66-Seen-Wanderweg, Etappe 14 von 17 · Zum Gesamtbericht
Gut 30 Kilometer durch das Schenkenländchen: vom Bahnhof Halbe am Waldfriedhof vorbei, über Tornow und die Mühlen am Tornower See, am Großen Zeschsee und am Großen Wünsdorfer See entlang bis zum Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt. Hin fährt der RE 7, zurück der RE 8.
Ich bin am Sonntag, dem 25. Februar 2024, in Halbe losgegangen, knapp zwei Jahre nach der Etappe von Leibsch nach Halbe. Am Ende war das Licht schon abendlich. Was du über den ganzen Weg wissen musst, steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
30,3 km
Gehzeit
6:18 h
Start
Bahnhof Halbe
Ziel
Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt
Gelaufen am
25. Februar 2024
Untergrund
Überwiegend Kiefern- und Waldwege, Feldwege, Uferwege an den Seen, Straße in den Orten
Einkehr
Wirtshaus an der Mittelmühle bei Tornow (Betrieb vorher prüfen)
- Mit der Bahn erreichbar
- Abkürzbar
- Einkehr am Weg
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Waldfriedhof Halbe als Erinnerungsort am Weg
- Tornow zwischen Tütschensee und Tornower See
- Drei Mühlen mit langer Geschichte, die Mittelmühle mit neuem Rad
- Seen im Abendlicht vor Wünsdorf
Anreise
Hin
RE 7 über Königs Wusterhausen bis Halbe
Zurück
RE 8 ab Wünsdorf-Waldstadt über Zossen nach Berlin
Takt
RE 7 und RE 8 stündlich
Abkürzen
Busse unter anderem in Tornow, Zesch am See, Lindenbrück und Funkenmühle, Linien und Fahrten vorher prüfen
Die RB 24 fährt derzeit nicht bis Wünsdorf-Waldstadt, bis das neue Stellwerk Zossen in Betrieb ist. Nimm für die Rückfahrt den RE 8.
Die Route
Halbe und der Waldfriedhof
Los geht es am Bahnhof Halbe mit dem Kaiserbahnhof, wo die vorige Etappe endete. Nach anderthalb Kilometern bin ich zum Waldfriedhof Halbe gekommen. Vor dem Eingang stehen verglaste Tafeln zur Geschichte des Ortes.

Auf dem Waldfriedhof liegen rund 24.000 Opfer der Schlacht um Halbe. Im Kessel zwischen Halbe und Märkisch Buchholz kamen Ende April 1945 insgesamt etwa 40.000 Menschen ums Leben. Beigesetzt sind hier deutsche Soldaten und zivile Opfer, sowjetische Zwangsarbeiter*innen, Menschen, die in der Hinrichtungsstätte Berlin-Tegel getötet wurden, und Tote des sowjetischen Internierungslagers Ketschendorf. An die Ketschendorfer Toten erinnern seit 2004 in Block 9 insgesamt 49 Namenstafeln mit rund 4.600 bekannten Namen.
Etwa 4.500 Tote aus Ketschendorf wurden Anfang der 1950er Jahre nach Halbe umgebettet und als Gefallene der Aprilkämpfe ausgegeben, eine bewusste Fälschung. Den Friedhof selbst beschloss die Landesregierung 1950, am 1. November 1951 begannen die Umbettungen. Pfarrer Ernst Teichmann, von 1951 bis 1978 Pfarrer in Halbe, hatte schon ab 1947 Gräber gesucht und kartiert. Ein Kreuz konnte erst nach 1990 aufgestellt werden.
Gestaltet wurde die Anlage auf sieben Hektar Wald mit elf großen Grabfeldern nach Entwürfen von Walter Funcke und Karl Foerster. Seit dem 1. Januar 2024 pflegt der Zweckverband Schenkenländchen den Friedhof, vorher war es der Volksbund. Bis heute werden hier Kriegstote beigesetzt, die in Brandenburg gefunden werden. Auf der Zufahrt gab es wiederholt Aufmärsche von Neonazis. Die Freiluftausstellung im Ort und am Eingang sollte dem etwas entgegensetzen.
Durch den Wald ins Schenkenländchen
Hinter dem Friedhof führt der Weg lange durch Kiefernwald nach Westen. Hier hält dich wenig auf, und mir tat diese Ruhe nach dem Friedhof ganz gut.


Die Gegend, in die ich hier hineingelaufen bin, heißt Schenkenländchen. Sie liegt im Naturpark Dahme-Heideseen und hat ihren Namen von den Schenken von Landsberg, die von der Wasserburg Teupitz aus herrschten. Fast 400 Jahre, etwa von 1330 bis 1717, war Teupitz ihr Hauptsitz. Am 18. Dezember 1717 verkaufte Ludwig-Alexander, der letzte Schenk von Landsberg, das Schenkenländchen für 54.000 Taler an den preußischen König. Mit Gastwirtschaft hat der Name also nichts zu tun.
Die Altstadt von Teupitz mit Marktplatz und Kirche liegt etwas abseits und ist ein möglicher Abstecher. Mein Weg führte über Wiesen weiter nach Tornow.

