Unterwegs zu Fuß

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66-Seen-Wanderweg, Etappe 15: Von Wünsdorf nach Trebbin

Großer Wünsdorfer See am Anfang der Etappe 15 des 66-Seen-Wanderwegs

66-Seen-Wanderweg, Etappe 15 von 17 · Zum Gesamtbericht

Die Etappe 15 führt auf 31,7 Kilometern von Wünsdorf-Waldstadt nach Trebbin. Unterwegs liegen der Große Wünsdorfer See, die Klausdorfer Heide, die Gipsbrüche von Sperenberg und sehr viel offenes Feld. Hin kommst du mit dem RE 8, zurück mit dem RE 4.

Ich bin am Sonntag, dem 3. März 2024, am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt losgegangen. Eine Woche vorher war ich auf der Etappe 14 von Halbe hier angekommen. In der Einteilung von Manfred Reschke ist das die 15. von 17 Etappen, der Tourismusverband führt den Abschnitt als 19. Etappe. Alle bisher gelaufenen Stücke findest du im Gesamtbericht.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

31,7 km

Gehzeit

6:34 h

Start

Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt

Ziel

Bahnhof Trebbin

Gelaufen am

3. März 2024

Untergrund

Feld- und Waldwege, sandige Abschnitte in der Klausdorfer Heide, Straßen in den Orten

Einkehr

Gaststätte Kummersdorfer Krug in Kummersdorf (Öffnungszeiten prüfen)

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Einkehr am Weg
  • Badestelle
  • Wenig Schatten
Karte: 66-Seen-Wanderweg, Etappe 15Etappe 15 von Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt nach Bahnhof Trebbin, 31,7 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: Bahnhof Wünsdorf-WaldstadtZiel: Bahnhof Trebbin5 km
Etappe 15 von Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt nach Bahnhof Trebbin, 31,7 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des 66-Seen-Wanderwegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Sperenberg: bis 1886 das tiefste Bohrloch der Erde
  • Gipsbrüche mit wassergefüllten Restlöchern als Naturschutzgebiet
  • Badestelle am Großen Wünsdorfer See gleich am Anfang
  • Spuren der sowjetischen Zeit am früheren Flugplatz Sperenberg

Anreise

Hin

Mit dem RE 8 ab Berlin Hbf oder Südkreuz bis Wünsdorf-Waldstadt.

Zurück

Ab Trebbin mit dem RE 4 nach Berlin. Der RE 3 fährt in Trebbin durch.

Takt

RE 8 und RE 4 jeweils stündlich.

Die RB 24 fährt derzeit nicht bis Wünsdorf-Waldstadt. Der Abschnitt ab Blankenfelde entfällt, bis das neue Stellwerk Zossen fertig ist.

Die Route

Wünsdorf: Dorfkirche, Museum und See

Los geht es am Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt. Der Ort ist vor allem als Militärstandort bekannt: Ab 1953 saß hier das Oberkommando der sowjetischen Truppen in Deutschland, bis zum Abzug Anfang September 1994. Auf den ersten Kilometern bekommst du davon wenig mit, denn der Weg führt zuerst in den alten Dorfkern. Nach gut einem Kilometer steht dort die Dorfkirche, ein verputzter Saalbau aus den Jahren 1841 bis 1843. Den Entwurf ordnet die Denkmalpflege der Schinkelschule zu.

Ein paar hundert Meter weiter kommst du an der früheren Dorfschule von 1898 vorbei, einem hellen Backsteinbau. Heute sitzt darin das Museum des Teltow. Es zeigt die Geschichte der Teltowlandschaft und hat einen Garten mit Gehölzkunde.

Dann liegt der Große Wünsdorfer See vor dir. Im alten Ortskern gibt es eine Badestelle mit Blick über das Wasser. Seit Juli 2010 gehört der See mit seinen 1,8 Millionen Quadratmetern der Stadt Zossen, zu der auch Wünsdorf zählt. Lange bleibt der Weg nicht am Ufer, nach etwa zwei Kilometern geht es vom Wasser weg in die Felder.

Gräben, Feldwege und die Klausdorfer Heide

Hinter dem See wird es ländlich. Ich bin an Gräben entlang und über Feldwege gelaufen, das Wegzeichen klebte hier an einem Zaunpfahl: der blaue Punkt auf weißem Grund, der dich rund um Berlin begleitet.

