Fürstenwalde.
Ich bin am Sonntag, dem 12. September 2021, in Hangelsberg losgegangen, zwei Wochen nach der Etappe 9 aus Rüdersdorf. In der Einteilung von Manfred Reschke ist das die zehnte von 17 Etappen, und sie verlässt hier die Gegend um Berlin endgültig Richtung Scharmützelsee. Den Überblick über alle Etappen findest du im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
29,4 km
Gehzeit
6:09 h
Start
Bahnhof Hangelsberg
Ziel
Bahnhof Bad Saarow
Gelaufen am
12. September 2021
Untergrund
Pfade und Wiesenwege in den Spreeauen, Pflaster und Asphalt in Fürstenwalde, Waldwege mit Treppen in den Rauener Bergen
Einkehr
Rathausbrauerei im Keller des Alten Rathauses in Fürstenwalde, direkt am Weg (Öffnungszeiten prüfen)
- Mit der Bahn erreichbar
- Abkürzbar
- Einkehr am Weg
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Spreeauen zwischen Hangelsberg und Fürstenwalde
- Dom St. Marien und Pintsch-Leuchtturm in Fürstenwalde
- Markgrafensteine, aus denen die Granitschale im Lustgarten stammt
- Wasserturm und Bahnhof im Kurort Bad Saarow
Anreise
Hin
RE 1 bis Hangelsberg, dort hält nur die Linie zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder)
Zurück
RB 35 ab Bad Saarow bis Fürstenwalde (Spree), dort RE 1
Takt
RE 1 ab Hangelsberg stündlich; RB 35 stündlich
Abkürzen
Fürstenwalde (Spree) nach gut 15 Kilometern, dort halten alle Züge des RE 1
Die Route
Von Hangelsberg in die Spreeauen
Los geht es am Bahnhof Hangelsberg, wo die Etappe 9 endet. Die ersten 15 Kilometer bis Fürstenwalde führen durch die Spreeauen, auf schmalen Pfaden durch Schilf, über Wiesen und durch Wald. Gleich am Anfang standen Pferde auf einer Weide am Weg, kurz danach war ich zum ersten Mal am Wasser.
Bei Kilometer zehn kommt eine Skulptur mit dem Namen „Die Grille“. Sie gehört vielleicht zu den Skulpturen aus einem Künstler-Workshop von 2013, die zwischen Hangelsberg und Fürstenwalde stehen. Danach kommt der Weg noch einmal ans Wasser, bevor die ersten Häuser von Fürstenwalde auftauchen.



Fürstenwalde
Fürstenwalde wurde 1272 erstmals erwähnt, 1373 verlegten die Bischöfe von Lebus ihren Sitz hierher. Theodor Fontane kam oft in die Stadt, weil seine Lieblingsnichte hier lebte. Im April 1945 wurde ein großer Teil der Altstadt zerstört.
Den Mittelpunkt bildet der Dom St. Marien. 1385 wurde er zur Kathedrale erhoben, 1432 zerstörten ihn die Hussiten, ab 1446 entstand der heutige Bau, 1470 als dreischiffige spätgotische Backsteinhalle vollendet. Der Turm ist 68 Meter hoch. Im April 1945 brannte der Dom aus. Der Wiederaufbau begann 1949, 1965/66 bekam er wieder ein Dach, von 1988 bis 1995 folgte der Innenausbau mit einer neuen Raumaufteilung. Seitdem trennt eine Glaswand den Westteil ab, dort ist auf drei Geschossen ein Gemeindezentrum entstanden. Statt des spätgotischen Sterngewölbes schließt heute eine hölzerne Dachkonstruktion den Raum nach oben ab. Erhalten ist das Sakramentshaus von 1517, das Franz Maidburg aus Freiberg zugeschrieben wird. Die Orgel stammt aus der Thomaskirche in Leipzig.