Tornow zwischen zwei Seen
Nach gut zwölf Kilometern erreichst du Tornow. Das Dorf liegt zwischen Tütschensee und Tornower See, auf diesem Abschnitt kommst du also gleich an mehreren Seen vorbei. Seit 1974 gehört Tornow zu Teupitz. Bekannt sind die Tornower Kiefern, über 200 Jahre alt, und neben dem 66-Seen-Weg führt auch der Fontanewanderweg durch den Ort.


Im Ort steht ein Backsteinhaus, vor dem allerhand Krimskrams ausgebreitet ist. Was davon Deko ist und was nur abgestellt, ließ sich im Vorbeigehen nicht klären.

Am Tornower See gibt es einen Naturlehrpfad von etwa fünf Kilometern mit 34 Stationen, in der Nähe liegt das Naturschutzgebiet Mühlenfließ/Sägebach. Am Südende des Sees sprudelt die Quelle Klingespring. Außerdem steht am Weg ein Gedenkstein für den Berliner Botaniker Adolf Strauss (1904 bis 1986), der sich als Naturkundler um das Schenkenländchen verdient gemacht hat.

Von den Mühlen zum Großen Zeschsee
Hinter Tornow bin ich an drei Mühlen vorbeigekommen, die dicht hintereinander liegen: Hohe Mühle, Mittelmühle und Kleine Mühle. Ihre Geschichte steht weiter unten unter Am Wegesrand. An der Mittelmühle gibt es ein Wirtshaus, ungefähr auf halber Strecke. Ob es geöffnet hat, prüfst du besser vorher.
Danach wird es wieder einsam. Über Wald- und Feldwege geht es nach Westen bis zum Großen Zeschsee. Er ist 40 Hektar groß, der Kleine Zeschsee nebenan 25 Hektar, und seit 2011 gehören beide der Stadt Zossen. Zesch am See, Lindenbrück und Funkenmühle wurden 1998 nach Wünsdorf eingegliedert und bilden seit dem 11. Juli 2006 gemeinsam den Ortsteil Lindenbrück der Stadt Zossen.


Lindenbrück, Funkenmühle und Seen im Abendlicht
In Lindenbrück ist mir eine grüne Tür aufgefallen, kurz darauf bei Funkenmühle ein alter Schuppen. Nach dem langen Waldstück reichen schon solche Kleinigkeiten.


Die letzten fünf Kilometer führen an Seen entlang, die offizielle Route nennt hier Uferwege am Wolziger See und Wünsdorfer See. Die Sonne stand inzwischen tief, und die Seen lagen im Abendlicht.

Kurz vor Wünsdorf führt der Weg am rund 1.600 Hektar großen Naturschutzgebiet Jägersberg-Schirknitzberg vorbei. Es ist eine früher militärisch genutzte Grund- und Endmoränenlandschaft mit trockenen Sandheiden, Dünen, alten Eichenwäldern und Moorwäldern, in der Zauneidechse und Kreuzkröte leben. Zum Gebiet gehört die Gemarkung Zehrensdorf. Das Dorf wurde 1936 von der Landkarte gestrichen, später lagen hier 85 Prozent der Militärstadt Wünsdorf. Bleib hier auf den Wegen.