Nach gut fünf Kilometern wird der Boden sandig. Hier beginnt die Klausdorfer Heide, und für ein Stück läufst du durch offenen Sand, der nach dem Ackerboden davor fast nach Strand aussieht. Danach kommt das Faule Luch, ein Sumpf mit Tümpeln.

Kurz vor Sperenberg liegt noch einmal Wasser am Weg. Das sind vermutlich Restseen aus der Zeit des Gipsabbaus.

Sperenberg: Gips, Salz und ein Rekordloch

Sperenberg steht auf Gips. Unter dem Ort liegt ein Salzstock, der den Gipsberg rund 80 Meter über die Umgebung hebt. Es ist der östlichste Salzstock Deutschlands und einer der wenigen, die bis an die Oberfläche durchgebrochen sind. Der Ortsname soll auf ein slawisches Wort für Gips zurückgehen.

Abgebaut wurde hier rund 700 Jahre lang. 1926 wurde der Abbau eingestellt, 1946 wieder aufgenommen und 1958 endgültig beendet. Danach füllten sich die Brüche mit Wasser. Seit 1998 sind sie Naturschutzgebiet, rund 24 Hektar mit Trockenrasen, Binnendünen und den wassergefüllten Restlöchern.

Nach gut zehn Kilometern kommst du an die Stelle der Tiefbohrung Sperenberg I. Sie begann am 27. März 1867, zunächst von Hand. Ab 1868 trieben zwei große Dampfmaschinen und ein 30 Meter hoher Bohrturm die Arbeit voran. Als am 15. September 1871 Schluss war, reichte das Loch 1.271,60 Meter tief. Es war das erste Bohrloch über 1.000 Meter und bis 1886 das tiefste der Erde. Eigentlich sollte die Bohrung den Gips erkunden, in gut 1.180 Metern Tiefe stießen die Bohrleute dann auf Steinsalz.

Bergrat Eduard Dunker aus Halle an der Saale nutzte das Loch für 84 Temperaturmessungen. Daraus errechnete er eine geothermische Tiefenstufe von 33,7 Metern pro Grad, also wie viel tiefer es gehen muss, bis es ein Grad wärmer wird. Seit Dezember 2007 erinnert eine Stele an die Bohrung, über dem Bohrloch schwimmt eine orangefarbene Boje. Ich bin an diesem Tag gut 31 Kilometer gegangen, die Bohrmannschaft kam in vier Jahren nicht einmal auf 1,3 Kilometer. Allerdings nach unten.

Durch den Ort Sperenberg

Im Ort steht die Dorfkirche, 1752 und 1753 unter Friedrich II. von Landbaumeister Georg Friedrich Berger auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Kirche gebaut. Es ist eine Saalkirche mit halbrunder Apsis und Segmentbogenfenstern. Die Orgel stammt von Wilhelm Sauer, am Kirchhof steht ein Maulbeerbaum. Zur Ausstattung gehören Leuchter von 1612, mit denen sich ein Hamburger Reeder bedankte. Sperenberger Gips wurde damals in großen Mengen verschifft.

1856 zerstörte ein Großbrand fast den ganzen Ort, der Grundriss des Wiederaufbaus ist bis heute erhalten. Mitten im Ort steht außerdem ein Gedenkstein von 1913, mehr dazu unten unter Am Wegesrand.

Am früheren Flugplatz vorbei nach Kummersdorf

Kurz hinter dem Ort stand ich vor einem Tor mit rotem Stern. Zwischen Sperenberg und Kummersdorf liegt der ehemalige sowjetische Militärflugplatz, und der Stern erinnert an diese Zeit.

Geplant hatte die DDR hier ab 1957 einen Flughafen, der Schönefeld entlasten sollte. Gebaut wurde von 1958 bis 1974 in drei Abschnitten, beim ersten mussten Strafgefangene aus dem Zuchthaus Brandenburg mitarbeiten. Genutzt haben den Platz dann die sowjetischen Streitkräfte. Sie hatten hier eine 2.600 Meter lange Bahn, eine eigene Wohnstadt mit Schule, Poliklinik und Kino und fast 5.000 Soldaten und Zivilangestellte. Sperenberg selbst hatte nur rund 2.200 Einwohner*innen. Es gab eine direkte Verbindung nach Moskau, die letzte Maschine startete am 6. September 1994. Bis 2006 galt das Gelände als stille Reserve für den neuen Großflughafen. Heute liegt es brach und ist für keine Nutzung freigegeben.

