Unterwegs zu Fuß

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66-Seen-Wanderweg, Etappe 17: Von Seddin nach Potsdam

Templiner See bei Potsdam auf der letzten Etappe des 66-Seen-Wanderwegs

66-Seen-Wanderweg, Etappe 17 von 17 · Zum Gesamtbericht

Die Etappe 17 führt auf 20,2 Kilometern vom Bahnhof Seddin nach Potsdam. Erst geht es durch Wald an kleinen Seen vorbei, dann durch Caputh am Schwielowsee, über den Bahndamm am Templiner See und am Ufer entlang bis zum Hauptbahnhof. Hin fährt der RE 7, zurück kommst du mit dem RE 1 oder der S7.

Ich bin am Sonntag, dem 14. Juli 2024, in Seddin losgegangen, wo ich vier Monate vorher die Etappe 16 aus Trebbin beendet hatte. In der Einteilung von Manfred Reschke ist das die letzte der 17 Etappen, in Potsdam beginnt der Weg von vorn. Die Etappen 1 bis 3 von Potsdam bis Hennigsdorf bin ich noch nicht gelaufen, sie folgen. Der Tourismusverband führt den Abschnitt als 21. Etappe und lässt ihn am Luisenplatz enden. Ich habe am Hauptbahnhof aufgehört. Den Überblick über alle Etappen gibt der Gesamtbericht.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

20,2 km

Gehzeit

4:23 h

Start

Bahnhof Seddin

Ziel

Potsdam Hauptbahnhof

Gelaufen am

14. Juli 2024

Untergrund

Waldwege, Uferwege, Fußgängersteg am Bahndamm, Straßen in Caputh und Potsdam

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Abkürzbar
  • Badestelle
Karte: 66-Seen-Wanderweg, Etappe 17Etappe 17 von Bahnhof Seddin nach Potsdam Hauptbahnhof, 20,2 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: Bahnhof SeddinZiel: Potsdam Hauptbahnhof5 km
Etappe 17 von Bahnhof Seddin nach Potsdam Hauptbahnhof, 20,2 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des 66-Seen-Wanderwegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Waldseen zwischen Seddin und Caputh
  • Schloss Caputh und die Stüler-Kirche direkt am Weg
  • Zu Fuß über den Bahndamm quer über den Templiner See
  • Uferweg am Templiner See bis Potsdam, abkürzbar mit der RB 33

Anreise

Hin

Mit dem RE 7 bis Seddin. Der Bahnhof liegt in Neuseddin.

Zurück

Ab Potsdam Hauptbahnhof mit dem RE 1 oder der S7 nach Berlin.

Takt

RE 7 stündlich, montags bis freitags zweimal pro Stunde. RE 1 tagsüber zweimal pro Stunde, S7 tagsüber alle 10 Minuten.

Abkürzen

Mit der RB 33 ab Caputh-Schwielowsee, Caputh-Geltow oder Potsdam Pirschheide nach Potsdam Hbf, stündlich.

Die Route

Von Neuseddin in den Wald

Los geht es am Bahnhof Seddin, der trotz seines Namens in Neuseddin liegt. Die offizielle Etappe beginnt an der Bushaltestelle Seddin-Jägerhof, ich bin direkt vom Bahnhof aus nach Norden in den Wald gegangen. Neuseddin ist ein Kind der Eisenbahn: Der Ort entstand ab 1915 mit dem Bahnausbau, die Eisenbahnersiedlung mit ihren großen Gärten hat Gartenstadtcharakter. Sie bleibt schnell zurück, und bis Caputh bist du fast nur im Wald unterwegs. Nach drei Kilometern zeigte ein Wegweiser die Richtung, kurz danach lag der erste See neben dem Weg.

Auf diesem Stück liegen der stille Teufelssee und der Große Lienewitzsee, an dem es eine abgeschiedene Sandbadestelle gibt. Die Lienewitzseen gehören zum Naturschutzgebiet Lienewitz-Caputher Seen- und Feuchtgebietskette, mehr als 100 Vogelarten brüten hier oder suchen Nahrung. Später unterquert der Weg die Ringautobahn, danach wird es wieder ruhig.

