66-Seen-Wanderweg, Etappe 13 von 17 · Zum Gesamtbericht
Knapp 23 Kilometer vom Rand des Spreewalds ins Dahmeland: von Leibsch über den Köthener See und die Köthener Heideseen nach Märkisch Buchholz und weiter nach Halbe. Hin kommst du mit dem RE 2 bis Lübben und dem Bus 506, zurück fährt ab Halbe der RE 7.
Ich bin am Samstag, dem 12. März 2022, in Leibsch losgegangen, wo die Etappe von Wendisch Rietz endete. Es ist die letzte Etappe, die ich 2022 gelaufen bin; die Fortsetzung ab Halbe folgte erst zwei Jahre später. Alles über den ganzen Weg steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
22,6 km
Gehzeit
4:26 h
Start
Leibsch
Ziel
Bahnhof Halbe
Gelaufen am
12. März 2022
Untergrund
Deichweg und Wiesenwege am Anfang, dann Kiefern- und Waldwege, ein Bohlensteg an den Heideseen, Straße in Märkisch Buchholz und Halbe
- Mit der Bahn erreichbar
- Bus nötig
- Abkürzbar
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Nadelwehr und moderne Wehranlage in Leibsch
- Köthener See und die Heideseen im Biosphärenreservat Spreewald
- Wehranlage am Dahme-Umflutkanal in Märkisch Buchholz
- Ziel am restaurierten Kaiserbahnhof Halbe
Anreise
Zurück
RE 7 ab Halbe über Königs Wusterhausen nach Berlin
Takt
RE 7 stündlich; Bus 506 nur einzelne Fahrten
Abkürzen
In Märkisch Buchholz hält der Bus 506 (wenige Fahrten)
Der Bus 506 nach Leibsch fährt nur wenige Male am Tag. Prüf vor allem am Wochenende vorher, ob ein Bus bis Leibsch durchfährt.
Die Route
Leibsch und der Deich
Los geht es an der Wehranlage in Leibsch. Der Ort nennt sich Tor zum Spreewald, und von hier starten auch Kahnfahrten in den Unterspreewald. Neben dem modernen Wehr steht das alte Nadelwehr, ein technisches Denkmal in sehr gutem Zustand. Mehr dazu steht im Beitrag zum Paul-Gerhardt-Weg. Hier beginnt auch der Dahme-Umflutkanal, gebaut von 1907 bis 1911.

Hinter dem Ortsschild bin ich auf einen Deichweg gekommen. Rechts und links liegen Wiesen, der Blick reicht weit. Nach dem Wald der vorigen Etappe ist das ein ziemlicher Wechsel.


Danach geht es an Gräben entlang und in den Kiefernwald. Die Wegzeichen zeigen, wo es langgeht.



Am Köthener See
Nach etwa fünf Kilometern liegt der Köthener See am Weg. Er ist ein Beckensee, durch den im Spätglazial bis ins frühe Holozän die Ur-Spree floss. Auf der Schmettauschen Karte aus den Jahren 1767 bis 1787 ist die heutige Verlandungszone im Osten noch offenes Wasser. Dass sie verlandet, hat mit dem Dahme-Umflutkanal zu tun. Er senkte den Seespiegel, in den 1970er Jahren kamen ein Randkanal und Schöpfwerke dazu, und heute ist der Kanal die Hauptquelle für Nährstoffe im See. Der Ostteil steht als Naturschutzgebiet Verlandungszone Köthener See unter Schutz, Angeln ist dort verboten. Fachleute nennen den See polytroph, also deutlich nährstoffreicher, als er von Natur aus wäre. Der Zander gilt hier als Zielfisch, und das ganze Gebiet gehört zum Vogelschutzgebiet Spreewald und Lieberoser Endmoräne.
Der Köthener See ist der größte von acht Seen rund um Köthen, ein Dorf, das im 16. Jahrhundert als wendische Siedlung gegründet wurde. Am See gibt es Graureiher-Kolonien. An diesem Tag lagen schon Boote am See, obwohl der Sommer noch weit war.

Durch die Köthener Heideseen
Hinter dem Köthener See beginnt das Gebiet der Heideseen. Das FFH-Gebiet Heideseen bei Köthen umfasst knapp 470 Hektar, zu rund 84 Prozent ist es Naturschutzgebiet. Dazu gehören Triftsee, Mittelsee, Pichersee, Schwanensee, Schibingsee, der auch Märchensee heißt, und der Große und Kleine Wehrigsee. Die Landschaft ist ein hügeliges Plateau mit Seen in den Senken, das zu den Krausnicker Bergen ansteigt, einer Endmoräne mit Kiefernwald.


Das Gebiet gehört zum Biosphärenreservat Spreewald, nicht zum Naturpark Dahme-Heideseen, wie der Name vermuten ließe. Das Biosphärenreservat wurde 1990 ausgewiesen und 1991 von der UNESCO anerkannt. Biber, Fischotter, Eremit und Hirschkäfer leben hier, an feuchten Stellen wächst das Sumpf-Glanzkraut, eine seltene Orchidee. Unterwegs führt ein kurzer Bohlensteg über feuchten Grund.

Ein möglicher Abstecher führt auf den Wehlaberg. Er ist 144 Meter hoch und liegt rund zwei Kilometer vom Köthener See entfernt, über 100 Meter höher als der See. Vom Aussichtsturm reicht der Blick bei Sonne bis Berlin.


