66-Seen-Wanderweg, Etappe 16 von 17 · Zum Gesamtbericht
Die Etappe 16 führt auf 28,5 Kilometern von Trebbin nach Seddin. Du gehst durch die Altstadt von Trebbin und über den Löwendorfer Berg in den Naturpark Nuthe-Nieplitz. Dort kommst du über einen Bohlensteg an den Blankensee und durch den Schlosspark, danach geht es über Stücken und Wildenbruch zum Großen Seddiner See. Hin fährt der RE 4, zurück der RE 7.
Ich bin am Sonntag, dem 17. März 2024, am Bahnhof Trebbin losgegangen, zwei Wochen nachdem ich auf der Etappe 15 aus Wünsdorf hier angekommen war. Der Tourismusverband führt den Abschnitt als 20. Etappe und nennt ihn „Wandern im Vogelparadies“. Wie sich das Stück in den ganzen Weg einfügt, steht im Gesamtbericht.
Inhalt dieser Etappe
Steckbrief
Strecke
28,5 km
Gehzeit
6:06 h
Start
Bahnhof Trebbin
Ziel
Bahnhof Seddin
Gelaufen am
17. März 2024
Untergrund
Straßen in Trebbin und Blankensee, Feld- und Waldwege, Bohlensteg am Blankensee
Einkehr
Museumsschänke im Bauernmuseum Blankensee (am Wochenende, vorher prüfen)
- Mit der Bahn erreichbar
- Einkehr am Weg
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), vereinfacht dargestellt.
Darum lohnt sich die Tour
- Bohlensteg durch den breiten Schilfgürtel am Blankensee
- Schlosspark Blankensee mit Sudermanns Monopteros
- Wehrkirche Wildenbruch aus dem 13. Jahrhundert
- Am Nordufer des Großen Seddiner Sees
Anreise
Hin
Mit dem RE 4 ab Berlin bis Trebbin. Der RE 3 fährt in Trebbin durch.
Zurück
Ab dem Bahnhof Seddin, der in Neuseddin liegt, mit dem RE 7 über Michendorf und Wannsee nach Berlin.
Takt
RE 4 stündlich. RE 7 stündlich, montags bis freitags zweimal pro Stunde.
Die Route
Trebbin: Kapelle, Stadtkirche und Fachwerk
Los geht es am Bahnhof Trebbin. Auf dem Weg in die Stadt kam ich an einer alten Hausfassade vorbei. Darauf sind noch „Mehl & Kleie“ und „Verkauf von“ zu lesen, der Rest der Schrift ist verblasst. Ein paar Schritte weiter steht das Postamt. Ganz in der Nähe ist 1988 ein Meteorit eingeschlagen, mehr dazu unten unter Am Wegesrand.


Nach knapp einem Kilometer steht die St. Annenkapelle, ein turmloser spätgotischer Bau vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Gebaut wurde sie vermutlich für das Annenhospital, das damals vor der Stadt lag und 1575 in einer Kirchenvisitation erwähnt wird. Zur Ausstattung gehört ein lebensgroßes Kruzifix von etwa 1520. Hinein kommst du nach Absprache mit dem Gemeindebüro.

Ein paar hundert Meter weiter folgt die Stadtkirche St. Marien. Friedrich II. ließ sie 1740 bis 1744 als verputzten Saalbau errichten, weil Trebbin seit 1722 Garnisonsstadt war. Vorbild für den Quersaal war die Potsdamer Garnisonskirche, deshalb steht der Altar nicht im Osten, sondern im Süden. Den steinernen Turm bekam die Kirche 1755, den Spitzhelm 1764. Teile stehen auf den Grundmauern eines gotischen Feldsteinbaus aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Laut Kirchengemeinde ist in Trebbin außerdem das älteste Buch der Mark Brandenburg entstanden, ein Marienpsalter. Gedruckt wurde er in den 1490er Jahren im Kloster Zinna.
Im Stadtkern erinnern Skulpturen an Hans Clauert, den märkischen Eulenspiegel, dem du unten noch einmal begegnest. Danach bin ich an Fachwerkhäusern vorbei aus der Altstadt hinausgegangen.


