66-Seen-Wanderweg, Etappe 11 von 17 · Zum Gesamtbericht
Gut 25 Kilometer vom Bahnhof Bad Saarow nach Wendisch Rietz: erst am Scharmützelsee entlang, dann durch Wald und Felder über Kolpin und Hirschluch zur Binnendüne Waltersberge und am Großen Storkower See weiter nach Dahmsdorf. Hin kommst du mit RE 1 und RB 35, zurück mit der RB 36.
Ich bin am 26. Dezember 2021 in Bad Saarow losgegangen, einem Sonntag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag. Auf Wiesen und Bäumen lag Raureif, auf manchen Waldwegen etwas Schnee. Die Etappe schließt an die Etappe von Hangelsberg nach Bad Saarow an. Ich zähle die Etappen nach der Einteilung von Manfred Reschke, der den Weg in 17 Abschnitte teilt. Alles Weitere zum ganzen Weg steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
25,2 km
Gehzeit
4:57 h
Start
Bahnhof Bad Saarow
Ziel
Bahnhof Wendisch Rietz
Gelaufen am
26. Dezember 2021
Untergrund
Promenade und Stege am Scharmützelsee, danach Wald- und Feldwege, im Winter stellenweise mit Schnee
- Mit der Bahn erreichbar
- Badestelle
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Kurort Bad Saarow und der Scharmützelsee zum Auftakt
- Binnendüne Waltersberge, eine Düne mitten in Brandenburg
- Feldsteinkirche Dahmsdorf auf altem Dünensand
- Start und Ziel direkt an Bahnhöfen
Anreise
Zurück
RB 36 ab Wendisch Rietz nach Königs Wusterhausen, dort weiter mit RE 2 oder S-Bahn nach Berlin
Takt
RB 35 und RB 36 fahren stündlich
Die Route
Bad Saarow: Bahnhof, Wasserwerk und Kurpark
Los geht es am Bahnhof Bad Saarow. Das Empfangsgebäude wurde 1911 im Heimatstil nach Plänen von Emil Kopp gebaut. Am Brunnen auf dem Vorplatz vorbei bin ich Richtung See gegangen.

Nach einem halben Kilometer kommt das alte Wasser- und Elektrizitätswerk mit seinem Turm. Es steht seit über 100 Jahren hier. Trafos und Generatoren versorgten den Ort mit Strom, im Turm wurde Trinkwasser aufbereitet, und Direktor und Meister wohnten gleich im Haus. Heute sind darin Ferienwohnungen. Gegenüber liegt das alte Moorbad. Im Ersten Weltkrieg behandelte die Armee dort rheumakranke Soldaten, heute sitzen im SaarowCentrum Bibliothek, Ämter und ein Trauzimmer.
Dass aus dem Dorf am See ein Kurort wurde, hat mit Moor zu tun. 1912 wurde Heilmoor entdeckt, 1914 eröffnete das Moorbad, 1923 bekam die Gemeinde den Namen Bad Saarow, 1927 kam eine Solequelle dazu. Von 1954 bis 1994 nutzte das Militär große Teile des Kurorts, unter anderem als Armeelazarett der NVA. Aus dem Kurpark zog es 1994 ab. 1998 wurde Bad Saarow als erstes Thermalsole- und Moorheilbad Brandenburgs unbefristet anerkannt.

Im Kurpark, den Ludwig Lesser 1910 angelegt hat, lag Raureif auf Gras und Bäumen. Dort steht auch eine Skulptur der Moorhexe. Gemeint ist Catharine Kohlhoff (1894 bis 1982), Malerin und Wahrsagerin, nach der 1996 die Catharinenquelle benannt wurde. Ein paar Schritte weiter steht die Tetensvilla, wegen ihrer extravaganten Architektur im Volksmund Sterngucker-Villa genannt.
Am Scharmützelsee und am Fontanepark
Dann bin ich ans Ufer gekommen. Der Scharmützelsee ist etwa 10 Kilometer lang, bis zu 1,5 Kilometer breit und bis rund 30 Meter tief. Nach dem Schwielochsee gilt er als zweitgrößter natürlicher See Brandenburgs. Er ist vor etwa 15.000 Jahren in einer eiszeitlichen Rinne entstanden und wird auch Märkisches Meer genannt. Am Ufer führen Stege aufs Wasser hinaus.