Ankunft in Wünsdorf
Am Großen Wünsdorfer See entlang geht es zum Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt. Der Ort hat eine lange Militärgeschichte. Ab 1910 entstanden hier ein Stammlager, ein Truppenübungsplatz und weitere Militäreinrichtungen, Ende der 1930er Jahre die Bunker Maybach I und II und die Nachrichtenzentrale Zeppelin für das Oberkommando des Heeres. Nach 1945 übernahm die sowjetische Armee, 1953 wurde Wünsdorf Sitz des Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Von hier aus eingesetzte Truppen schlugen den Aufstand vom 17. Juni 1953 nieder. Nach 1990 organisierte das Oberkommando die Rückführung von rund 380.000 Soldaten und 170.000 Zivilist*innen, Anfang September 1994 zogen die letzten ab.
Die Bahnlinie teilte den Ort damals in einen östlichen Militär- und einen westlichen Zivilteil. Jenseits der Gleise lag ein eigener Bahnhof, und von dort fuhr jeden Abend ein Militärzug nach Moskau.
Schon im Ersten Weltkrieg hatte es hier ein Lager gegeben, das Halbmondlager für Kriegsgefangene. Dort wurde am 13. Juli 1915 eine Moschee eingeweiht, die erste in Deutschland, die tatsächlich zur Religionsausübung gedacht war. Dahinter stand militärisches und propagandistisches Kalkül: Muslimische Kriegsgefangene aus der britischen, französischen und russischen Armee sollten dazu gebracht werden, gegen die Kolonialmächte zu kämpfen. Die Holzmoschee wurde Mitte der 1920er Jahre abgerissen.
Heute ist ein Teil des Geländes Bücher- und Bunkerstadt mit Antiquariaten, dem Garnisonsmuseum und Führungen durch die Bunker. Vom Bahnhof fährt der RE 8 zurück nach Berlin. Die nächste Etappe führt über Sperenberg nach Trebbin.
Am Wegesrand
Drei Mühlen am Tornower See
Hohe Mühle, Mittelmühle und Kleine Mühle liegen auf knapp zwei Kilometern hintereinander. Schon ein Bericht von 1668 nennt jede von ihnen mit überschlächtigem Rad. Die Hohe Mühle an der Nordseite des Tornower Sees war ab 1879 Mahl- und Schneidemühle mit Dampfmaschine, ab 1904 auch Gastwirtschaft. Ihr Tanzpavillon wurde im April 1945 in der Kesselschlacht zerstört. Zu DDR-Zeiten war sie Betriebsferienheim und ab etwa 1977 Einrichtung der Akademie der Wissenschaften, 1992 verkaufte das Land sie. Heute ist sie privat, Mühlenhaus, Sägewerk und Rad gibt es nicht mehr.

Die Mittelmühle liegt an einem Fließ zwischen Tornower und Teupitzer See, an der Straße nach Egsdorf. Sie war Getreide- und Ölmühle mit Sägewerk und gehörte ab 1880 der Familie Schwietzke. Nach 1945 wurde sie enteignet und 1991 zurückgegeben. Das Wirtshaus gibt es seit 2002, das neue Mühlrad wurde am 27. September 2003 eingeweiht, und das Sägewerk ist noch in Betrieb.
Die Kleine Mühle hat gleich mehrere Geschichten. Eine ältere Wassermühle wurde vermutlich im 18. oder 19. Jahrhundert abgerissen. Eine Bockwindmühle von 1872 am Südufer des Teupitzer Sees wurde in den 1930er Jahren abgebaut und verkauft, sie steht heute restauriert in Schönewalde. Dazu kamen ein Ausflugslokal, ein Hotel, das im April 1945 zerstört wurde, ein Kinderheim und von 1956 bis 1990 ein Ferienheim der Charité. Seit 2009 ist die Kleine Mühle ein Gästehaus.
Gut zu wissen
- Der Tourismusverband nennt diesen Abschnitt 18. Etappe und gibt 32 Kilometer an.
- Im hinteren Teil des Waldfriedhofs Halbe gibt es ein Informationsgebäude mit Audioguides.
- Einkehren kannst du am Wirtshaus der Mittelmühle bei Tornow, aktuelle Öffnungszeiten habe ich nicht gefunden. Sonst liegen am Weg nur kleine Orte, nimm genug Verpflegung mit.
- Abkürzen kannst du mit dem Bus, unter anderem ab Tornow, Zesch am See, Lindenbrück und Funkenmühle. Die Liniennummern nennt die Etappenbeschreibung nicht, schau also vorher in die Fahrplanauskunft.
- Der Bahnhof Wünsdorf-Waldstadt ist unbesetzt. Der RE 8 fährt stündlich nach Berlin.
- Ehemalige Militärflächen rund um Wünsdorf sind teils Naturschutzgebiet. Bleib auf den markierten Wegen.
Fazit
Die Etappe beginnt schwer. Der Waldfriedhof Halbe ist kein Ort, an dem du einfach vorbeiläufst, und die Geschichte der Toten dort reicht bis in die Nachkriegszeit hinein. Danach wird es ruhig: lange Waldstücke, Tornow zwischen seinen Seen, die Mühlen und am Ende die Seen vor Wünsdorf im Abendlicht.
Es sind 30 Kilometer mit wenigen Orten und nur einer Einkehr. Wenn du die Strecke teilen willst, musst du die Busse vorher heraussuchen. Am Ziel wartet mit Wünsdorf dann schon das nächste große Kapitel Militärgeschichte.
Weitere Etappen
-
66-Seen-Wanderweg, Etappe 4: Von Hennigsdorf nach Wensickendorf
-
66-Seen-Wanderweg, Etappe 9: Von Rüdersdorf nach Hangelsberg
-
66-Seen-Wanderweg, Etappe 10: Von Hangelsberg nach Bad Saarow
-
66-Seen-Wanderweg, Etappe 11: Von Bad Saarow nach Wendisch Rietz
-
66-Seen-Wanderweg, Etappe 12: Von Wendisch Rietz nach Leibsch