Über den Löwendorfer Berg
Hinter der Stadt läuft der Weg ein Stück an einem Graben entlang und steigt dann zum Löwendorfer Berg an. Er ist 103 Meter hoch. Oben steht ein Aussichtsturm aus Holz, 21,7 Meter hoch und im Juni 2012 eingeweiht. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis Berlin und Potsdam. Schilder zeigen die Richtungen an, unter anderem zur Partnerstadt Weil am Rhein.


Die Aussichtsplattform ist inzwischen wegen Pilzbefalls gesperrt und muss saniert werden, die unteren Stockwerke sind begehbar. Vom Turm sind es dann noch rund sechs Kilometer durch Wald und Feld bis zum Blankensee.
Am Blankensee
Nach etwa zehn Kilometern erreichst du den Blankensee und bist mitten im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Er liegt in der Niederung zwischen Nuthe und Nieplitz, mit einer Kette flacher Seen. Der Schilfgürtel am Blankensee ist stellenweise bis zu 300 Meter breit, im Frühjahr und Herbst rasten im Naturpark bis zu 180.000 Wasservögel.
Das Ufer selbst ist sonst nicht zugänglich. Ans Wasser kommst du trotzdem, über einen breiten Bohlensteg mit Sitzbänken, der auch mit Rollstuhl befahrbar ist. Näher kommst du dem See auf dieser Etappe nicht, und für eine Rast ist der Steg ein guter Platz.
Schlosspark Blankensee und Hermann Sudermann
Vom See führt der Weg an einem Bach entlang in den Schlosspark.

Das Herrenhaus ließ Christian von Thümen ab 1701 im märkischen Barock bauen, bis 1740 wurde es erweitert. 1832 wurde der Park nach Lenné umgestaltet. Bekannt ist das Anwesen aber durch Hermann Sudermann: Der Schriftsteller pachtete es 1897 von Victor von Thümen und kaufte es 1902. Sudermann stammte aus dem Memelland, wurde mit dem Roman „Frau Sorge“ und dem Stück „Die Ehre“ bekannt und starb 1928 in Berlin.
Auf Reisen nach Italien und Süddeutschland kaufte Sudermann Büsten, Vasen und Skulpturen für den Park, der heute frei zugänglich ist. Den Rundtempel, einen Monopteros, gestaltete der Bildhauer Otto Stahn für ihn. Die Marmorsäulen kamen aus Italien und wurden vom Bahnhof Trebbin herangefahren, also von dort, wo diese Etappe beginnt.


Im Februar 2024, wenige Wochen vor meiner Wanderung, hatte Hochwasser der Nieplitz den Park überflutet. Theodor Fontane widmete Blankensee ein Kapitel seiner „Wanderungen“, Sudermann verarbeitete den Ort in seinem Roman „Das hohe Lied“ von 1908.
In der Dorfstraße kommst du am Bauernmuseum vorbei, einem fast 300 Jahre alten, denkmalgeschützten Mittelflurhaus mit Museumsschänke. Kurz danach fiel mir das alte Feuerwehrhaus mit seinem hölzernen Turm auf.

Über Stücken nach Wildenbruch
Aus Blankensee hinaus geht es ein Stück auf der Straße, vorbei am Gut Breite, nach Stücken. Dort steht eine Dorfkirche aus Feldsteinquadern, deren Schiff aus dem 13. Jahrhundert stammt. Ein Dorfbrand am 4. August 1847 zerstörte Dach und Turm, 1850 bekam die Kirche einen neugotischen Westturm von rund 30 Metern. Stücken ist seit 1317 Mutterkirche, im 16. Jahrhundert gab es auf dem Kirchhof sogar einen eigenen Weingarten.

Nach gut 20 Kilometern kommt wieder Wasser in Sicht, kurz danach erreichst du Wildenbruch.

Die Dorfkirche von Wildenbruch gilt als älteste Kirche der Umgebung. Die spätromanische Feldsteinkirche wurde um 1250 gebaut, mit breitem Westwerk, eingezogenem Chor und Rundapsis. Die kleinen, hoch sitzenden Fenster und Wehrbalken zeigen, dass sie auch als Fluchtkirche diente. Den Turm aus Ziegelfachwerk setzte Adolph Friedrich von Rochow 1737 und 1738 auf, 1993 wurde er gerettet. Die mittelalterliche Bronzeglocke läutet bis heute.