Rund um den Domplatz liegt einiges dicht beieinander. Das Jagdschloss ließ König Friedrich I. 1699/1700 bauen, ab 1750 diente es als Getreidespeicher, und das blieb es bis 1992. Im Museum Fürstenwalde liegt eine der größten Geschiebesammlungen Europas, also Steine, die das Eis aus Skandinavien hergebracht hat. Vor dem Museum steht ein roter Leuchtturm, mehr dazu unten bei Am Wegesrand.
Ein paar Schritte weiter steht der „Turm der Tiere“, eine Skulptur aus übereinandergestapelten Tieren. Am Markt steht das Alte Rathaus mit seinem weißen Turm, 2013 wurde es umfassend saniert. Im Gewölbekeller braut seit 2012 die Rathausbrauerei, und seit 2014 ist im Ratskeller ein Brauereimuseum. Seibei Nakagawa, der erste Braumeister der japanischen Brauerei Sapporo, lernte von 1873 bis 1875 in Fürstenwalde das Brauen.
An einer Hauswand steht in großen Buchstaben „Fürstenwalde um 1255 gegründet als Handelsweg nach Polen“. Urkundlich belegt ist die Stadt erst 1272, aber mit dem Handel hat die Wand recht: Fürstenwalde hatte das Niederlagsrecht, durchziehende Händler mussten ihre Waren also hier anbieten. 1588 wurde es aufgehoben, danach wurde Fürstenwalde zur Ackerbürgerstadt.


Hinter der Altstadt geht es über die Spree. Die erste Spreebrücke an dieser Stelle war 183 Meter lang und stammte von 1913, 1945 wurde sie zerstört. Die neue Brücke wurde 1960 als Brücke der Thälmannpioniere eingeweiht. Wenn du die Etappe teilen willst, ist der Bahnhof Fürstenwalde der Ort dafür. Er stammt von 1842 und gilt als drittältester erhaltener Bahnhof Deutschlands.

Hinauf in die Rauener Berge
Von der Spree aus geht es nach Süden, und nach gut sechs Kilometern steigt der Weg in die Rauener Berge. Sie sind bis zu 153 Meter hoch, für Brandenburg also ordentlich, und sind Landschaftsschutzgebiet. An einer Stelle führt eine Treppe im Wald hinauf.

Unter dem Wald liegt Bergbaugeschichte. Um 1680 begann in den Rauener Bergen der Abbau von Braunkohle unter Tage, vorher wurde an den Südhängen Wein angebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts war mit der Kohle Schluss, Spuren des Bergbaus sind in den Wäldern um die Markgrafensteine noch zu finden. Theodor Fontane sah bei seinem Besuch noch eine Grubenbahn, die aus einem Stollen kam, und leere Loren. Ganz in der Nähe liegen außerdem die Reste einer Skisprungschanze, die in den 1960er-Jahren genutzt und 1988 geschlossen wurde.
Die Markgrafensteine und die Schale im Lustgarten
Oben im Wald liegen die Markgrafensteine, die als die größten Findlinge Brandenburgs gelten. Es sind Granitblöcke, die das Eis aus Skandinavien hierher gebracht hat, das Gestein ist etwa 1,45 Milliarden Jahre alt. Der Kleine Markgrafenstein hat eine größte sichtbare Achse von 5,8 Metern und ein Volumen von mehr als 100 Kubikmetern.
Ein Teil des Großen Markgrafensteins steht heute in Berlin. Friedrich Wilhelm III. bestellte bei dem Steinmetzen und Bauinspektor Christian Cantian eine große Schale im antiken Stil. Cantian fand dafür einen Granitfindling in den Rauener Bergen, im Juni 1827 begann er mit der Freilegung des Großen Markgrafensteins, im August wurde der Stein gespalten. Aus dem Mittelstück entstand die Schale. Der Rohling erreichte Berlin am 6. November 1828 auf dem Wasserweg, danach wurde er zweieinhalb Jahre mit einer Dampfmaschine geschliffen. Am 10. November 1834 wurde die Schale vor dem Alten Museum übergeben, mit einem Durchmesser von fast sieben Metern. Nach 1935 stand sie einige Jahrzehnte an der Nordseite des Berliner Doms, seit 1982 ist sie wieder an ihrem ursprünglichen Platz.
Was heute als Großer Markgrafenstein ausgeschildert ist, sorgt deshalb für Verwirrung. Schon Fontane bekam erklärt, dass der Stein, den er sah, bloß der kleine sei, der große sei zerlegt worden. Welcher Stein heute welchen Namen trägt, erklärt die Infotafel vor Ort.
Kurz danach steht der Aussichtsturm der Rauener Berge, ein 45 Meter hoher Stahlturm mit 209 Stufen. Der Zugang kostet einen Euro, bezahlt wird mit Münzen am Drehkreuz. Bei klarer Sicht reicht der Blick über den Scharmützelsee und bis Fürstenwalde.
Über Petersdorf nach Bad Saarow
Von den Bergen geht es hinunter nach Petersdorf, heute ein Ortsteil von Bad Saarow. Das Straßendorf wurde 1463 erstmals erwähnt, und seine Entwicklung hing lange an der Braunkohle. Der Petersdorfer See ist 23 Hektar groß und bis zu vier Meter tief, bewirtschaftet wird er von der Storkower Fischgenossenschaft.

