66-Seen-Wanderweg, Etappe 9 von 17 · Zum Gesamtbericht
Von Rüdersdorf nach Hangelsberg sind es knapp 24 Kilometer. Los geht es an der Haltestelle Rüdersdorf Museumspark, die du mit der Straßenbahn 88 ab S Friedrichshagen erreichst. Zurück fährt der RE 1 ab Hangelsberg. Die erste Hälfte gehört dem Wasser zwischen Kalksee und Flakensee, die zweite dem Löcknitztal und dem Wald.
Ich bin am Samstag, dem 28. August 2021, in Rüdersdorf losgegangen, eine Woche nach der Etappe 8 von Strausberg, die genau hier endet. In der Einteilung von Manfred Reschke ist das die neunte von 17 Etappen. Den Überblick über alle Etappen findest du im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
23,6 km
Gehzeit
4:36 h
Start
Museumspark Rüdersdorf
Ziel
Bahnhof Hangelsberg
Gelaufen am
28. August 2021
Untergrund
Pflaster in Rüdersdorf, Uferwege und ein Bohlenweg am Kalksee, Wiesen- und Waldwege im Löcknitztal
- Mit der Bahn erreichbar
- Abkürzbar
- Badestelle
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Blick in den Kalktagebau Rüdersdorf gleich am Start
- Uferweg am Kalksee mit Bohlenweg
- Woltersdorfer Schleuse mit der kleinsten Straßenbahngemeinde
- Löcknitztal, ein Naturschutzgebiet mit mäanderndem Fließ
Anreise
Hin
Straßenbahn 88 ab S Friedrichshagen (S3) bis Rüdersdorf Museumspark oder PlusBus 950 ab S Erkner oder S Strausberg
Zurück
RE 1 ab Hangelsberg, dort hält nur die Linie zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder)
Takt
Straßenbahn 88 werktags alle 20, sonn- und feiertags alle 30 Minuten; PlusBus 950 stündlich; RE 1 ab Hangelsberg stündlich
Abkürzen
Straßenbahn 87 ab Woltersdorf Schleuse nach S Rahnsdorf (S3)
Die Route
Rüdersdorf: am Rand des Tagebaus
Los geht es dort, wo die Etappe 8 geendet hat, am Museumspark in Rüdersdorf. Nach gut einem halben Kilometer komme ich an der Kalkberger Kirche vorbei. Die neugotische Kirche nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler wurde 1873 eingeweiht und ist aus Kalkstein aus der Gegend gebaut. Im April 1945 wurde sie schwer beschädigt, ab 1991 wurde sie saniert.
Kurz danach öffnet sich der Blick in den Tagebau. Der Weg führt am Rand der Grube entlang, und die Maße sind enorm: über vier Kilometer lang, über einen Kilometer breit, die tiefste Stelle liegt mehr als 50 Meter unter dem Meeresspiegel. Für Stummfilme diente der Kalkbruch früher als Alpenkulisse. Wenn du von oben in die Grube schaust, ist das gar nicht so weit hergeholt.
Ein Stück weiter liegt ein altes Gleis im Pflaster des Weges. Wohin es einmal geführt hat, habe ich nicht herausgefunden. In einem Ort, der so lange vom Kalk gelebt hat, gibt es dafür einige Möglichkeiten.


Durch den Rüdersdorfer Grund an den Kalksee
Danach geht es durch den Rüdersdorfer Grund nach Süden. Bei Kilometer drei führt eine Holzbrücke über den Weg, in der Nähe verläuft die Strecke der Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn, der einzigen Schmalspurstraßenbahn im Berliner Raum.
Bald danach bin ich am Kalksee. Der Weg bleibt jetzt lange am Wasser, die Ufer sind naturnah, und an einer Stelle führt ein Bohlenweg am Schilf entlang. Vor Woltersdorf wird aus dem Uferweg eine Promenade. Am Ufer lag früher das Seebad Rüdersdorf. Theodor Fontane verbrachte hier im Juli und August 1887 seinen Dichterurlaub. Zwischen Kalksee und Heinitzsee wurde gekurt und gebadet, und es wurden Filme gedreht. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Rüdersdorf ein beliebter Drehort, unter anderem für Filme mit Hans Albers und Harry Piel, und im Jahr 2000 entstanden hier Szenen für „Duell, Enemy at the Gates“.



