66-Seen-Wanderweg, Etappe 12 von 17 · Zum Gesamtbericht
Fast 26 Kilometer von Wendisch Rietz nach Leibsch, über weite Strecken ohne Ortschaft: erst an den Seen der Glubigseenkette, dann durch Kiefernwald, über Alt Schadow an den Neuendorfer See und bis an den Rand des Spreewalds. Hin geht es mit der RB 36, zurück mit dem Bus 506 nach Lübben und dort mit dem RE 2.
Ich bin am Montag, dem 28. Februar 2022, am Bahnhof Wendisch Rietz losgegangen. Die Etappe schließt an die Etappe von Bad Saarow nach Wendisch Rietz an und endet in Leibsch, wo die nächste Etappe nach Halbe beginnt. Was du über den ganzen Weg wissen musst, steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
25,9 km
Gehzeit
5:08 h
Start
Bahnhof Wendisch Rietz
Ziel
Leibsch
Gelaufen am
28. Februar 2022
Untergrund
Wald- und Sandwege, kurze Stücke am Seeufer, in den Orten Straße
- Mit der Bahn erreichbar
- Bus nötig
- Abkürzbar
- Badestelle
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Glubigseenkette mit kleinen Waldseen und Badestegen
- Gedenkstein für das Widerstandspaar Garske
- Neuendorfer See am Nordrand des Biosphärenreservats Spreewald
- Ziel am Wehr in Leibsch
Anreise
Zurück
Bus 506 ab Leibsch (Haltestellen Leibsch, Damm oder Leibsch, Leibscher Hauptstr.) nach Lübben, dort RE 2 nach Berlin
Takt
RB 36 stündlich; Bus 506 nur einzelne Fahrten, auch am Wochenende
Abkürzen
Der Bus 506 hält auch in Alt Schadow und Hohenbrück
Der Bus 506 fährt nur wenige Male am Tag, am Wochenende noch seltener. Such dir die Rückfahrt vor dem Losgehen in der Fahrplanauskunft heraus. In Lübben hast du Anschluss an den RE 2, außerdem an RE 7 und RE 20.
Die Route
Vom Bahnhof Wendisch Rietz zur Glubigseenkette
Los geht es am Bahnhof Wendisch Rietz. Der Ort liegt zwischen Scharmützelsee, Storkower See und Glubigseenkette. Ich bin nach Süden aus dem Ort hinaus in den Wald gegangen. Nach knapp zwei Kilometern zeigt ein Wegweiser zum Springsee. Die Seenkette besteht aus dem Großen und dem Kleinen Glubigsee und dem Springsee mit seinem Naturcampingplatz, daneben liegen Melangsee, Grubensee und Godnasee.


Die Seen hängen zusammen. Der Große Glubigsee bekommt sein Wasser aus den Seen oberhalb, unter anderem aus Gruben- und Springsee, und rund 88 Prozent seines Ufers sind bewaldet. An seinem Südende gibt es eine Badestelle im Ferienpark. Unterwegs kommst du auf den ersten fünf Kilometern immer wieder ans Wasser, an kleine Buchten und an Badestege, die Ende Februar noch auf den Sommer warten.


Ein Gedenkstein im Wald
Der Weg bleibt im Wald und an den Seen. Nach knapp fünf Kilometern liegt am Weg ein Gedenkstein für Charlotte und Erich Garske, ein Ehepaar aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Charlotte Garske wurde 1906 in Berlin geboren und arbeitete als Buchhalterin, seit 1933 war sie mit Erich Garske verheiratet. Das Paar stellte seine Wohnung in Berlin-Mitte illegalen KPD-Instrukteuren zur Verfügung, darunter Wilhelm Knöchel, und unterstützte die illegale Zeitschrift Der Friedenskämpfer. Charlotte arbeitete als Kurierin. Am 17. Februar 1943 wurde sie verhaftet, am 9. November 1943 verurteilte der Volksgerichtshof beide zum Tode. Erich Garske wurde am 13. Dezember 1943 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet, Charlotte drei Tage später in Plötzensee.
Ein paar hundert Meter hinter dem Stein steht eine Bank am Ufer.


Kiefernwald, Seen und ein Hochsitz
Auf den nächsten Kilometern wird es ruhig. Zwischen Kilometer sechs und vierzehn liegt der längste Waldabschnitt der Etappe: Kiefernwald, sandige Wege, ab und zu ein See zwischen den Stämmen. Eine Sehenswürdigkeit gibt es hier nicht. Auch einen Ort gibt es auf diesem Abschnitt nicht, die nächste Ortschaft ist Alt Schadow nach gut 15 Kilometern. Verpflegung hast du also am besten von Anfang an dabei.
Nach siebeneinhalb Kilometern steht eine eingestürzte Hütte im Wald, etwas später ein Hochsitz am Waldrand. Die Hütte hat ihre besten Jahre hinter sich, der Hochsitz sieht noch einsatzbereit aus.


Dazwischen und danach liegen weitere kleine Seen am Weg. Unter den Füßen ist oft Sand, besonders auf dem langen Sandweg vor dem Brasinski-Luch.