Nach knapp 15 Kilometern erreichst du Kummersdorf, einen Ortsteil der Gemeinde Am Mellensee. Gemeint ist das Dorf, nicht Kummersdorf-Gut mit der früheren Heeresversuchsstelle. Im Dorf liegt der Kummersdorfer Krug, eine Gaststätte mit Pension. Danach folgt ein langer, fast schnurgerader Weg zwischen Feldern und Hecken. Wer gern Strecke macht, ist hier richtig.

Torfstiche und Windräder bis Trebbin

Nach gut 21 Kilometern kommst du zum Naturschutzgebiet Gadsdorfer Torfstiche und Luderbusch. Die Torfstiche liegen am Rand des Höllenbergs mitten im Wald. Ein Stück weiter lag ein See neben dem Weg, wohl einer der alten Torfstiche, die sich mit Wasser gefüllt haben.

Bei Kilometer 24 kamen Windräder in Sicht, sie standen im Licht der untergehenden Sonne. Von dort sind es noch gut sieben Kilometer bis zum Bahnhof Trebbin, wo die Etappe endet. Die Altstadt mit den Skulpturen von Hans Clauert, dem märkischen Eulenspiegel, liegt am Anfang der nächsten Etappe nach Seddin.

Am Wegesrand

Der Maulaffenplatz

In der Dorfmitte von Sperenberg steht ein Gedenkstein „Zur Erinnerung an die ruhmreiche Erhebung Preußens“, eingeweiht am 13. Oktober 1913. Seine Seiteninschriften erinnern an das Gefecht vom 25. August 1813, als Major Freiherr von Hellwig mit seinen Husaren die französische Nachhut schlug. Im Ort heißt der Platz Maulaffenplatz.

Erdbeben aus dem Gipsbruch

Sperenberg hat zwei Erdbeben erlebt, 1771 und 1808. Ausgelöst wurden sie, als nach Sprengungen Hohlräume im Gips einbrachen. In den Krummen See wurde Grundwasser aus den Brüchen abgeleitet, er trug den Beinamen „Totes Meer im Teltowlande“.

Mit 210 km/h nach Zossen

Seit 1875 hatte Sperenberg Anschluss an die Königlich Preußische Militäreisenbahn, die von Berlin-Schöneberg zum Schießplatz Kummersdorf führte. Auf dem Abschnitt bis Zossen erreichte am 28. Oktober 1903 ein Versuchstriebwagen der AEG 210 km/h. Im alten Bahnhof Sperenberg arbeiten heute Bildhauer*innen.

Gut zu wissen

  • Mit 31,7 Kilometern ist das eine lange Etappe. Einen Bahnhof gibt es unterwegs nicht, plane also die ganze Strecke ein. Im Winterhalbjahr reicht das Tageslicht knapp.
  • Am Großen Wünsdorfer See gibt es im alten Ortskern eine Badestelle.
  • Das Gelände des früheren Flugplatzes Sperenberg ist nicht freigegeben. Bleib auf dem markierten Weg.
  • Das Museum des Teltow in Wünsdorf hat nur am Wochenende geöffnet. Prüf die Zeiten vorher.
  • Hinter Kummersdorf gehst du lange zwischen Feldern, Schatten gibt es dort kaum.
  • Der Tourismusverband nennt für die Anreise noch den RE 5 nach Wünsdorf. Der fährt heute nur noch bis Berlin Südkreuz, nimm den RE 8.

Fazit

Die Etappe ist lang, und die zweite Hälfte hat sich für mich zwischen den Feldern ganz schön gezogen. Dafür kommt in Sperenberg viel zusammen: Gipsabbau seit dem Mittelalter, ein Bohrloch, das 15 Jahre lang den Weltrekord hielt, und gleich daneben die Spuren der sowjetischen Zeit.

Mir hat gefallen, wie oft der Boden wechselt, vom Seeufer über Sand und Gips bis zu den Torfstichen. Wer nur Uferwege sucht, wird hier nicht glücklich. Wer wissen will, was unter Brandenburg liegt, schon eher.