Woltersdorfer Schleuse
Kurz vor der Schleuse liegt am Fuß des Kranichsbergs die Liebesquelle, zu der es eine Sage gibt, mehr dazu unten. Ein paar Schritte weiter stehe ich an der Woltersdorfer Schleuse, die den Kalksee mit dem Flakensee verbindet.
An dieser Stelle wird das Wasser schon lange reguliert. 1559 entstand das erste Wehr, 1640 eine Kammerschleuse, 1882 eine neue Schleuse. Heute ist die Kammer 65,36 Meter lang und 8,60 Meter breit, der Höhenunterschied beträgt 2,10 Meter, und eine Schleusung dauert etwa eine Viertelstunde. Zwischen Schleuse und Wehr gibt es eine Bootsschleppe für kleine Boote. Um 1850 kamen hier jedes Jahr 15.000 bis 16.000 Schiffe durch, beladen mit bis zu 216.000 Kubikmetern Kalkstein. Über die Schleuse führt seit 1959 eine hydraulische Klappbrücke, daneben eine Brücke für Fußgänger*innen.
Woltersdorf hat noch eine Besonderheit: Es gilt als kleinste Kommune Deutschlands mit eigener Straßenbahn. Die Linie 87 fährt von der Schleuse zur S-Bahn nach Rahnsdorf. Wenn es dir nach gut sechs Kilometern Kalk und Wasser reicht, ist das der Punkt zum Aussteigen.
Oben auf dem Kranichsberg steht ein Aussichtsturm mit einem kleinen Museum zur Woltersdorfer Filmgeschichte. Von 1976 bis 1990 nutzte ihn allein die Staatssicherheit. Er wäre ein Abstecher, ist aber derzeit aus bautechnischen Gründen geschlossen.


Gleich hinter der Schleuse beginnt der Flakensee. Der Uferweg führt an Schilf und Booten vorbei, und es gibt eine Badestelle mit großer Liegewiese. An einem Tag im August ist das der naheliegende Ort für eine Pause.
Über Erkner ins Löcknitztal
Vom Flakensee aus führt der Weg nach Süden in den Raum Erkner. Hier lebte Gerhart Hauptmann ab dem Herbst 1885 mit seiner Frau Marie, gerade fünf Monate nach der Hochzeit. Die Familie zog 1889 weg, kurz bevor sein Stück „Vor Sonnenaufgang“ uraufgeführt wurde. Das Hauptmann-Museum in Erkner wäre ein Abstecher, am Weg liegt es nicht.
Ab Kilometer zehn bin ich im Löcknitztal. Seit 1984 ist es ein Naturschutzgebiet, 489 Hektar groß, seit 1998 auch ein FFH-Gebiet. Die Löcknitz windet sich auf etwa 15 Kilometern naturnah bis zur Spree, das Tal ist bis zu 100 Meter breit. Die Wiesen werden seit rund 50 Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Rund 100 Brutvogelarten leben hier, dazu Fischotter, Eisvogel und die Europäische Sumpfschildkröte, an Pflanzen Orchideen, Sibirische Schwertlilie und Sonnentau. Ob du davon etwas zu sehen bekommst, ist Glückssache.
Auf den ersten Kilometern im Tal wechseln Wiesen und Wasser. An einer Stelle lag ein Motorboot auf einem Fließ, ein paar hundert Meter weiter war das Wasser fast ganz von Entengrütze bedeckt. Etwas später sitzt am Weg ein großer Frosch aus Stein.



