Unterwegs zu Fuß

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66-Seen-Wanderweg, Etappe 4: Von Hennigsdorf nach Wensickendorf

Abgestorbene Erlen stehen in einem von Bibern aufgestauten Gewässer im Briesetal bei Birkenwerder

66-Seen-Wanderweg, Etappe 4 von 17 · Zum Gesamtbericht

Von Hennigsdorf nach Wensickendorf sind es gut 25 Kilometer, zu einem großen Teil durch das Briesetal nördlich von Berlin. Hennigsdorf erreichst du mit der S25, dem RE 6 oder der RB 55. Für die Rückfahrt aus Wensickendorf solltest du vorher planen, besonders am Wochenende.

Ich bin am Sonntag, dem 19. Februar 2023, in Hennigsdorf losgegangen. In der Einteilung von Manfred Reschke mit 17 Etappen ist das die vierte, sie führt vom Nordwesten Berlins nach Norden. Die Etappen 1 bis 3 und 5 bis 7 bin ich noch nicht gelaufen, sie folgen. Alle bisherigen Etappen und den Überblick über den Weg findest du im Gesamtbericht.

Inhalt dieser Etappe

Strecke

25,3 km

Gehzeit

5:29 h

Start

Bahnhof Hennigsdorf

Ziel

Wensickendorf

Gelaufen am

19. Februar 2023

Untergrund

Asphalt in Hennigsdorf, danach Wald- und Feldwege, im Briesetal Bohlenwege über nasse Stellen

  • Mit der Bahn erreichbar
  • Abkürzbar
  • Bus nötig
Karte: 66-Seen-Wanderweg, Etappe 4Etappe 4 von Bahnhof Hennigsdorf nach Wensickendorf, 25,3 km. Die übrigen Etappen sind blass dargestellt.Start: Bahnhof HennigsdorfZiel: Wensickendorf5 km
Etappe 4 von Bahnhof Hennigsdorf nach Wensickendorf, 25,3 km. Die Pfeile zeigen die Gehrichtung, die übrigen Etappen des 66-Seen-Wanderwegs sind blass dargestellt.

Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.

Darum lohnt sich die Tour

  • Briesetal mit Bohlenwegen und Bruchwald
  • Abgestorbene Erlen in den Stauen der Biber
  • Feldsteinkirche von 1438 in Wensickendorf
  • Start an der Havel in der Industriestadt Hennigsdorf

Anreise

Hin

S25 bis Hennigsdorf (Endhalt), außerdem RE 6 und RB 55

Zurück

RB 27 ab Wensickendorf nur montags bis freitags zur Hauptverkehrszeit; sonst PlusBus 825 nach Oranienburg (S1) oder über Wandlitz nach Bernau

Takt

S25 alle 20 Minuten, RB 55 und RE 6 stündlich; PlusBus 825 montags bis freitags stündlich, am Wochenende alle zwei Stunden

Abkürzen

Start in Birkenwerder mit S1 oder S8, das Briesetal liegt dann noch vor dir

Am Wandertag im Februar 2023 fuhr die Heidekrautbahn RB 27 auch am Wochenende noch bis Wensickendorf. Seit dem 14. Dezember 2025 hält sie dort nur noch an Werktagen zur Hauptverkehrszeit, die Fahrpläne der NEB zeigen nur wenige Fahrten, ausgerichtet auf den Berufsverkehr.

Die Route

Hennigsdorf und die Havel

Los geht es am Bahnhof Hennigsdorf, wo die S25 endet. Von dort bin ich zuerst hinunter zur Havel gegangen, nach einem knappen Kilometer kommt der Hafen. Für die nächsten zehn Kilometer ist das der letzte Blick auf einen Fluss.

Hennigsdorf hat sich vom kleinen Fischerdorf zum bedeutenden Industriestandort entwickelt. Der Anfang dieser Entwicklung liegt bei der AEG: 1910 entstand hier eine Porzellanfabrik des Konzerns, 1913 verlegte die AEG ihre Lokomotivfertigung von Berlin nach Hennigsdorf. In der DDR hieß das Werk ab 1951 VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke „Hans Beimler“, kurz LEW. Nach der Wende folgten Treuhand, Adtranz und ab 2001 Bombardier, seit 2021 gehört das Werk zu Alstom. Als Auflage der EU musste Alstom bei der Übernahme unter anderem die Fertigung des Regionalzugs Talent 3 in Hennigsdorf abgeben. Züge werden in Hennigsdorf also seit über hundert Jahren gebaut.