Die letzten Kilometer führen nach Bad Saarow. Kurz vor dem Ziel steht der Turm des ehemaligen Wasser- und Elektrizitätswerks. Das Gebäude steht seit über hundert Jahren. Früher versorgten Trafos und Generatoren den Ort mit Strom, im Kompressorturm wurde das Trinkwasser aufbereitet, und Direktor und Meister wohnten im Haus. Seit 2013 sind darin Ferienwohnungen.
Zum Kurort wurde Bad Saarow erst im 20. Jahrhundert. 1912 wurde das Heilmoor entdeckt, 1923 kam die staatliche Anerkennung und mit ihr der Name Bad Saarow. Der Bahnhof ist älter, er wurde 1911 im Heimatstil nach Plänen von Emil Kopp gebaut. Hier endet die Etappe, und hier beginnt auch die Etappe 11 nach Wendisch Rietz.


Am Wegesrand
Ein Leuchtturm in der Domstadt

Der rote Leuchtturm vor dem Museum Fürstenwalde ist keine Dekoration, sondern ein echtes Seezeichen. Gefertigt hat ihn die Firma Pintsch, er trägt den Spitznamen „Dicke Bertha“. Gebaut wurde er 1909 in Fürstenwalde, später wurde er aus der Ostsee zurückgeholt.
Die Berliner Firma Julius Pintsch eröffnete 1872 ein Zweigwerk in der Stadt. Ab den 1870er-Jahren übertrug sie ihre Gasbeleuchtung auf Seezeichen, 1880 rüstete sie den Suezkanal mit Leuchtzeichen aus. Der Leuchtturm im Binnenland steht also ziemlich genau dort, wo er herkommt.
Ein runder Tisch aus Fontanes Zeit

Kurz vor den Markgrafensteinen steht ein steinerner Tisch im Wald. Bei Fontane gibt es dazu eine passende Stelle: Sein Begleiter erzählte ihm, der Große Markgrafenstein sei in den 1820er-Jahren in drei Stücke geteilt worden. Aus dem Mittelstück wurde die Schale, die linke „Backe“ blieb liegen, und die rechte kam auf die „Schöne Aussicht“, mit Steinbänken und einem runden Steintisch.
Ob der Tisch am Weg genau dieser ist, kann ich nicht belegen. Die Lage würde passen, bis zum Markgrafenstein sind es nur ein paar hundert Meter.
Gut zu wissen
- Mit fast 30 Kilometern ist das eine lange Etappe. In Fürstenwalde nach gut 15 Kilometern kannst du sie teilen, dort halten alle Züge des RE 1.
- Der RE 1 hält in Hangelsberg nur einmal pro Stunde, die RB 35 fährt ebenfalls stündlich von Bad Saarow nach Fürstenwalde.
- Für den Aussichtsturm in den Rauener Bergen brauchst du einen Euro in Münzen, er ist jederzeit zugänglich.
- Der Dom in Fürstenwalde ist täglich geöffnet, im Sommer länger als im Winter.
- Die Granitschale aus dem Großen Markgrafenstein steht im Berliner Lustgarten vor dem Alten Museum. Wenn du sie nach dieser Etappe ansiehst, weißt du, wo der Stein herkommt.
- Die vorherige Etappe ist die Etappe 9 von Rüdersdorf nach Hangelsberg, weiter geht es mit der Etappe 11 von Bad Saarow nach Wendisch Rietz.
Fazit
Die Etappe hat drei Teile, die wenig miteinander zu tun haben: die Spreeauen mit Pfaden, Wiesen und Wasser, dann Fürstenwalde mit Dom, Rathaus und Leuchtturm, und schließlich die Rauener Berge mit Treppen, Wald und den Markgrafensteinen. Am Ende kommt Bad Saarow mit Wasserturm und Bahnhof aus den Anfängen des Kurorts.
Fast 30 Kilometer mit einer Stadt in der Mitte sind ein voller Tag, und wer sich Dom und Museum ansehen will, braucht mehr Zeit.