Nach knapp acht Kilometern lag noch einmal ein See am Weg, bevor die ersten Häuser von Caputh kamen.

Caputh: Stüler-Kirche und Lustschloss

In Caputh kommst du zuerst an der Dorfkirche vorbei. Friedrich August Stüler entwarf sie, gebaut wurde von 1850 bis 1852. Einen Umbauentwurf von Ziller aus dem Jahr 1846 hatte Friedrich Wilhelm IV. abgelehnt. Der König bestimmte die italienischen Formen mit und ließ den Turm auf die Nordseite verlegen. Entstanden ist eine dreischiffige Pfeilerbasilika in italienisch-romanischen Formen mit Campanile, deren Westfassade sich an italienischen Vorbildern wie Verona orientiert. Eingeweiht wurde sie am 8. Februar 1852. Innen ist die Kassettendecke mit gelben Sternen auf Blau bemalt. Die Taufschale kommt aus der KPM, nach einem Entwurf von Schinkel. Die Orgel von Gesell stammt aus dem Baujahr der Kirche, ihren Prospekt entwarf wieder Stüler. Eine Büste Friedrich Wilhelms IV. nach Rauch erinnert an den königlichen Bauherrn. Die Denkmalpflege zählt den Bau zu den stattlichsten Dorfkirchen des 19. Jahrhunderts in der Potsdamer Kulturlandschaft. Von Ostern bis Erntedank ist die Kirche täglich geöffnet.

Gleich daneben liegt am Ufer das Schloss Caputh, das älteste erhaltene Lustschloss aus der Zeit des Großen Kurfürsten in der Potsdamer Kulturlandschaft. Philipp de Chièze ließ es 1662 bauen, 1671 kaufte es der Kurfürst und schenkte es seiner Frau Dorothea. Die Kurfürstin stattete es in den folgenden Jahren aufwendig aus. Um 1720 ließ Friedrich Wilhelm I. den Sommerspeisesaal mit rund 7.500 niederländischen Fayencefliesen auskleiden. Von außen ahnst du davon nichts. Fast alle Räume haben außerdem frühbarocke Decken mit Malerei und Stuck. Seit 1999 ist es Schlossmuseum, der Park geht auf einen Plan von Lenné zurück.

Am Caputher Gemünde

Hinter dem Schloss öffnet sich der Blick auf den Schwielowsee. Am Caputher Gemünde, dem Havelstück zwischen Templiner See und Schwielowsee, pendelt die Seilfähre „Tussy II“ hinüber nach Geltow. Ohne sie wären es über Ferch oder über Potsdam jeweils 20 Kilometer Umweg. Die Überfahrt ist gerade einmal 80 Meter lang. Früher wurde mit dem Handkahn übergesetzt, später mit einer hölzernen Wagenfähre an einem Führungsseil. Die motorisierte „Tussy I“ fuhr von 1942 bis 1998, seitdem ist die „Tussy II“ im Einsatz.

Die Fähre brauchst du auf dieser Etappe nicht, der Weg bleibt auf der Caputher Seite. Oben am Hang über dem Ort steht Einsteins Sommerhaus, ein möglicher Abstecher, mehr dazu unten unter Am Wegesrand.

Über den Bahndamm am Templiner See

Nördlich von Caputh geht es über den Bahndamm quer über den Templiner See Richtung Pirschheide. Der Damm wurde 1955 und 1956 aufgeschüttet, um den Berliner Außenring zu vollenden. Er ist insgesamt 1.250 Meter lang, davon sind 140 Meter Brücke. Für Fußgänger*innen gibt es einen eigenen Steg, den du über bequeme Stufen erreichst. Auf der Brücke gehst du neben den Gleisen über den See, unter dir das Wasser, vor dir schon der Wald der Pirschheide.

Über eine Eisenbahnbrücke zu laufen, fühlt sich kurz verboten an. Ist es hier aber nicht. Und du hast auf beiden Seiten weite Blicke über das Wasser.