2010 hat der Standort sein hundertjähriges Bestehen gefeiert, damals arbeiteten rund 2.200 Menschen im Werk. Wenn du mehr über die Stadt wissen willst, als ein Spaziergang zur Havel hergibt: Seit 2016 zeigt eine stadtgeschichtliche Ausstellung im Alten Rathaus, wie aus dem Dorf an der Havel eine Industriestadt wurde.

Am Außenring vorbei nach Norden

Hinter der Stadt wird es schnell ruhiger. Am Rand von Hennigsdorf geht es nach Norden, bald auf unbefestigten Wegen. Bei Kilometer fünf komme ich an der Bahnbrücke des Berliner Außenrings vorbei. Sie ist voller Graffiti und für eine ganze Weile das letzte Stück Stadt.

Gut einen Kilometer später kreuzt der Weg die Autobahn bei Hohenschöpping. Danach sind es noch rund vier Kilometer bis ins Briesetal. Auf diesem Stück machst du vor allem Strecke.

Ins Briesetal

Ab Kilometer zehn bin ich im Briesetal. Die Briese ist ein Fließ ohne echte Quelle: Sie entwässert den Wandlitzsee über den Rahmersee und den Lubowsee und mündet nach rund 17 Kilometern in die Alte Havel. Auf alten Karten heißt sie oft einfach Mühlenfließ. Schwarzerlen bestimmen die Wiesen und Wälder am Ufer, und das bleibt auf den nächsten Kilometern so.

Insgesamt bin ich fast neun Kilometer im Tal unterwegs. Das ist mehr als ein Drittel der Etappe, und es ist der Teil, in dem der Weg am meisten Kurven macht. Wo es zu nass wird, helfen Stege und Bohlenwege weiter, dazwischen geht es auf Pfaden durch den Erlenwald. Richtig verlaufen kannst du dich hier kaum, das Tal gibt die Richtung vor.

Gleich am Anfang des Tals führt ein Bohlenweg über ein Sumpfgebiet. Danach bleibt der Weg dicht am Wasser, die Briese windet sich durchs Tal. Weiter hinten überquert der Weg das Fließ auf einer Brücke und wechselt die Seite.

Autobahn, Nordbahn, Birkenwerder

Dann führt erst die A10 über die Niederung, wenige hundert Meter weiter die Nordbahn bei Birkenwerder. Unter der Autobahn steckt eine Geschichte, mehr dazu unten bei Am Wegesrand.

Birkenwerder ist der Punkt, an dem du die Etappe teilen kannst. Dort halten S1 und S8, und auch das Reiseland Brandenburg lässt seine Etappe ins Briesetal hier beginnen. Wer nur das Tal laufen will, steigt hier ein und hat immer noch gut zwölf Kilometer vor sich.

Wo die Biber das Sagen haben

Hinter Birkenwerder wird das Briesetal nasser. Der Bruchwald steht im Wasser, und zwischen Kilometer 15 und 19 kommen die Stellen, für die diese Etappe bekannt ist: Kahle, graue Stämme ragen aus flachen Wasserflächen, ohne Äste und ohne Rinde.

Das waren die Biber. Seit etwa 2006 leben an der Briese zeitweise mehrere Biberfamilien. Ihre Dämme haben das Wasser aufgestaut, viele Erlen sind dadurch abgestorben, und der Bestand wird seitdem der Natur überlassen. Erlen kommen mit nassen Füßen eigentlich besser zurecht als jeder andere Baum, sie haben dafür besondere Wurzeln. Gegen einen dauerhaften Stau hilft das trotzdem nicht. Ein Biber frisst im Winter übrigens rund 900 Gramm Rinde am Tag.

Das Reiseland Brandenburg wirbt mit den Bäumen, die aus dem Wasser ragen, und das ist hier ausnahmsweise keine Übertreibung. Auf einem Tümpel schwammen ein paar Enten.