In der Seestraße steht ein Denkmal für Johannes R. Becher, geschaffen von Fritz Cremer. Becher war Kulturminister der DDR, schrieb den Text der Nationalhymne und hatte ab 1948 ein Haus in Bad Saarow-Strand, sein Traumgehäuse. Nicht der einzige bekannte Name im Ort: Der Boxer Max Schmeling wohnte von 1930 bis 1938 in Saarow und heiratete 1933 in der Saarower Kirche die Schauspielerin Anny Ondra.

Kurz darauf führt der Weg am Fontanepark vorbei. Die Halbinsel ist nicht natürlich entstanden. Ende des 19. Jahrhunderts stand nebenan eine Ziegelei, und Abraum aus den Tongruben und Ziegelreste wurden einfach in den See geschüttet. Zum Fontane-Jahr 2019 kamen 16 Tafeln mit Zitaten dazu, am Steg steht das Kunstobjekt Blick ins Nichts. Fontane selbst kam 1881 hier vorbei, auf dem Weg von den Rauener Bergen nach Saarow Dorf.
Durch den Wald nach Kolpin
Danach verlässt der Weg den Scharmützelsee und führt nach Westen in den Wald. Am Weg liegen auch ehemalige Tongruben, Ende des 19. Jahrhunderts für Ziegel ausgehoben und heute zugewachsen. Es ist derselbe Rohstoff, aus dessen Resten weiter vorn die Halbinsel des Fontaneparks aufgeschüttet wurde. Die Wege waren stellenweise verschneit, der blaue Punkt auf weißem Grund zeigt die Richtung.


Nach etwa sieben Kilometern kommt der Große Kolpiner See, mit stillen Ufern und einer Badestelle im lichten Wald. Von Kolpin führt außerdem eine Obstbaumallee nach Reichenwalde. Im Dorf bin ich am Feuerwehrhaus mit seinem kleinen Turm vorbeigekommen.


Hinter Kolpin geht es eine Weile über offene Felder. Hier machst du vor allem Strecke, bis Hirschluch sind es noch rund sechs Kilometer.

Hirschluch und die Binnendüne Waltersberge
Nach gut 14 Kilometern kommt Hirschluch, eine evangelische Jugendbildungs- und Begegnungsstätte mit parkartigem Gelände, Wald, Wiesen, Teich und Kapelle, mitten in einem Landschaftsschutzgebiet. Kurz dahinter weist ein Schild den Weg als 66-Seen-Rundweg und zugleich als Regionalparkroute Rund um Berlin aus.

Dann führt der Weg direkt an der Binnendüne Waltersberge entlang, einer Düne weit weg vom Meer, die sich gut 30 Meter über das Nordufer des Großen Storkower Sees erhebt. Gleich dabei liegt der 69 Meter hohe Storkower Weinberg. Rund 14 Hektar der Düne stehen seit 1990 unter Naturschutz, damals noch nach DDR-Recht ausgewiesen. Das FFH-Gebiet um die Düne umfasst 27 Hektar. Geschützt werden offene Sandflächen und trockene Sandheiden. Damit sie offen bleiben, sollen einwandernde Kiefern und Spätblühende Traubenkirschen herausgenommen werden, und auf den Sandheiden können Schafe und Ziegen weiden. Naturschutz, bei dem Bäume weichen müssen, klingt erst mal seltsam, ist hier aber genau das Ziel.
Auch auf der Düne lag Raureif. Die Altstadt von Storkow mit ihrer Burg ist nicht weit, mein Weg hat sie aber nicht berührt. Wenn du Zeit hast, plan dort einen Abstecher ein.
Am Großen Storkower See nach Dahmsdorf
Hinter der Düne bin ich am Ufer des Großen Storkower Sees weitergegangen. Der Weg bleibt eine Weile am Wasser und führt an einem Steg vorbei, der in den See hinausragt.