Märkisch Buchholz und die Dahme
Über Waldwege erreichst du nach rund 16 Kilometern Märkisch Buchholz. Die Stadt wurde 1301 erstmals als Stadt und Burg Buchholt erwähnt und heißt seit 1937 Märkisch Buchholz. Mit weniger als 900 Einwohner*innen ist sie die kleinste Stadt Brandenburgs.
Hier erreicht der Dahme-Umflutkanal die Dahme. Am Kanal steht eine Wehranlage mit Überfallwehr und Schleppeinrichtung, gebaut 1908 bis 1910 und heute ein Baudenkmal. Das Überfallwehr überwindet 5,5 Meter Höhenunterschied zur Dahme, die von hier bis Prieros kanalisiert war. Paddler*innen müssen ihre Boote über zwei Wehre umtragen, dafür stehen Loren bereit.

Im April 1945 lag zwischen Märkisch Buchholz und Halbe der Kessel der letzten schweren Kesselschlacht. In den Wäldern waren über 150.000 Soldaten der 9. Armee, der SS, des Volkssturms, der Hitlerjugend und des Reichsarbeitsdienstes eingeschlossen, dazu Tausende Flüchtlinge und Einheimische. Etwa 40.000 Menschen kamen im Kessel ums Leben. Über 70 Prozent von Märkisch Buchholz wurden zerstört. Die Stadtkirche, 1752 bis 1753 auf Initiative von August Wilhelm von Preußen gebaut, brannte vollständig aus. Übrig blieb nur die abgeschossene Wetterfahne. Wiederaufgebaut wurde die Kirche in den 1950er und 1960er Jahren. Die Orgel kam 1977 dazu, den gelben Anstrich bekam die Kirche zur 700-Jahr-Feier der Stadt 2001. Auf der Krone stehen die Initialen AW für August Wilhelm. Zu den Baudenkmalen der Stadt gehören außerdem das Rentamt von um 1800, das Schützenhaus von 1899 und der Jüdische Friedhof.

Weiter nach Halbe
Von Märkisch Buchholz geht es durch Wald weiter nach Westen bis Halbe. Den Waldfriedhof Halbe, auf dem rund 24.000 Opfer der Kesselschlacht liegen, berührt diese Etappe nicht direkt. Ich bin erst auf der nächsten Etappe hingekommen und beschreibe ihn dort.
Neben dem Bahnhof steht ein eingeschossiger Backsteinbau mit fünf Achsen und Ecktürmen, der Kaiserbahnhof. Er entstand um 1865 nach einem Entwurf von August Orth und hat drei aufwendig gewölbte, teils prächtig ausgemalte Räume. Die Gewölbe sind um sechs Meter hoch, die Fenster haben Segmentbögen.

Gebaut wurde er für die Hohenzollern, alle drei Kaiser haben ihn genutzt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Offiziersunterkunft, danach als Schule und schließlich als Wohnhaus mit drei Wohnungen. 2010 kaufte Peter Macky das Gebäude, von 2014 bis 2019 wurde es saniert, der Garten wurde nach Dokumenten von 1877 neu angelegt. Seit dem 18. August 2019 ist der Kaiserbahnhof wieder geöffnet. Als ich im März 2022 ankam, war die Restaurierung also schon abgeschlossen.
Das Empfangsgebäude daneben ist ebenfalls um 1865 entstanden, 1912 wurde es aufgestockt und umgebaut. Heute ist es zweigeschossig und hat neun Achsen aus rotem Ziegel. Zusammen mit Güterhalle und Kaiserbahnhof bildet es ein Ensemble. Unter dem Namen Esperanto Stacio ist es ein Kulturort mit Kursen und Seminaren. 2019 wurde es privat gekauft und wird seitdem umgebaut. Der Bahnhof selbst ist unbesetzt. Von hier fährt der RE 7 zurück Richtung Königs Wusterhausen und Berlin.
Gut zu wissen
- Der Tourismusverband nennt diesen Abschnitt 17. Etappe und empfiehlt als Abstecher den Wehlaberg mit Aussichtsturm.
- In Lübben hast du außer dem RE 2 auch Anschluss an RE 7 und RE 20. Für die Hinfahrt zum Bus kommen also alle drei Linien infrage.
- Zwischen Leibsch und Märkisch Buchholz liegt außer Köthen kein Ort am Weg. Verpflegung nimmst du am besten mit.
- Im Ostteil des Köthener Sees ist Angeln verboten, er ist Naturschutzgebiet.
- Abbrechen kannst du in Märkisch Buchholz mit dem Bus 506, der aber nur wenige Male am Tag fährt.
- Der Kaiserbahnhof ist seit 2019 als Veranstaltungsort geöffnet. Wenn du hinein willst, prüf vorher die Termine.
Fazit
Mir hat an dieser Etappe gefallen, dass sie unterwegs so oft anders aussieht: Deich und Wiesen am Spreewaldrand, der große Köthener See, dann hügeliger Wald mit kleinen Heideseen, die Wasserbauten von Märkisch Buchholz und am Ende ein Kaiserbahnhof. Für knapp 23 Kilometer ist das viel Abwechslung.
Der Bus 506 nach Leibsch fährt selten, und wer ihn verpasst, sitzt in Lübben fest statt in Leibsch loszugehen. Dafür ist die Rückfahrt ab Halbe einfach. Wenn du den Kaiserbahnhof von innen sehen willst, brauchst du außerdem einen passenden Veranstaltungstermin.
Weitere Etappen
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 4: Von Hennigsdorf nach Wensickendorf
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 9: Von Rüdersdorf nach Hangelsberg
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 10: Von Hangelsberg nach Bad Saarow
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 11: Von Bad Saarow nach Wendisch Rietz
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 12: Von Wendisch Rietz nach Leibsch