Über Felder nach Wensickendorf

Nach dem nassen Teil wird es trocken. Felder und Kiefernwald wechseln sich ab, das Tal mit seinen Erlen bleibt hinter dir.

Nach einer Weile komme ich an der Zühlsdorfer Mühle vorbei. Eine historische Mühle an der Briese stand hier schon früher, heute ist an der Stelle ein Naturcampingplatz, der von Mai bis Anfang Oktober geöffnet hat. Markiert ist der Weg wie überall mit einem blauen Punkt auf weißem Grund, den ich auch im Kiefernwald gut gefunden habe.

Kurz vor dem Ziel kommt der Weg am Funkturm von Wensickendorf vorbei, dann bin ich im Dorf. Wensickendorf ist ein Angerdorf und gehört heute zu Oranienburg. In der Mitte steht die Feldsteinkirche, deren Dachstuhl fast 600 Jahre alt ist. Woher das so genau bekannt ist, steht unten bei Am Wegesrand. Vom Anger sind es noch einige hundert Meter bis zum Bahnhof.

Seit Dezember 2025 hält die RB 27 hier nur noch werktags zur Hauptverkehrszeit. Samstags und sonntags bleibt dir der PlusBus 825.

Am Wegesrand

Ein Moor unter der Autobahn

Wo die A10 bei Birkenwerder über die Niederung führt, lag früher Moor. Beim Bau der Autobahn um 1970 wurde es im Bereich der Nordbahn etwa fünf Meter tief ausgebaggert, die Senke danach verfüllt. Wer heute darunter durchläuft, sieht davon nichts mehr.

Ein Dachstuhl von 1438

Wie alt die Dorfkirche von Wensickendorf ist, verrät ihr Dach. Die Eichen für den Dachstuhl wurden 1438 gefällt, das hat eine Untersuchung der Jahresringe ergeben. Der Westturm aus Feldstein ist so breit wie das Schiff. Sein hölzerner Aufsatz brannte 1772 ab, der heutige Backsteinaufsatz mit Zeltdach stammt von 1908/09.

Im Turm hängen drei Stahlglocken mit kurzen Inschriften: „Fröhlich in Hoffnung“, „Geduldig in Trübsal“ und „Treu im Gebet“. Das Schiff wurde 1861 umgestaltet, aus dem gleichen Jahr stammt die Orgel von Carl Ludwig Gesell aus Potsdam.

Gut zu wissen

  • Rückfahrt am Wochenende: Seit dem 14. Dezember 2025 fährt die RB 27 zwischen Basdorf und Wensickendorf nur noch montags bis freitags zur Hauptverkehrszeit. Samstags und sonntags fährt der PlusBus 825 alle zwei Stunden nach Oranienburg (S1) oder über Wandlitz nach Bernau (S2).
  • Kürzer geht es ab Birkenwerder (S1, S8). Dann läufst du rund zwölf Kilometer, und das Briesetal mit den Biberstauen liegt komplett vor dir.
  • Im Briesetal ist es nass. Über die sumpfigsten Stellen führen Bohlenwege, festes Schuhwerk schadet trotzdem nicht.
  • Markiert ist der 66-Seen-Wanderweg mit einem blauen Punkt auf weißem Grund.
  • Das Reiseland Brandenburg teilt den Weg anders ein. Birkenwerder bis Wensickendorf ist dort die 5. Etappe, die Nummern passen nicht zu Reschkes 17 Etappen.
  • Die Etappen 5 bis 7 von Wensickendorf bis Strausberg folgen noch. Bei mir geht es mit der Etappe 8 ab Strausberg weiter.

Fazit

Zuerst kommt Hennigsdorf mit Havel und Bahnbrücken, dann rund fünf Kilometer Stadtrand und Wald, auf denen du vor allem Strecke machst, und schließlich das Briesetal. Für mich war das Tal mit seinen Bohlenwegen und den kahlen Erlen in den Biberstauen der beste Teil. Am Ende kommen Felder, Kiefern und ein altes Dorf.

Wer das Briesetal sehen will, kann die Etappe auch erst in Birkenwerder beginnen. Ohne Wochenendzug ab Wensickendorf brauchst du samstags und sonntags den Bus, und der fährt nur alle zwei Stunden. Den Fahrplan solltest du kennen, bevor du losgehst.