Danach geht es wieder über offene Felder. Nach gut 20 Kilometern erreichst du Dahmsdorf mit seiner Feldsteinkirche im alten Ortskern. Sie steht auf einem Untergrund mit eigener Geschichte, mehr dazu unten unter Am Wegesrand.

Am Kanal nach Wendisch Rietz
Die letzten Kilometer führen nach Wendisch Rietz, das zwischen Scharmützelsee, Storkower See und Glubigseenkette liegt. Vor dem Ort bin ich an einem Kanal entlanggegangen, wohl dem Wendisch Rietzer Kanal. Er reicht von der Schleuse bis zum Storkower See und ist 2,5 Meter tief. Die Schleuse am Storkower Kanal bedienen die Bootsfahrer*innen selbst. Ihre Kammer ist 34 Meter lang, der Höhenunterschied beträgt 1,27 Meter.

Am Südufer des Scharmützelsees gibt es eine Rast- und Badestelle, im Dezember eher etwas für die Augen. Nach gut 25 Kilometern bin ich am Bahnhof Wendisch Rietz angekommen, von dort fährt die RB 36 nach Königs Wusterhausen. Weiter geht es mit der nächsten Etappe an der Glubigseenkette entlang nach Leibsch.
Am Wegesrand
Die Kirche auf dem Dünensand
Die Dorfkirche von Dahmsdorf ist aus Feldsteinen gebaut. Oft wird 1241 als Gründungsjahr genannt, belegt ist das nicht. Die bearbeiteten Feldsteine am Ostgiebel deuten auf die Mitte des 13. Jahrhunderts, und 1346 war Dahmsdorf einer von elf Pfarrorten der Herrschaft Storkow. Aus der Bauzeit stammen die drei schmalen Lanzettfenster im Ostgiebel. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche zerstört und wieder aufgebaut, der Fachwerkaufsatz des Turms trägt die Jahreszahl 1719, die größere Glocke die Inschrift anno domini 1400.

Die Hügel um die Kirche galten lange als slawischer Burgwall, in Wirklichkeit gehören sie zu einem Dünengebiet, nur der Sandwall rund um die Kirche ist von Menschen aufgeschüttet. Nach der Binnendüne Waltersberge ist das schon die zweite Düne auf dieser Etappe. 1868 wollte der damalige Pfarrer die Kirche abreißen lassen, das Dorf lehnte ab. Seit 2005 kümmert sich ein Förderverein um das Gebäude, 2009 wurden die Dächer von Turm und Schiff saniert.
Gut zu wissen
- Der Tourismusverband teilt den 66-Seen-Wanderweg in 21 Etappen. Dort heißt dieser Abschnitt 15. Etappe und führt über Storkow; mein Weg lief an der Storkower Altstadt vorbei direkt zur Binnendüne.
- Zwischen Bad Saarow und Wendisch Rietz liegen nur kleine Dörfer. Verpflegung nimmst du am besten von Anfang an mit.
- Baden kannst du am Großen Kolpiner See und an der Badestelle am Südufer des Scharmützelsees bei Wendisch Rietz.
- Bei Raureif sind Stege und Holzbohlen am Scharmützelsee glatt.
- Die RB 36 fährt stündlich, auch am Wochenende. Wenn du einen Zug verpasst, wartest du also nicht lange.
Fazit
Am Anfang kommen Kurort, Promenade und viel Geschichte auf wenigen Kilometern, danach lange Wald- und Feldwege mit kleinen Seen und Dörfern. Am stärksten fand ich die Binnendüne Waltersberge.
An diesem Tag lag Raureif. Ohne ihn wären der Abschnitt zwischen Kolpin und Hirschluch und die Felder vor Dahmsdorf vor allem Strecke. Storkow bleibt links liegen, für die Burg brauchst du einen Umweg.