Brasinski-Luch und Alt Schadow
Nach etwa 14 Kilometern kommt das Brasinski-Luch, ein geschütztes Flachmoor. Ein Luch ist kein See, sondern eine feuchte Moor- und Niederungslandschaft. Unter Schutz gestellt hat es der Ministerrat der DDR am 12. September 1990, in Kraft trat die Festsetzung am 1. Oktober 1990, zwei Tage vor der deutschen Einheit. Die Landesliste der Naturschutzgebiete führt es bis heute.
Wenig später erreichst du Alt Schadow, die erste Ortschaft seit Wendisch Rietz. Mir ist hier ein Fachwerkhaus aufgefallen. Der Ort liegt östlich des Neuendorfer Sees. Das Grünland nördlich davon entwässert in den See, und westlich von Alt Schadow liegt ein Biberrevier. Im Ort selbst wurde ein Teich saniert, in dem heute die Große Moosjungfer vorkommt, eine seltene Libelle. In Alt Schadow hält auch der Bus 506, du kannst die Etappe hier also beenden.

Am Neuendorfer See und durch Hohenbrück
Hinter Alt Schadow öffnet sich die Landschaft. Mit dem Neuendorfer See ist der Nordrand des Biosphärenreservats Spreewald erreicht. Das FFH-Gebiet Neuendorfer See umfasst rund 395 Hektar, etwa drei Viertel davon sind Wasserfläche. Über die Spree ist der See mit Berlin, Oder und Havel verbunden. Biber haben hier zwei Reviere, auch der Fischotter lebt am See, dazu kommen Arten wie Rotbauchunke, Große Moosjungfer und Schlammpeitzger. Der See gehört außerdem zum Vogelschutzgebiet Spreewald und Lieberoser Endmoräne. Das Biosphärenreservat selbst wurde 1990 ausgewiesen und 1991 von der UNESCO anerkannt, im selben Umbruchsjahr also wie das Brasinski-Luch.

Am Ufer liegt das Naturschutzgebiet Sölla, das zur Schutzzone 2 des Biosphärenreservats gehört. Auf seiner Halbinsel wachsen Brenndolden-Auenwiesen, im Uferbereich lebt die Abgeplattete Teichmuschel. In derselben Schutzzone liegen auch die Naturschutzgebiete Neuendorfer Seewiesen und Wutschgerogge. Eine offizielle Badestelle des Sees gibt es bei Alt Schadow und Hohenbrück.
Danach durchquert der Weg Hohenbrück. Auch hier hält der Bus 506, die Haltestelle liegt im Ort. Von Hohenbrück sind es noch gut drei Kilometer bis Leibsch.
Ankunft am Wehr in Leibsch
In Leibsch fließen die verzweigten Arme der jungen Spree wieder zusammen. Der Ort nennt sich Tor zum Spreewald. Wehre und Schleusen regulieren hier den Wasserstand, stützen die Wasserversorgung Berlins und schützen den Spreewald vor Hochwasser, außerdem zweigt in Leibsch der Dahme-Umflutkanal ab. Fischotter sind bei Leibsch nachgewiesen, und am Ort führt auch der Spreeradweg vorbei. Nach fast 26 Kilometern stand ich am Wehr.

Das alte Nadelwehr habe ich schon im Beitrag zum Paul-Gerhardt-Weg vorgestellt, dort steht mehr zu seiner Technik. Der Dahme-Umflutkanal, der hier abzweigt, begegnet dir auf der nächsten Etappe in Märkisch Buchholz wieder, wo er auf die Dahme trifft. Die Etappe nach Halbe beginnt genau hier am Wehr und führt zunächst über einen Deich zum Köthener See.
Gut zu wissen
- Der Tourismusverband teilt den Weg in 21 Etappen; dieser Abschnitt heißt dort 16. Etappe und nennt Alt Schadow als mögliches Ende.
- Zwischen Wendisch Rietz und Alt Schadow liegt rund 15 Kilometer lang kein Ort. Nimm genug Wasser und Proviant mit.
- Baden kannst du an den Glubigseen, etwa an der Badestelle am Südende des Großen Glubigsees, und am Neuendorfer See bei Alt Schadow und Hohenbrück.
- Der Bus 506 fährt von Montag bis Sonntag, einige Fahrten aber nur an Schul- oder Ferientagen. Prüf die Rückfahrt vorher.
- Die Wege sind über lange Strecken sandig. Mit festen Schuhen läuft es sich leichter.
- Kahnfahrten in den Unterspreewald starten in Leibsch an zwei Stellen, falls du am Ziel noch Zeit hast.
Fazit
Diese Etappe ist vor allem Wald und Wasser. Die Glubigseen am Anfang und der Neuendorfer See am Ende rahmen einen langen Abschnitt ein, auf dem du kaum einem Ort begegnest. Mitten im Wald steht der Gedenkstein für die Garskes. Wenn du Ruhe suchst, bekommst du sie hier reichlich.
In Leibsch fährt nur selten ein Bus, und wer ihn verpasst, wartet lange. Plan die Rückfahrt deshalb, bevor du in Wendisch Rietz losgehst.