Am Großen Seddiner See nach Neuseddin
Über einen Feldweg geht es zum Großen Seddiner See. Mit rund 252 Hektar ist er die größte Wasserfläche der Gemeinde Seddiner See. Die hat sich im Dezember 1993 aus Seddin, Kähnsdorf und Neuseddin gebildet und nach dem See benannt. Seit 1972 ist die Gegend Naherholungsgebiet. Der Weg folgt dem Nordufer, und als ich dort ankam, lag schon Abendlicht auf dem Wasser.


Dem See fehlt Wasser. Seit 2013 hat er seinen Normalwasserstand nicht mehr erreicht, der Pegel lag zeitweise bis zu 1,80 Meter darunter. Der BUND Brandenburg macht dafür vor allem die fünf Wasserwerke im Einzugsgebiet verantwortlich, deren Bedarf sich seit den 1990er-Jahren fast verdoppelt hat. Der Golfclub am See bewässert seine Anlage seit 2025 nicht mehr mit Seewasser.
Zum Schluss geht es durch das Dorf Seddin nach Neuseddin. Seddin ist ein Rundling slawischen Ursprungs und wird 1375 im Landbuch erwähnt. Neuseddin entstand erst ab 1915 mit dem Ausbau der Bahn, die Eisenbahnersiedlung mit ihren großen Gärten hat Gartenstadtcharakter. Der Rangierbahnhof wurde 1924 eröffnet, DB Cargo zählt ihn zu den wichtigsten Knoten für den Güterverkehr in Deutschland. Durch einen Tunnel kam ich zum Bahnhof, der Seddin heißt, obwohl er in Neuseddin liegt. Hier beginnt die Etappe 17 nach Potsdam.

Am Wegesrand
Ein Meteorit für Trebbin
Am 1. März 1988 ging in Trebbin ein Meteorit nieder, ein Steinmeteorit von 1.250 Gramm. Er soll ein Dach getroffen haben und in etwa 30 Stücke zerbrochen sein.
Hans Clauert, der märkische Eulenspiegel
Die Geschichten über Hans Clauert erschienen 1587 zum ersten Mal, aufgeschrieben von Bartholomäus Krüger, Stadtschreiber und Organist in Trebbin. Es sind 34 Geschichten, die meisten spielen in Trebbin. Clauert ist darin Kleinschmied und später Händler. Ob es ihn wirklich gab, ist ungewiss, ausgeschlossen ist es nicht. Den Beinamen „märkischer Eulenspiegel“ bekam er erst nach 1850. Wenn du mehr wissen willst, folg in Trebbin dem Clauert-Rundgang.
Gut zu wissen
- Die Aussichtsplattform auf dem Löwendorfer Berg ist wegen Pilzbefalls gesperrt, die unteren Etagen sind offen. Prüf den Stand vor der Tour.
- Das Ufer des Blankensees steht unter Schutz. Ans Wasser kommst du nur über den Bohlensteg.
- Der Schlosspark Blankensee ist frei zugänglich. Von April bis Oktober bietet das Bauernmuseum am letzten Sonntag im Monat eine Parkführung an.
- Die Annenkapelle in Trebbin kannst du nach Absprache mit dem Gemeindebüro besichtigen.
- Der Bahnhof Seddin liegt in Neuseddin, nicht im Dorf Seddin. Er ist zugleich Start der nächsten Etappe.
- Ältere Beschreibungen nennen für Trebbin den RE 3. Heute hält dort nur der RE 4.
Fazit
Die Etappe wechselt mehrmals den Charakter. Am Anfang Stadt, Kirchen und der Turm auf dem Löwendorfer Berg, in der Mitte der Blankensee und Sudermanns Park, danach eher Dörfer, Felder und lange Wege bis an den Seddiner See.
Der Park mit seinen italienischen Säulen mitten in der Mark ist für mich der Kern dieser Etappe. Der Seddiner See sah im Abendlicht friedlich aus, dabei fehlt ihm seit Jahren Wasser.
Weitere Etappen
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 4: Von Hennigsdorf nach Wensickendorf
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 9: Von Rüdersdorf nach Hangelsberg
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 10: Von Hangelsberg nach Bad Saarow
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 11: Von Bad Saarow nach Wendisch Rietz
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66-Seen-Wanderweg, Etappe 12: Von Wendisch Rietz nach Leibsch