Pirschheide und Luftschiffhafen

Am Ende des Damms liegt der Bahnhof Potsdam Pirschheide, ein Halt der RB 33. Wer abkürzen will, steigt hier ein. Dahinter beginnt der Uferweg am Templiner See, 770 Meter lang und drei Meter breit, 2016 für rund 280.000 Euro saniert und Teil des Havelradwegs. An zwei Rastplätzen mit Seeblick kannst du eine Pause einlegen. Die offizielle Etappenbeschreibung nennt auf diesem Stück außerdem den Olympiastützpunkt und den Yachthafen.

Danach kommst du am Luftschiffhafen vorbei. 1911 erwarb Ferdinand Graf von Zeppelin das Gelände an der Havel, und es entstand die damals weltgrößte Luftschiffhalle, in die zwei Zeppeline von je über 150 Metern Länge passten. Der Versailler Vertrag verbot 1919 alle Luftschifffahrtseinrichtungen, die Halle wurde abgerissen. Erhalten sind das historische Eingangstor und Werkstattgebäude mit Sheddächern. Heute ist das Gelände Sportpark und Olympiastützpunkt.

Ankunft in Potsdam

Kurz vor dem Ziel kam eine Stahlbogenbrücke in Sicht, dahinter die Hochhäuser der Potsdamer Innenstadt. Von dort sind es noch knapp zwei Kilometer bis zum Hauptbahnhof, wo meine Etappe nach 20,2 Kilometern endete. Von hier fahren neben RE 1 und S7 auch die RB 20, RB 21, RB 22, RB 23 und RB 33 ab, du kommst also in fast jede Richtung weiter.

Der offizielle Wegpunkt liegt am Luisenplatz vor dem Brandenburger Tor, rund anderthalb Kilometer weiter nordwestlich. Die offizielle Route macht vorher noch einen Bogen durch den Park Sanssouci, diesen Teil bin ich nicht gegangen. Wenn du den Kreis an der offiziellen Stelle schließen willst, hängst du den Abstecher zum Brandenburger Tor einfach an. Für mich ist mit dieser Etappe der Bogen von Strausberg bis Potsdam fertig. Offen sind noch die Etappen 1 bis 3 und 5 bis 7, dann ist der Kreis um Berlin zu.

Am Wegesrand

Abstecher zum Einsteinhaus

Am Havelhang oberhalb des Ortes steht das Sommerhaus, das Konrad Wachsmann für Albert Einstein entwarf. Einstein lebte dort von 1929 bis 1932 fast ganzjährig, segelte auf dem Templiner See und nannte das Haus sein „Häusle“. Eigentlich wollte ihm die Stadt Berlin zum 50. Geburtstag am 14. März 1929 ein Haus mit Seeblick schenken. Nur hatte im vorgesehenen Haus die Vorbesitzerin ein Nutzungsrecht auf Lebenszeit, und weitere Vorschläge scheiterten an Streit im Stadtrat. Am Ende kaufte Einstein das Grundstück in Caputh selbst. Von Mitte März bis Ende Oktober kannst du das Haus am Wochenende mit Führung besichtigen.

Gut zu wissen

  • Abkürzen kannst du mit der RB 33 in Caputh (Caputh-Schwielowsee oder Caputh-Geltow) und in Potsdam Pirschheide.
  • Am Großen Lienewitzsee gibt es eine kleine Sandbadestelle.
  • Die Kirche Caputh ist von Ostern bis Erntedank täglich geöffnet, das Schloss Caputh von April bis Oktober dienstags bis sonntags.
  • Das Einsteinhaus liegt nicht direkt am Weg, sondern oben am Hang. Besichtigung nur am Wochenende mit Führung.
  • Der offizielle Endpunkt ist der Luisenplatz, rund anderthalb Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt.
  • Ältere Beschreibungen nennen für Caputh noch die RB 23. Heute fährt dort die RB 33.

Fazit

Mit gut 20 Kilometern ist das eine der kürzeren Etappen, und sie hat viel Abwechslung: Waldseen, ein Barockschloss, eine italienische Dorfkirche, ein Bahndamm über den See und zum Schluss die Stadt.

Die letzten Kilometer sind Stadtrand, und am Hauptbahnhof verpasst du den offiziellen Abschluss am Brandenburger Tor. Ich habe ihn auch ausgelassen. Der Luisenplatz läuft aber nicht weg, den Abstecher kann ich jederzeit nachholen.