Durchs Löcknitztal nach Osten
Danach geht es weiter nach Osten. Für den Abschnitt durchs Löcknitztal hat der Deutsche Wanderverband die höchste Qualitätswertung aller Etappen vergeben. Wiesen und Wald wechseln sich ab, das Fließ bleibt meist in der Nähe.


Später komme ich an Klein Wall vorbei, danach führt der Weg auf Forstwegen durch Wald in Richtung Hangelsberg. Dieses letzte Stück ist ruhiger als alles davor: kein See, kein Fließ, nur Weg.
Hangelsberg
Am Ende steht das alte Empfangsgebäude des Bahnhofs Hangelsberg. Es wurde 1842 bis 1845 gebaut, steht unter Denkmalschutz und zählt laut VBB zu den ältesten Bahnhofsgebäuden Deutschlands. Viel mehr habe ich vom Ort nicht gesehen, für mich war hier Schluss.
Zurück fährt der RE 1. In Hangelsberg hält nur die Linie zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder), einmal pro Stunde. Von hier beginnt auch die Etappe 10 nach Bad Saarow.

Am Wegesrand
Eschnapur am Kalksee
1918 ließ der Regisseur Joe May in Woltersdorf eine Filmstadt bauen, die nach ihm benannte May-Filmstadt. Für „Das indische Grabmal“ standen am Ufer des Kalksees die zwei mächtigen Türme des Palastes von Eschnapur. Am Kalksee legte May außerdem eine Krokodilsbucht an. Von den Kulissen ist nichts erhalten.
Wenn du heute am Kalksee entlanggehst, mit Schilf und Bohlenweg, brauchst du einige Fantasie, um dir hier einen indischen Palast vorzustellen. Die Filmleute hatten sie offenbar.
Eine Liebesquelle mit Leitungswasser
Die Liebesquelle am Fuß des Kranichsbergs hat eine Sage: Verliebte, die gemeinsam daraus trinken, bleiben für immer verbunden. Im 19. Jahrhundert wurde sie umgebaut, im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und danach wieder aufgebaut.
1886 ließ der Verschönerungsverein ein Schmuckgitter mit dem Spruch „Aus märkischem Sand entspring ich hell als Labetrunk und Liebesquell“ aufstellen. Aus dem Hahn kommt heute allerdings Leitungswasser. Ob die Sage damit auch noch funktioniert, kann ich nicht beurteilen.
Gut zu wissen
- Abbrechen kannst du an der Woltersdorfer Schleuse nach gut sechs Kilometern, die Straßenbahn 87 fährt von dort nach S Rahnsdorf (S3).
- Am Flakensee hinter der Schleuse gibt es eine Badestelle mit Liegewiese.
- Der Aussichtsturm auf dem Kranichsberg ist derzeit geschlossen.
- Der RE 1 hält in Hangelsberg nur einmal pro Stunde. Wenn du einen Zug knapp verpasst, hast du Zeit, dir das Empfangsgebäude genauer anzusehen.
- Die vorherige Etappe ist die Etappe 8 von Strausberg nach Rüdersdorf, weiter geht es mit der Etappe 10 von Hangelsberg nach Bad Saarow.
Fazit
Die Etappe teilt sich ziemlich genau in der Mitte. Bis Woltersdorf geht es vom Tagebau über den Kalksee zur Schleuse, mit viel Geschichte auf kurzer Strecke und fast immer Wasser in Sichtweite. Danach kommen das Löcknitztal mit seinen Wiesen und Fließen und am Ende einige Kilometer Wald ohne besondere Punkte.
Wer nur wenig Zeit hat, läuft bis zur Woltersdorfer Schleuse und fährt mit der Straßenbahn zurück. Für das Löcknitztal würde ich trotzdem den ganzen Weg gehen. Dafür nimmst du die letzten Kilometer durch den Wald nach Hangelsberg und den stündlichen Zug am Ende in Kauf.
